Rote Fahne 14/2018

Rote Fahne 14/2018

Bis zum letzten Atemzug

So lautet der Titel des Buches von Felicia Langer – und gleichzeitig kennzeichnet dieser Titel ihr ganzes Leben

Von Sindelfingen (Korrespondenz)
Bis zum letzten Atemzug
Felicia Langer erhielt 1990 den Right Livelihood Award für ihren Einsatz für die Rechte der Palästinenser. Foto: RF & Montage

Jahrzehntelang verteidigte sie als Rechtsanwältin ­palästinensische Angeklagte in Is­rael vor regulären und auch vor den Geheimgerichten der Armee. Sie emigrierte später in die Bundesrepublik und setzte sich hier mit ih­rer ganzen Kraft und Persönlichkeit für die palästinensische Sache ein. 1990 erhielt sie dafür den Alternativen Friedensnobelpreis, 2009 unter ­großem Protest von zionistischen Vertretern das Bundes­verdienstkreuz. Im Zentrum ihrer vielen Veröffentlichungen stehen die Rechte der Palästinenser und ein friedliches Zusammenleben im Nahen Osten von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit.

 

In „Bis zum letzten Atemzug“ finden wir einen Überblick vieler Texte aus ihrem gesamten politischen Leben.

 

Zu 50 Jahren israelischer Besatzung 2017 heißt es: „Ich schrieb damals … über das palästinensische Volk, das die Be­satzung nicht akzeptiert. Und über Israel, den Sieger schrieb ich, dass er das Brodeln des Vulkans unter seinen Füßen nicht gehört hat. … Und ich sagte damals, und sage es noch heute: ,Wehe dem Sieger!‘“1 „Ich bin Augenzeugin von Häuserzerstörungen als Kollektivstra­fe, Landraub, Besiedlung der Gebiete, Folterungen, Administrativ­haft, Vertreibung. Ich habe auch als Zeugin vor den Vereinten Na­tionen ausgesagt …, leider zu oft vergeblich, weil das Rechtssys­tem der Besatzer eine Farce ist.“ (S. 39) ­„Es war kein Verteidi­gungskrieg, sondern ein Massaker im Käfig, in Gaza unter Abriege­lung, dem größten Freiluftgefängnis der Welt. Eine Schande für Is­rael.“ 2

 

Felicia Langer brandmarkt die Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit Israel: „Während sich die Situation in Isra­el und den be­setzten Gebieten dramatisch zuspitzt, liefert die Bundesregierung weiterhin regelmäßig mit Steuergeldern bezahlte Kriegsgeräte nach Israel und behauptet, sich für Frieden in Nahost einzusetzen.“3

 

„Die israelischen Soldaten, die das Schweigen über ihre Taten ge­gen die Palästinenser gebrochen haben, … die das Gewissen Israels sind, können ihre Wahrheit nicht in Deutschland verbreiten, wegen des Drucks der israelischen Lobby.“4

 

Und Felicia Langer kritisiert, dass sich auch Teile der Linkspartei zur Unterstützung der verbrecherischen Politik Israels ein­spannen lassen, so Gregor Gysi und Petra Pau, die 2009 Informati­onsveranstaltungen zum Nahostproblem mit ihr verhindert hatten.5

 

Das ganze Buch ist eine Fundgrube für das engagierte Auftreten von Felicia Langer, für ihren ungebrochenen Optimismus, dass das Un­recht besiegt und das palästinensische Volk in Freiheit und Frie­den leben darf.

 

„Es gibt weltweit keine andere Persönlichkeit, die ihr Leben und ihre Profession als Anwältin so in den Dienst der palästinensi­schen Sache gestellt hat, wie die Deutsch-Israelin Felicia Lan­ger.“ 6

 

1 Felicia Langer, „Bis zum letzten Atemzug“, S. 38

2 Ebenda S. 40

3 Ebenda, aus einem Zitat von Annette Groth, Die Linke, S. 74

4 Ebenda S. 85

5 Ebenda S. 101f.

6 Ebenda, Ludwig Watzal, S. 9

 

In der Nacht auf den 22. Juni 2018 verstarb Felica Langer.
Die Redaktion Rote Fahne wird sich immer an sie und die Interviews mit ihr erinnern.