Mitten in der Tarifrunde
Vierstündiger Warnstreik gegen geplante Werksschließung von Schaeffler in Dortmund
Mitten in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gab der Schaeffler-Konzern heute die Vernichtung von weltweit weiteren 3840 Arbeitsplätzen bekannt, davon 2800 in Deutschland. Dazu sollen vier Werke in Deutschland geschlossen werden. Es ist sicher kein Zufall, dass die Bekanntgabe mit der ersten Warnstreikwelle der Kolleginnen und Kollegen zusammenfällt. Sozusagen als Beweis für die angebliche Notwendigkeit zu verzichten.
Wie eine Bombe schlug die Bekanntmachung der Schließung des Werks in Dortmund bei den 430 Kolleginnen und Kollegen und ihren Familien ein. „Obwohl jeder von uns wusste, dass wir mit dem Verbrennen-Aus auf der Kippe stehen, hat die Bekanntgabe der Schließung 2029 uns alle geschockt und vor den Kopf gestoßen.“ Die IG Metall hatte für diesen Tag zu einem Warnstreik im Rahmen der Tarifrunde aufgerufen. Das nutzten die Kolleginnen und Kollegen, um nach einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung geschlossen ans Tor zu marschieren. Vorneweg das Transparent: „Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsgplatz und Umweltschutz.“ Am Tor wurden die Kolleginnen und Kollegen von Delegationen der SPD und der MLPD mit Transparenten und Fahnen empfangen. Auch der Oberbürgermeister Kalouti kam vorbei und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Zahlreich war auch die Presse vertreten.
Auf der Belegschaftsversammlung wollte der Vorstand die Kolleginnen und Kollegen von dem Stilllegungsbeschluss überzeugen. Doch das wollten die Kolleginnen und Kollegen gar nicht hören. „Du brauchst Deine Folien gar nicht erst auflegen, wir wissen, was auf uns zukommt.“ Nach 25 Minuten beendeten die Kolleginnen und Kollegen die Versammlung und marschierten wütend und entschlossen ans Tor. Wichtig war, dass einige Kolleginnen und Kollegen noch sehr gute Erinnerungen an den erfolgreichen selbständigen Streik 2008 hatten. Die meisten waren der Ansicht, dass an der Stilllegung 2029 nicht mehr zu rütteln ist. Trotzdem aber herrschte keine resignative Stimmung. Die Kolleginnen und Kollegen blockierten das Tor und weigerten sich auch, wieder zurück an die Arbeit zu gehen. Die MLPD war mit Transparenten, Flugblättern vertreten und führte ausführliche Diskussionen. Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Garbe, provozierte die Versammlung, indem er einen Vertrauensmann ganz nah filmte. Er wurde dabei von einem IG-Metall-Kollegen daran gehindert. Darauf entwickelte sich eine Auseinandersetzung mit einem kleineren Teil der Kolleginnen und Kollegen, die sich darüber erregten, dass die AfD als faschistisch bezeichnet und am Reden gehindert werden sollte. Das ist aber völlig berechtigt, denn die AfD ist zutiefst arbeiterfeindlich und Grabe ein Weggefährte der Faschisten Höcke und Helferich. Es ist ein Trugschluss, mit der Forderung „Politik gehört hier nicht hin,“ mit den Einflüssen der kleinbürgerlich-faschistischen Denkweise fertig zu werden, das Gegenteil ist der Fall.
Wichtig war die Solidaritätserklärung der VKL von TKSE, die ein Kollege der VKL vortrug. Sie stellte die Beschlüsse von Schäffler in den Zusammenhang der Pläne von Monopolen und Regierung auf die Arbeitsplätze und die sozialen Errungenschaften und Arbeiterrechte. Dieser Kampf muss branchen- und konzernübergreifend, offensiv und organisiert geführt werden. Das kam auch zum Ausdruck durch die Transparente der MLPD „Mitbestimmung durch Streik“ und „Arbeiteroffensive gegen den Generalangriff durch Regierung und Monopole“. Wichtig waren auch einzeln Gespräche über eine Stärkung der Betriebsgruppe der MLPD. Die Auseinandersetzung wird im Zusammenhang mit der Tarifrunde sicher weitergehen, sie hat erst begonnen.