Den Sieg sichern
Viel zu klären in der sozialistischen Jugendbewegung!
Am 31.10. trug die sozialistische Jugendbewegung einen wichtigen Sieg davon. Sie erteilte bürgerlicher Instrumentalisierung eine Absage, die Fahnenverbote, eine Öffnung nach rechts, Unterdrückung von Kapitalismuskritik und Sozialismusdiskussion, Jugendkult und Spaltung zwischen Jung und Alt zur Grundlage der Jugendbewegung machen wollte.
Es ist begeisternd zu sehen, wie überall auf der Welt Jugendliche gegen die gesellschaftlichen Zustände rebellieren. Im weltweiten vorrevolutionären Gärungsprozess läuft die rebellische Jugendbewegung zu Höchstform auf. Sie beweist dabei großen Mut, Kampfbereitschaft und Offenheit für das Neue.
Aber es ist auch noch viel zu klären. Die Masse der Jugendlichen, die heute gegen Wehrpflicht, Faschisten, Kürzungspolitik und Umweltzerstörung rebelliert, ist noch nicht vom wissenschaftlichen Sozialismus und der Notwendigkeit einer Revolution überzeugt. Wir wissen auch aus allen bisherigen Erfahrungen, dass die Jugend besonders beeinflussbar ist. Gerade deshalb braucht es Revolutionäre und Marxisten-Leninisten, die Orientierung schaffen, Kämpfe als Schule des Klassenkampfs organisieren, Bewusstheit und Organisiertheit stärken und dem Sozialismus zu neuem Ansehen verhelfen.
Gemeinsam haben Kräfte der sozialistischen Jugendbewegung wie der REBELL, Young Struggle, Internationale Jugend und viele weitere auf der Straße gekämpft und gut zusammengearbeitet, nicht zuletzt gegen die massive Repression durch den Staatsapparat. Nur REBELL und MLPD bezogen aber in der Öffentlichkeit klar Stellung gegen den offiziellen Aufruf und den Slogan „Gen Z regelt“. Ein Großteil der Jugendgruppen von SDAJ bis Internationale Jugend hat den Slogan sogar übernommen. Darum entfaltet sich auch in der sozialistischen Jugendbewegung eine wichtige Auseinandersetzung.
Dazu müssen die verschiedenen Kräfte der sozialistischen Jugendbewegung selbst mit Einflüssen des Linksopportunismus und der Anbetung der Spontaneität fertig werden. Diese drücken sich z.B. darin aus, kritiklos dem Hype um „Gen Z“ zu folgen, nach dem Motto „Die Bewegung ist alles“. Rote Fahne News bezog gegen schon klar Position: Ist die Bewegung alles?
Teilweise wurde auch argumentiert, die Losung wäre „eben Jugendsprache und deshalb doch ganz witzig“. Sprache ist aber nie ideologiefrei, sondern Schauplatz des weltanschaulichen Kampfs. Es ist heute sogar eine Hauptmethode bei der Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Herrschenden, willkürlich irreführende, oft antikommunistisch ausgerichtete Begriffe zu schaffen, die heillose Verwirrung stiften.
Wenn wir uns diese Begriffe als Revolutionäre und Marxisten-Leninisten zu eigen machen, stiftet das nur noch mehr Verwirrung, anstatt sie aufzulösen. Der russische Revolutionär Lenin schrieb in seiner berühmten Schrift „Was tun?“, „dass jede Anbetung der Spontaneität der Arbeiterbewegung, jede Herabminderung des „bewußten Elements“ … zugleich – ganz unabhängig davon, ob derjenige, der diese Rolle herabmindert, das wünscht oder nicht – die Stärkung des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiter bedeutet.“
Wir wissen nicht erst seit Fridays for Future, dass die Herrschenden nicht tatenlos zuschauen, wenn sich Protestbewegungen formieren, und erst recht nicht, wenn eine sozialistische Jugendbewegung entsteht. Sie gehen dagegen mit brutaler Unterdrückung vor, was die massive Polizeigewalt am Samstag bestätigte. Aber sie nutzen auch die Methode des Betrugs, der ideologischen Beeinflussung, mit der sie Bewegungen systemkonform machen, unterwandern und von innen heraus zerstören wollen. Manche Jugendgruppen übernahmen den Slogan, ohne den offiziellen Aufruf von „Gen Z regelt“ überhaupt zu lesen, der plötzlich im Internet kursierte. So naiv dürfen wir nicht sein.
Die Losung „Gen Z regelt“ vermittelt Jugendkult und Überheblichkeit. Jeder ältere Arbeiter oder auch gestandene Kämpferinnen und Kämpfer aus anderen Bewegungen werden darüber nur den Kopf schütteln. Wenn wir wirklich Faschismus, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Weltkriegsvorbereitung bekämpfen wollen, dann brauchen wir die Kampfeinheit zwischen Jung und Alt, zwischen Arbeiter- und Jugendbewegung. Eine sozialistische Jugendbewegung muss sich an die Spitze stellen, diese Kampfeinheit zu fördern und alles Spaltende zu überwinden. Hätten sich alle Kräfte der sozialistischen Jugendbewegung klar positioniert und dem eine Absage erteilt, wäre nicht in 34, sondern nur in vier Städten unter dieser Losung demonstriert worden.
Auf den Hype um „Gen Z“ aufzuspringen bedeutet, auf den ideologischen Kampf unter der Jugend zu verzichten. Das geht dann Hand in Hand mit der Taktik, die Proteste künstlich anzuheizen und pseudoradikal mit Vermummung und Pyrotechnik aufzutreten. Es ist natürlich heuchlerisch, wenn der Staatsapparat das zur Rechtfertigung für sein brutales Vorgehen missbraucht. Aber Versuche, als Revolutionäre die Massen zu einem Kampf zu provozieren, für den das notwendige Bewusstsein noch nicht ausreicht, schaden der Bewegung. So isoliert man sich von den Massen und der Kampf endet in einer Niederlage.
Linkes Abenteurertum ist nicht revolutionär. Es wirkt auf die Masse der Menschen abschreckend und spielt den Herrschenden in die Hände für die ohnehin geplante Faschisierung des Staatsapparats und antikommunistische Hetzkampagnen. Wirklich revolutionär ist es, mit systematischer Kleinarbeit die Massen zu überzeugen, zu organisieren und Kämpfe als Schule des Klassenkampfs zu führen. Wir müssen so arbeiten, dass nach einer Demonstration die Kräfte der sozialistischen Jugendbewegung gestärkt sind, mehr Klarheit und Organisiertheit gewachsen ist. Dazu gehört natürlich auch, uns auf Zusammenstöße mit dem Staatsapparat einzustellen und sie bewusst zu verarbeiten.
Wir haben als junge Marxisten-Leninisten große Verantwortung, damit ein weltweiter vorrevolutionärer Gärungsprozess auch wirklich zu einer revolutionären Situation ausreift. Da können wir nicht die Kräfte auf Nebenkriegsschauplätzen aufreiben.
Vom REBELL werden wir die Vorbereitung des International Youth Strike am 20. November auch dazu nutzen, um diese Auseinandersetzungen in der sozialistischen Jugendbewegung solidarisch zu führen.