Internationale Teilnehmerinnen am Frauenpolitischen Ratschlag
Täler und Berge gemeistert, um teilzunehmen
Festlich, herzlich, kulturvoll und solidarisch war der gestrige Empfang der internationalen Teilnehmerinnen am Frauenpolitischen Ratschlag im Kultursaal der Horster Mitte in Gelsenkirchen-Horst. Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen aus dem Jemen, dem Kongo, aus Uganda, den Niederlanden und auch aus Bangladesch.
Viele der über 200 Anwesenden waren bereits zuvor gemeinsam auf der Auftaktdemonstration und konnten sich hier direkt im Anschluss mit palästinensischen Gerichten, kräftigen Suppen und warmen und kalten Getränken stärken. Bercin vom Kämpferischen Frauenrat und Seyran vom Bundesvorstand Courage begrüßten herzlich alle Anwesenden im Saal und auch alle online-Zugeschalteten im Live-Stream und führten durch das Programm. Mit großer Spannung wurde von allen diesem Start entgegen gefiebert. Umrahmt wurde der Empfang und die Vorstellung der internationalen Teilnehmerinnen mit verschiedenen Liedern der kämpferischen Frauenbewegung und am Schluss auch mit leckerem, liebevoll selbst zubereiteten Fingerfood.
Jemen
Die Teilnehmerin aus dem Jemen gehört zu den ersten Frauen, die im Jemen gegen die faschistischen Kräfte in ihrem Land und für die Rechte der Frauen aufgestanden ist. Sie berichtete auch, dass es für sie überhaupt kein einfacher Weg war, zum Ratschlag zu kommen. Aber dass sie sich nicht davon hat abbringen lassen. Zweimal hatte sie versucht, ein Visum zu erhalten und zweimal wurde es aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt. Weite Wege hat sie über Berge und durch Täler zu Fuß hinter sich gelassen, die Unterbringung ihrer Kinder musste sie organisieren und für das dann erhaltene Visum über 1 000 Euro zahlen müssen. Den Vorschlag, gegebenenfalls auch Online teilzunehmen beantwortete sie mutig und entschlossen mit: „Wir Frauen müssen lernen zu kämpfen. Wir dürfen nicht so schnell aufgeben. Ich werde Täler und Berge überwinden, um am Ratschlag teilzunehmen!“
Kongo
Divin aus dem Kongo berichtete von der Lebenssituation der Masse der Bevölkerung, wie die Frauen im Kongo einen Großteil des Lebens der Familien schultern und dem krassen Widerspruch des Landes mit großen wertvollen Rohstoffvorkommen und gleichzeitiger großer Armut und Hunger sowie Unterdrückung. Ihr ist es ein großes Anliegen, dass sich die Frauen nicht mehr einfach mit ihrer Situation abfinden, dass sie laut „Hilfe“ rufen und sich zusammen schließen. Mehrfach betonte sie: „Wir sind dazu in der Lage!“
Eine Schweigeminute für die getöteten Frauen in Palästina und im Kongo wurde durchgeführt und stärkte das internationalistische Band der hier zusammenkommenden Weltfrauen.
Uganda
Patience aus Uganda ist eine Umweltschützerin und Klimaaktivistin. Sie empfindet es als ein besonderes Privileg und eine Ehre, dass sie beim Ratschlag vor all den vielen starken Frauen stehen darf. Sie rief dazu auf: „Wir müssen uns verändern, weil Veränderung notwendig ist“, und bezog sich dabei insbesondere auf den Einsatz für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit. Der Jugend eine Zukunft zu geben, dafür sieht sie sich, ihr Engagement und den Zusammenschluss der weltweiten kämpferischen Frauen als einen Samen, der wächst, heranreift und größer wird.
Niederlande
Aus den Niederlanden kam mit Halinka, Khadija und einer weiteren Frau ein internationales Ensemble aus Marokko, Belarus und den Niederlanden selbst. Sie erzählten von ihrem Kampf gegen die Regierungspolitik, die vieles auf den Rücken der Frauen abwälzt. „Wir sind dabei noch nicht am Ende“ machten sie klar und deutlich. Mit Stolz berichteten sie vom kürzlichen internationalen Hafenarbeiterprotest, insbesondere gegen die Verschiffung von Kriegsmaterial, mit dem Ruf „Wir transportieren keinen Tod!“. Ihr vorgetragenes Gedicht, u.a. mit den Zeilen „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen, wir lassen uns das nie mehr gefallen“ entstammt einem Lied von im Streik stehenden Reinigungskräften, was sie auf großes Verlangen aller Anwesenden auch musikalisch vortrugen.
Bangladesch
Nina aus Deutschland stand stellvertretend für die Gewerkschafterin Joly Talukder aus Bangladesh, die derzeit auch Streiks und Proteste mit Zehntausenden von Beteiligten führend organisiert und durchführt. Sie konnte leider nicht persönlich zum Ratschlag kommen, weil sie Opfer der reaktionären Visumsvergabe, als Unterdrückungsinstrument der kämpferischen Frauen der Welt, durch die deutsche Botschaft wurde. Unverschämt lehnte diese ihr Visum ab, weil der Zweck der Reise nicht glaubhaft wäre und die Gefahr bestehen würde, dass sie sich in den Schengen-Raum „illegal“ absetzen will. Joly wird aber Online teilnehme und sie wurde begrüßt mit den Rufen: „Long live international solidarity“.
Deutschland
Aus Deutschland begrüßte Anne vom Kämpferischen Frauenrat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ebenso zwei Automobilarbeiterinnen und IG-Metallerinnen, die von den bundesweiten Septemberkämpfen gegen die Vernichtung von über Hunderttausend Arbeitsplätzen alleine im Automobilbereich und die Ausbeutung durch Monopole und Staat berichteten, weil „die roten Linien längst überschritten sind“.
Anna vom Jugendverband REBELL kam direkt von einer Delegation aus Deutschland, die sich am Tag zuvor an den Protesten in Frankreich mit über 1,6 Millionen, davon alleine 350.000 in Paris, beteiligte. Sie berichtete von der neuen Entwicklung, wie sich darin Arbeiter- und Jugendbewegung durchdrungen haben. Auch, dass dabei um die Frage der weiteren Perspektive und insbesondere der notwendigen Organisiertheit gerungen wird. Punkte, die der frauenpolitische Ratschlag unbedingt stärken muss. Sie rief als ihren Schlachtruf aus Paris – auf deutsch und französisch: „Jugend – Zukunft – Sozialismus!“
Rita vom Bundesvorstand von Courage und CSD- und „Omas gegen Rechts“-Aktivistin wies auf die weltweite faschistische Gefahr hin, mit der die internationale Frauenbewegung fertig werden muss. So versucht in den USA die faschistisch-klerikale Bewegung, die Frauenbewegung zu vereinnahmen und zu beeinflussen. Dass muss die internationale Frauenbewegung unbedingt verhindern.
Stefan Engel, langjähriger Vorsitzender der MLPD und Leiter der Buchreihe „REVOLUTIONÄRER WEG“ grüßte den 14. Frauenpolitischen Ratschlag. Er führte dabei aus, dass er selber seit 40 Jahren mit der Frauenbewegung verbunden ist, seitdem die MLPD mit einer Frauenarbeit begonnen hat. Besonders betonte er den gegenseitigen Lernprozess für die Zusammenarbeit, den Zusammenhalt und die internationale Solidarität. Er würdigte, dass die Frauenbewegung sich ihren Platz in der Gesellschaft erkämpft hat und an ihr auch keiner vorbei kommt. Wichtig ist dabei, die Frauenfrage von ihren gesellschaftlichen Wurzeln her zu behandeln und die kapitalistische Unterdrückung der Masse der Frauen zu bekämpfen.
Ehrengast: die jüngste Teilnehmerin
Als einen gewissen besonderen Ehrengast wurde auch die jüngste Teilnehmerin begrüßt, die 2 Monate alte Amal, die den Empfang jedoch schlafend verfolgte. Alleine diese kurze Vorstellung verschiedener internationaler Teilnehmerinnen machte große Lust und Spannung auf den folgenden Ratschlag am Samstag und Sonntag, an dem sich noch jede und jeder, sowohl in Präsenz, als auch Online beteiligen kann.
Weitere Informationen zum Frauenpolitischen Ratschlag, dem Ablauf und das Programm unter https://frauenpolitischerratschlag.de