Trauerkultur international

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Kümche-Gedenken – international, vielschichtig, emotional und zukunftsgerichtet

Zum vierten Mal fand die kulturübergreifende Kümche-Feier am 1. November im Bistro der Horster Mitte statt. Sie war gut besucht und international.

Korrespondenz
Kümche-Gedenken – international, vielschichtig, emotional und zukunftsgerichtet
(rf-foto)

Offensichtlich entspricht sie einem Bedürfnis, mit Trauer und Gedenken nicht allein zu bleiben. Als Hauptredner sprach wieder der Flüchtlingsaktivist Alassa Mfouapon aus Kamerun, der diese Tradition angestoßen hatte. Vorbereitet oder spontan davon angeregt sprachen dann Menschen aus Deutschland – zum Verlust von Bruder, Schwester, Mutter, Freundinnen und anderen Menschen, die ihnen wichtig waren.

 

Noch nie gab es so viele Beiträge aus der ganzen Welt: Es sprachen eine Vertreterin der kämpferischen Bergarbeiterbewegung aus dem Kongo, die ihre jetzt kürzlich gestorbene Mutter nie gekannt hatte; ein Vertreter der Palästinasolidarität zum Sterben und vor allem dem Kampf ums Leben dort und eine Vertreterin des Umweltkampfes aus dem Jemen. Sie sagte: „Ich musste meine Kinder im Kriegsgebiet im Jemen zurücklassen und ich sterbe jeden Tag ein kleines Stück, dass ich nicht bei ihnen sein kann. Aber überall auf der Welt sterben täglich Kinder und wir haben die Verantwortung dafür, dass das aufhört. Deshalb bin ich hier.“

 

So wie sie griffen viele der Beiträge auf, was Alassa Mfouapon in seiner Rede formuliert hatte. „Deshalb darf Kümche nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit sein. Kümche muss auch eine Verantwortung für die Gegenwart bedeuten. ... Erinnerung bedeutet auch, aus der Vergangenheit Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“ So flossen manche Tränen – und es wurde auch gemeinsam gelacht. Der Rahmen mit stimmungsvoller Dekoration, Liedern und kleinen Leckereien danach passte wunderbar dazu. Er bot Raum für tröstende Umarmungen, gemeinsame Freude an Anekdoten und besseres Kennenlernen. Kümche wird es auch 2027 wieder geben.

 

In seiner Rede sagte Alassa Mfouapon unter anderem:

 

Wir müssen uns deshalb eine wichtige Frage stellen:

 

Warum erkennen wir manchmal erst dann den Wert eines Menschen, wenn wir ihn verloren haben?
Warum müssen Menschen erst sterben, bevor ihre Geschichten gehört werden?
Warum betrachten wir so viele menschliche Schicksale nur als Zahlen?

 

Ein Kind, das im Mittelmeer stirbt, ist nicht nur eine Zahl in einer Statistik. Es ist ein Kind, das hätte aufwachsen können. Eine Mutter, die im Krieg stirbt, ist nicht nur eine Meldung in den Nachrichten. Sie ist ein Mensch, der geliebt wurde und eine Familie hinterlässt.

 

Kein Mensch ist nur eine Zahl. Kein Leben ist bedeutungslos.

 

Deshalb darf Kümche nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit sein. Kümche muss auch eine Verantwortung für die Gegenwart bedeuten. Wir dürfen nicht warten, bis Menschen gestorben sind, um ihre Würde anzuerkennen. Wir müssen ihre Würde verteidigen, solange sie leben. Wir müssen zuhören, wenn Menschen leiden. Wir müssen  Brücken bauen, wenn andere Mauern errichten. Und wir müssen füreinander einstehen, auch wenn wir unterschiedliche Herkunft, Religion oder Lebensgeschichten haben.

 

Liebe Freundinnen und Freunde, ich wünsche mir, dass wir diese Tradition auch an unsere Kinder und an die nächsten Generationen weitergeben."

 

Hier Alassas Rede ungekürzt