Schüler: »Wir brauchen eine Revolution!«

Schüler: »Wir brauchen eine Revolution!«

Eine Scharte ausgewetzt - bewusstseinsbildender Kampftag in Paris!

Mit einer Delegation von REBELL und MLPD beteiligten wir uns am 5.11. am großen Generalstreik in Paris. In ganz Frankreich beteiligten sich 1,6 Millionen Menschen daran und in Paris waren 350.000 auf der Straße! Das war der bisherige Höhepunkt in den seit Wochen andauernden Protesten.

Von der Verbandsleitung des Rebell und der Internationalismusabteilung der MLPD
Eine Scharte ausgewetzt - bewusstseinsbildender Kampftag in Paris!
(Rebell-Foto)

Also zogen wir unsere Schlussfolgerungen. Wir fuhren sehr früh los und trafen uns rechtzeitig in Paris mit unseren französischen ICOR-Genossen der UPML (Union Prolétarienne Marxiste-Léniniste). Gemeinsam bauten wir einen Stand mit offenem Mikrofon, Schildern und einem Büchertisch mitten im Strom des Demonstrationszuges in der Nähe der Place de la République auf.


Als die Demo einmal losgegangen war, waren wir von Menschenmassen umringt. Die Demo war sehr vielfältig zusammengesetzt: Es waren Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst, Industriearbeiter, z. B. aus der Metallindustrie, Kulturschaffende und sehr viele Jugendliche dabei. Die Demo war kämpferisch gegen die verhasste Macron-Regierung. Es gab reihenweise Schilder gegen Krieg und für höhere Löhne, Palästina-Fahnen usw. Es gab auch viele Schilder gegen den Kapitalismus, zum Beispiel „Wenn du Frieden willst, musst du die Revolution vorbereiten". Der Staatsterror gegen die Proteste hat die Bewegung politisiert. Die Wut über die Verhaftungen und die brutale Polizeigewalt war spürbar. Immer wieder wurden dazu Parolen wie „Die Straße gehört uns" angestimmt, und es gab viele Parolen gegen die Polizei. Am offenen Mikrofon bekundeten wir unsere Solidarität und wandten uns gegen die massive Hetze gegen die französische Jugendbewegung in den deutschen Medien.


Wir gingen mitten hinein in die Auseinandersetzung. Am offenen Mikrofon sprachen Industriearbeiter des REBELL und der MLPD. Sie berichteten, wie die Monopole und der Staat in Deutschland die Ausbeutung verschärfen, wie die Arbeiterklasse dagegen den Kampf aufnimmt und wie die MLPD als revolutionäre Arbeiterpartei diesen Kampf prägt. Wir hatten ein Flugblatt des REBELL auf Französisch mitgebracht, mit dem wir auch zur Stärkung der UPML aufriefen. Außerdem hatten wir eine Erklärung der ICOR Europa, übersetzte Bücher der Reihe „Revolutionärer Weg" der MLPD und Material der UPML dabei.


Dabei trafen wir viele Schülerinnen und Schüler, die an ihren Schulen Blockaden und Proteste organisieren und sich dafür in Schülerkomitees zusammengeschlossen haben. Die Jugend Frankreichs ist wirklich international zusammengesetzt, und viele waren migrantische Jugendliche aus den Vororten von Paris. Mehrere sagten uns: „Der Tag heute ist etwas Neues, weil Jung und Alt gemeinsam demonstrieren. Nur so können wir etwas erreichen." Sie waren begeistert, dass wir extra aus Deutschland gekommen waren. Viele waren sehr besorgt, weil in Frankreich und Deutschland die Faschisten erstarken, und sagten, dass wir dagegen gemeinsam kämpfen müssen. Die Kapitalismuskritik war ausgeprägt, und eine große Mehrheit war der Meinung: Wir brauchen eine Revolution. Auch die Offenheit für Sozialismus war groß. Ein 14-Jähriger sagte: „Wir brauchen eine Gesellschaft, wo das Eigentum an den Produktionsmitteln nicht mehr privat ist." Wir trafen viele junge Leute, die sich selbst als Kommunisten oder Marxisten-Leninisten bezeichnen. Auch in Frankreich entsteht eine sozialistische Jugendbewegung. Dann gab es natürlich auch viele Diskussionen darüber, wie wir unsere Ziele und den Sozialismus erreichen.

 

Zwei Mädchen aus einem Vorort von Paris erzählten uns, wie ihre Rebellion mit Demonstrationsverboten usw. unterdrückt wird. Sie waren sehr kämpferisch, aber auch etwas verzweifelt: „Wenn wir nicht ‚sauvage' (wild) protestieren, hört uns keiner zu." Andere hatten Illusionen in linksreformistische Kräfte wie Jean-Luc Mélenchon oder glaubten, man könne revisionistische Parteien von innen heraus auf den marxistisch-leninistischen Weg bringen. Im direkten Gespräch und am offenen Mikrofon diskutierten wir darüber, dass wir uns vor allem besser organisieren müssen. Wir machten die UPML bekannt. Sie hat Lehren gezogen aus der revisionistischen Entartung der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) und dem Zerfall der OCML-VP. Sie hat die Herausforderung angenommen, in Frankreich eine Partei neuen Typs auf Grundlage des Marxismus-Leninismus aufzubauen.

 

43 Jugendliche trugen sich bei uns als Kontakt ein. Viele wollten mit der UPML in Kontakt bleiben. Aber auch, dass wir unsere Rebellion länderübergreifend koordinieren müssen, traf auf Zustimmung. Wir knüpften Kontakte für den REBELL und machten den International Youth Strike am 20.11. bekannt, der einigen schon ein Begriff war. Unsere Einladung zur LLL-Demonstration und zum Rebellischen Musikfestival stieß auf großes Interesse. Eine junge Frau aus der Schweiz erzählte, dass dort „proletarische Songgruppen" entstehen, und wir vereinbarten, sie zum Festival einzuladen. Es wäre toll, wenn zum Rebellischen Musikfestival Jugendliche und Bands aus den verschiedenen Jugendrebellionen Europas kämen!


Wir verkauften noch nicht so viel Literatur, aber immerhin einen RW 37 „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus", eine Broschüre „Über die Entstehung der neuimperialistischen Länder", ein Rebell-Magazin und ein Rote-Fahne-Magazin.


Es war nicht zuletzt ein Tag großer internationaler Verbrüderung. Es war toll, so viele rebellische Jugendliche kennenzulernen! Auch wenn wir ein paar Sprachbarrieren überwinden mussten, hat es uns sehr gestärkt, dass wir einen gemeinsamen Kampf führen. Wir bemühten uns um Redebeiträge auf Französisch. Viele französische Jugendliche konnten wiederum Englisch oder übten ihr in der Schule gelerntes Deutsch. Wir sangen gemeinsam die „Internationale" und riefen „Jugend, Zukunft, Sozialismus!" auf Französisch und Deutsch.


Der Tag war für uns ein eindrückliches Erlebnis. Er hat uns gezeigt, dass in dieser Massenbewegung das Bedürfnis nach Bewusstheit und Zusammenschluss wächst. Wichtig war dabei, dass es ein gemeinsamer Einsatz von MLPD, REBELL und UPML war.


Bereits am 17.10. hatten wir uns mit Rebellen an der großen Demonstration mit 110.000 Menschen beteiligt und solidarische Grüße überbracht! Versäumt hatten wir allerdings, Kontakte zu knüpfen, aus denen dauerhafte Verbindungen entstehen! Wegen massiver Polizeiblockaden konnten wir uns an dem Tag nicht mit den Genossen der UPML vereinen. Erfahrene Genossinnen und Genossen der MLPD waren bei diesem Einsatz nicht mitgefahren und es galt am 5.11. etwas gutzumachen. Ein Rebell, der bei beiden Delegationen dabei war, wertet aus: „Beim ersten Einsatztag war es so hektisch, überall war Polizei. Es war diesmal sehr wichtig, dass der Einsatz gemeinsam mit den französischen Genossen vorbereitet und durchgeführt wurde. Nur so kann man sich mit den Kämpfen vor Ort richtig verbinden. Es braucht bei solchen Einsätzen die ideologisch-politische Führung durch die Partei."