14. Frauenpolitischer Ratschlag
Die kämpferische Frauenbewegung als Bindeglied - das wird jeden Tag wichtiger!
Nichts geht über die persönliche Begegnung von Kämpferinnen aus allen Teilen Deutschlands und vielen Ländern der Welt. Dafür lohnt sich jede Anstrengung. Die Umweltaktivistin Irtefaa aus dem Jemen kann ein Lied davon singen. Jeder Schritt ihrer Teilnahme war und ist erkämpft - vom Visum bis zum Rückflug (und der ist noch nicht in trockenen Tüchern).
Siehe auch: Täler und Berge gemeistert, um teilzunehmen
Aber natürlich können bei weitem nicht alle teilnehmen, die den Austausch suchen und einen Beitrag dafür leisten wollen. Die Durchführung des Frauenpolitischen Ratschlags als Hybridveranstaltung ist daher eine tolle Errungenschaft. 300 Teilnehmerinnen und einige Teilnehmer sind in Gelsenkirchen vor Ort und nochmal 240 nehmen online teil.
Eindrücke einer Korrespondentin
Eine Korrespondentin schildert ihre Eindrücke vom heutigen Vormittag in Gelsenkirchen: "Schon morgens zu Beginn ist der Saal gut gefüllt. Frauen aus aller Welt finden sich hier beim Frauenpolitischen Ratschlag. Alles ist selbst organisiert, selbst finanziert, um unabhängig und frei von großen Geldgebern den Kampf führen zu können. Das ist Prinzip , das wird hier verwirklicht. Der Kultursaal ist schön geschmückt, es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Mehrere Selbstorganisationen beteiligen sich hier mit ihren Ständen - der Frauenverband Courage, der Jugendverband REBELL, Solidarität International ... Es gibt einen Spendentisch von Palästina muss leben für das Al-Awda-Krankenhaus in Gaza. People to People verkauft internationale Literatur. Eine Delegation aus den Niederlanden nimmt teil. Sie haben gestern auf der Demo schon berichtet, wie Reinigungskräfte den Kampf aufnehmen gegen die Überausbeutung. Drei Frauen sollen in zehn Minuten ein ganzes Flugzeug putzen! Eine Teilnehmerin aus Wolfsburg erzählt: 'Ich war vor zwei Jahren auf dem Frauenpolitischen Ratschlag in Kassel das erste Mal und ich fand die Organisation, die Menschen und die vielen Ideen und Gedanken so wunderbar inspirierend, deshalb bin ich dieses Jahr wieder dabei.'"
Von Religion bis Revolution - der Slogan füllt sich mit neuem Leben
Zaman Masudi ist Frauenkämpferin seit Jahrzehnten. Sie stammt aus dem Iran, war dort poliitisch verfolgt, musste untertauchen, im siebten Monat schwanger. Sie eröffnete eindrucksvoll den 14. Frauenpolitischen Ratschlag. Die Kraft für ihr unermüdliches Engagement schöpft sie aus ihrer tiefen Überzeugung, dass die Arbeiter und die Massen der Welt eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung erkämpfen wollen. Monika Gärtner-Engel von der MLPD und Hauptkoordinatorin der revolutionären Weltorganisation ICOR hat den ersten Frauenpolitischen Ratschlag mit 33 Teilnehmerinnen initiiert. 14 Ratschläge und drei Weltfrauenkonferenzen später wird es immer wichtiger, dass die kämpferische Frauenbewegung auf der ganzen Welt diese Bandbreite von Religion bis Revolution hat. "Eine Protagonistin dieses Mottos, das wir uns erst erkämpfen mussten, war die religiöse Ordensschwester Dr. Lea Ackermann. Jetzt hat in Texas ein gläubiger Kandidat im Wahlkampf gegen die Evangelikalen und gegen Trump gewonnen. Alles Geld der Welt kann die Menschen nicht kaufen, sagt er an die Adresse von Musk un Co. gerichtet. Bis Revolution - Ja, die Welt schreit nach Revolution, nach der revolutionären Überwindung des Imperialismus. Entscheidend ist, dass wir uns immer besser organisieren. Organisierte Frauen sind freie Frauen!"
Von der Kita bis zum Kampf um die Witwenrente - die kämpferische Frauenbewegung ist in allen Lebensbereichen und sozialen Fragen verwurzelt
Eine Gelsenkirchener Erzieherin berichtet über den "Flickenteppich Kindertagesstätten". "Besonders die sogenannte U3-Betreuung ist für viele Familien ein Riesenproblem. Wenn die Kinder eins bis drei Jahre alt sind, wollen bzw. müssen die Mütter in der Regel wieder arbeiten. Da sind sie auf den Kitaplatz angewiesen!" Nicht nur die Eltern, auch die Erzieherinnen beklagen den geringen Betreungsschlüssel. An der Frage der Kinderkrippen entfaltet sich eine kritische Auseinandersetzung. Eine Frau ist der Meinung, dass die frühe Krippenunterbringung in der DDR den Kindern geschadet habe. Oftmals seien aus ihnen bindungsunfähige Erwachsene geworden, bis hin zu Autismus. Monika Gärtner-Engel kritisiert diese Auffassung. Wenn sie gut organisiert ist, ist die kollektive Kindererziehung jeder individuellen Erziehung überlegen! Jutta Jell aus Neukirchen-Vluyn kämpft seit Jahren um ihre Witwenrente. In ihrem Beitrag attackiert sie die Ungerechtigkeit der Hinterbliebenenversorgung und die unmenschliche Bürokratie dahinter. Ihr wird die Witwenrente von Amts wegen streitig gemacht, weil sie mit ihrem Mann, einem Bergmann, 40 Jahre in Freud und Leid zusammengelebt, aber nicht lange genug verheiratet war. "Ein Stück Papier zählt in dieser Gesellschaft mehr als der Mensch!" Mit der Unterstützung von Kumpel für AUF und dem Frauenverband Courage kämpft sie unermüdlich um ihre Recht.
Junge Arbeiterinnen stark vertreten
Im Vorfeld dieses 14. Frauenpolitischen Ratschlags schrieb ein Leser von Rote Fahne News, dass in der Werbung für den Ratschlag - der erste Diskussionsblock heute trug den Titel "Windeln, Werkbank, Wonderwomen - raus aus dem alltäglichen Wahnsinn" - die "Werkbank" zu kurz komme. Dabei gehören zur Werkbank heute auch alle die Gesundheitsarbeiterinnen, Erzieherinnen und andere mehr. Mit starken Beiträgen traten in diesem ersten Diskussionsblock zahlreiche Arbeiterinnen auf, bersonders junge Industriearbeiterinnen und Beschäftigte im Öffentlichen Dienst und in Großbetrieben. Gewerkschafterinnen aus Thüringen berichteten, wie sie ihre Gewerkschaftsarbeit täglich gegen wütende Angriffe des Managements verteidigen müssen, das am liebsten alle Gewerkschaften aus dem Betrieb verbannen würden. Der Kampf gegen die Angriffe von Monopolen und Regierung auf die erkämpften Errungenschaften bei der Arbeitszeit ist ihnen allen besonders wichtig. "Hier dagegen zu halten, ist ja nicht nur wegen der Arbeitsplätze wichtig. Wie soll man das Familienleben meistern, wie sich organisieren, wenn die Arbeitszeit im Betrieb immer mehr ausgedehnt wird?" Eine junge Stahlarbeiterin berichtet, wie ihre männlichen Kollegen und sie selbst einige Vorbehalte abbauen mussten, bis sie gut zusammenarbeiten konnten.
Teilnehmerinnen aus dem Jemen, aus Botswana, den Niederlanden, dem Westjordanland berichten eindrucksvoll von ihrem Leben und ihrem Kampf. So hat sich die Lage der Frauen im Westjordanland seit dem 7. Oktober 2023 weiter verschärft. Ihre Männer können nicht mehr nach Israel einreisen, um zu arbeiten. Der Siedlerterror macht das Leben der Familen zur Hölle. Ihre Kampfmoral ist dennoch ungebrochen. "Wir müssen hier mehr mit einem internationalistischen Blickwinkel diskutieren. Wir müssen unsere Lage ins Verhältnis dazu setzen, wie es in anderen Teilen der Welt den Menschen geht. Die Zelte, in denen die Menschen in Gaza leben, verdienen den Namen Zelt nicht. Die Millionen zählende Solidaritätsbewegung ist zurückgegangen. Umso wichtiger ist unser nachhaltiges Engagement in und mit Palästina mus leben!"
Wie die kämpferische Frauenbewegung heute ihre Rolle als Bindeglied wahrnimmt, hat strategische Bedetung
Für die MLPD betont ihre Vorsitzende Gabi Fechtner, dass die MLPD schon immer frauenpolitisch tätig war, ihr aber die Frauenpolitik nicht in die Wiege gelegt war. So gab es zeitweise die Idee, eine parteigebundene Frauenorganisation aufzubauen. Wirkliche Überparteilichkeit ist aber die Voraussetzung, dass die kämpferische Frauenbewegung ihre Rolle als Bindeglied zwischen der Arbeiterbewegung, dem aktiven Volkswiderstand und der stark erwachenden Jugendbewegung erfüllen kann. "Das hat strategische Bedetuung, wo die Menschen nicht mehr in der alten Weise leben wollen und die bürgerlichen Regierungen nicht mehr in der alten Weise regieren können." Frauenförderung ist der MLPD wichtig. Im Zentralkomitee der MLPD sind heute mehr als 50 Prozent Frauen.