Heutige Jugenddemonstrationen
Zehntausende auf der Straße: Ein Erfolg der sozialistischen Jugendbewegung - eine Niederlage des Antikommunismus
Die Bildzeitung gesteht nicht etwa ein, dass ihre Prognosen falsch waren, sondern lügt weiter. So titelt sie: "In Hamburg brennen Barrikaden, in Köln sind Wasserwerfer im Einsatz". Die bürgerliche Medienberichterstattung verzerrt die Wahrheit völlig. Da wird von lauter Krawallen und Randale berichtet, während die Anliegen der disziplinierten Demonstrationen überhaupt nicht mehr zur Sprache kommen.
Wie gut, dass es Rote Fahne News gibt. Wir haben Live-Korrespondenten in fast allen Demonstrationen und berichten beginnend mit dem heutigen Abend.
So aus Köln: "Wir melden uns aktuell von der Jugend-Demonstration in Köln. Viele junge Leute sind heute gekommen, um gegen Krieg, Kürzungspolitik, Umweltzerstörung und Wehrpflicht zu kämpfen. Von Beginn an war die Demo sehr kämpferisch. Entgegen des offiziellen Aufrufs wehten auch viele Organisationsfahnen. Die Polizei hatte von Beginn an offensichtlich vor, einen Eklat zu inszenieren. Sie ließen die Demo zunächst übLive-Ker eine Stunde lang nicht starten. Dann wurde die Situation unübersichtlich, ein Teil der Demo setzte sich in Bewegung. Wir führten vom Rebell und MLPD ein offenes Mikrofon durch, das rege genutzt wurde. Gerade die Kapitalismuskritik, die antifaschistische Ausrichtung der Bewegung und die Perspektive Sozialismus bekamen schallenden Applaus. Die Polizei pferchte die Demonstranten ein, kesselte sie ein, setzt Wasserwerfer ein. Stand jetzt ist der Großteil der Demonstration eingekesselt. Es gibt viel Solidarität. Wir haben bereits erfahren, dass diese Taktik auch in anderen Städten angewandt wurde. Wir protestieren gegen die massive Kriminalisierung und werden weiter berichten!"
Bisher 50.000 Jugendliche in 17 Städten
Der massiven Medienhetze im Vorfeld zum Trotz kamen zehntausende Jugendliche zu den Demonstrationen. Bisher hat Rote Fahne News rund 50.000 Jugendliche in 17 Städten gezählt, aber morgen kommen aktualisierte Zahlen. Aus allen bisher vorliegenden Korrespondenzen wird deutlich, dass die sozialistische Jugendbewegung heute einen Sieg davongetragen hat über die Versuche der bürgerlichen Instrumentalisierung. Diese wollten durchsetzen , dass wie einst bei Fridays for Future Fahnenverbote, Unterdrückung der Kapitalismuskritik, des Sozialismus, von Parteien und Organisationen zur Grundlage der neu erwachenden Jugendbewegung werden. Doch die Zeiten ändern sich! Das Bewusstsein der Jugendbewegung hat sich weiterentwickelt. So machen diesen Plänen die Organisationen der sozialistischen Jugendbewegung so wie viele einzelne Jugendlichen einen Strich durch die Rechnung. Heute wehte ein Fahnenmeer der sozialistischen Jugendbewegung.
Die Vorsitzende des Jugendverbands Rebell Anna Schmit, sagt gegenüber Rote Fahne News noch aus dem Polizeikessel in Köln: "Bei den heutigen Demonstrationen in über 30 Städten hat die sozialistische Jugendbewegung einen Sieg davon getragen! Der REBELL war in vielen Städten vor Ort. Es wurde erkämpft: die Jugendbewegung bleibt antifaschistisch! Rechte Provokateure wurden gemeinsam aus Demos ausgeschlossen. Die Jugendbewegung lässt sich nicht auf Antikommunismus trimmen. Es gab viele Partei- und Organisationsfahnen, Parolen wie „Jugend Zukunft Sozialismus" wurden massenhaft gerufen. Grüße von Arbeiterinnen wie von Ford in Köln wurden mit großem Beifall begrüßt. Das war auch eine Absage gegen die vom offiziellen Aufruf geschürte Spaltung zwischen jung und alt. Wir ließen uns von Polizei und Hetzkampagnen nicht einschüchtern. Deutlich wurde aber auch: wir müssen uns noch besser organisieren! Wir werden daran in der Vorbereitung des 20.11. entschlossen arbeiten!"
Ganz offensichtlich gab es im Vorfeld organisierte staatliche Provokationen, von direkter Polizeigewalt sowie von dubiosen Leuten in Zivil. So hieß es z.b vorher heute früh von unbekannten Leuten in WhatsApp Gruppen: "Heute straßenkampf, Hauptsache Randale!" Das waren Leute, die niemand kannte und die sichtlich Bilder erzeugen wollten. Das wies die Masse der Jugendlichen souverän zurück.
Die Kritik an dem Kult um die Generation Z und die Notwendigkeit der Generationen übergreifenden kämpferischen Bewegung, wie sie öffentlich nur MLPD und Rebell äußerten, hatte um sich gegriffen und hatte noch bisherigen Berichten heute die Meinungsführerschaft. Redner wurden begrüßt, die für Klassenkampf, für den Zusammenschluss mit der Arbeiterbewegung und den anderen sozialen Bewegungen sprachen. Arbeitervertreter waren herzlich willkommen auf den selbstorganisierten Demonstrationen. Auch in Frankfurt berichten selbst bürgerlichen Medien, dass sich viele Menschen auch der älteren Altersklasse anschlossen. Dennoch muss diese Auseinandersetzung zu Ende ausgewertet und ausgetragen werden. Denn die bürgerlichen Sprecher, die in allen Nachrichtensendungen ohne Klarnamen auftreten, erklärten heute früh, dass sie unter dem Slogan "Gen Z regelt" weitermachen wollen.
Passend gab der Rebell Gelsenkirchen die Antwort
Aus Gelsenkirchen schreibt die Gruppenleitung des Jugendverband Rebell: "In Gelsenkirchen kamen 80 Leute zu den Jugendprotesten heute. Es war eine disziplinierte und kämpferische Aktion. Es waren Schüler, Studierende, Azubis und Arbeiter da. Die Organisationen Rebell, MLPD, IJ, Avanti und die Linke (allerdings ohne Fahne) waren vertreten. Vertreter der internationalen Jugend eröffneten die Kundgebung und moderierten, als zweites sprach der Jugendverband Rebell. Es war von Anfang an klar: diese Demo unterwirft sich nicht der antikommunistischen Bevormundung, Fahnen und Parolen der sozialistischen Jugendbewegung prägten das Bild. Vom Rebell hatten wir unser Transparent "REBELLion gegen Ausbeutung!" In unserer Rede haben wir die antikommunistische Medienhetze angegriffen, aber auch klargestellt: "Diese Demos heute sind erst der Anfang, aber es muss die letzte sein, die unter dem Motto GenZregelt steht, denn das ist kein Generationenkampf, sondern Klassenkampf!" Dafür gab es viel Applaus und Zustimmung. Weitere Themen auf der Demo waren auch die maroden Schulen, Palästina-Solidarität oder die Angriffe auf die 40 Stundenwoche. Unser Eindruck war, dass auf die Auseinandersetzung wegen der kritiklosen Unterstützung des slogans Gen z regelt reagiert wurde: mehrfach betonten die Moderatorin explizit, dass der Angriff der Monopole auch die Rentner, die armen, alle ausgebeuteten und die Arbeiter betrifft und man deswegen Schulter und Schulter zusammen kämpfen muss. Jugendlichen freuten sich auch über das Grußwort des ergmanns Christian Link, der in Kluft beeindruckte und bei den Passanten auch für Autorität der Demonstration sorgte. Auf der Schlusskundgebung sprach Lisa Gärtner für die MLPD für den Weg zur sozialistischen Jugendbewegung und wendete sich gegen die bürgerlichen Bevormundungsversuche, sei es mit Polizeigewalt, Medienhetze oder durch eine inszeniertes bürgerliches Gegenprojekt zur sozialistischen Jugendbewegung, um sie wieder an die Kette der bürgerlichen Ideologie zu legen.
Da die Polizei offensichtlich ihre gewünschten Krawall-Bilder nicht bekommen hatte, griff sie darauf zurück, wahllos umstehende migrantische Jugendliche anzuhalten und zu durchsuchen. Zum Schluss kesselten sie noch zwei Minderjährige ein - das wird noch Folgen haben. Als Gruppe gingen wir danach geschlossen ins Jugendzentrum Che, wo sich spontan einer der Demonstranten anschloss."
Deutlich wurde auch, das in vielen Städten vor allem Jugendliche kamen in Verbindung mit organisierten Strukturen. Die Hoffnung, alleine über einen Hashtag die Revolution in Deutschland auszurufen, ist bei allem Erfolg des heutigen Tags auch nicht aufgegangen. Dafür ist es systematische Kleinarbeit, Bewusstseinsbildung und Organisierung notwendig! Auch das ist ein Signal des heutigen Tags. Rote Fahne News dokumentiert im folgenden Korrespondenzen aus der ganzen Republik:
Hamburg
In Hamburg sammelten sich 10.000 Menschen am Jungfernstieg. Es waren alle versammelt - von Tierschützern bis zur sozialistischen Jugendbewegung. Auch viele ältere Kollegen, Migranten, die sahen das als selbstverständlich an, sich mit der Jugend zusammenzuschließen. Im Vorfeld gab es auch erfolgreiche Absprache mit Gruppen der
sozialistischen Jugendbewegung, dass wir uns auf ein Fahnenverbot auf keinen Fall einlassen. Das wurde aber auch nicht mal versucht.Wir waren so breit gefächert, dass ein Fahennverbot völlig unmöglich war! Die REBELL- bzw. MLPD/ICOR-Fahne flatterten während der ganzen Demo im Wind. Es wurde im Demonstrationszug auch gerne das Rebell Flugblatt genommen mit Aufruf zum rebellischen Jugendtreff - insbesondere bei der Ansprache "Interessiert ihr euch für die Hafenarbeiter? Gestern internationaler Aktions- und Streiktag. Im Mittelmeer werden Waffentransporte nach Israel bestreikt". Für diese Info bedankten sich viele; eine Jugendliche beteilgte sich dann spontan beim Verteilen des Rebellflugblattes."
Mannheim
In Mannheim beteiligten sich 1300 Demonstranten. Korrespondenten berichten von vor Ort: "Im Vorfeld der Demo gab es eine außergewöhnliche Hetze in dem Medien: Krawall, Plünderungen, etc. Aber außer einem sehr großen Polizeiaufgebot war davon nicht zu spüren. Die Demo begann pünktlich am Wasserturm und endete auf dem Alten Meßplatz. Die Stimmung war optimistisch und kämpferisch. Laufend wurden Parolen gerufen: Siamo tutti Antifascisti, Brecht die Macht der Banken und Konzerne. Kein Cent, kein Mensch der Bundeswehr. Streik in der Schule, Uni und Fabrik, da ist unsere Antwort auf eure Politik. Free free Palestine. Hoch die internationale Solidarität. Wie erwartet waren die Teilnehmer mehrheitlich jugendlich. Es gab auch vereinzelt Gewerkschaftsfahnen. Einige Herren vom "Konfliktpräventionsteam" verboten uns allerdings die Rebell und MLPD
Fahne sowie eine IG Metall-Fahne an ausziehbaren Fahnenstangen aus Metall mitzutragen. Holzstangen wären erlaubt. Später haben wir die Stangen doch wieder benutzt. Aber ansonsten gab es keine Behinderung. Wir haben das Rebell Flugblatt verteilt, das gut genommen wurde. Leider hatten wir zu wenig davon. Am Ende der Demo wurde zu internationalen Streiktag am 20.11 aufgerufen. Im Vorfeld war auch vor einer Nazidemo der Gruppe "Gemeinsam Deutschlandgestalten - GDG) gewarnt worden. Deren Demo sollte um 13 Uhr beginnen. Es waren aber nur 7 Leute da. Weiter haben wir von denen nichts gesehen."
Leipzig
Aus Leipzig berichten Korrespondenten: "Eine der größten Demos der letzten Monate zog heute um den Leipziger Innenstadtring. Bis zu Zehntausend gehen die Schätzungen. In zahllosen Gesprächen fanden wir niemanden, der eine Lanze für das kapitalistische Gesellschaftssystem brechen wollte. "Jugend - Zukunft - Sozialismus" war eine der verbreitetsten Rufparolen. Eine sozialistische Jugendbewegung aufzubauen, da wollte niemand widersprechen. Zwar stand die Demo unter dem Label "Gen Z regelt", aber der
spalterische Aufruf war den Wenigsten bekannt. Unsere Kritik daran leuchtete den meisten ein. Schade dass die Organisatoren in Leipzig aus dem Umfeld der Internationalen Jugend sich dem Gen Z Hype so kritiklos angepasst hatten. Kämpferisch, teils mit Bengalos, aber auch diszipliniert zog die Demo durch Leipzig."
Dresden
Aus Dresden berichtet eine erste Korrespondenz, wobei eine weitere des jugendverbands Rebell Dresden folgen wird: "Wir kommen gerade von einer linken, rebellischen Jugenddemonstration. Dort verteilte der Jugendverband REBELL kräftig sein Flugblatt und sein Magazin angeboten. Wir wussten am Anfang nicht so richtig, wie die Demonstration verlaufen würde und wie weit die uns unbekannten Organisatoren bereit sein würden, die schädliche und spalterische Ausrichtung des allgemeinen GenZ-Aufrufs umzusetzen. Schnelle Antwort: Wir rannten mit unserer Kritik offene Türen ein. Keine der zahlreichen Fahnen rellischer Jugendorganisationen und revolutionärer Organisationen wurde behelligt, uns wurde zugesagt, dass unsere Kritiken daran in der Auswertung noch besprochen werden. Man muss allerdings auch eine Richtung kritisieren,
die zwar den Aufruf kritisierte, aber es nicht deutlich sagte oder ihn nicht gründlich gelesen hatte. Man muss diese Richtung der Spaltung und des Antikommunismus bewusst niederringen! Erste Klärung unter den geschätzt 2000 Demonstrationsteilnehmer: Siamo tutti antifaschisti. Zweite Klärung: A-a-anticapitalista. Dritte Klärung: Jugend-Zukunft-Sozialismus. Und wir haben einige Absprachen getroffen bezüglich des europaweiten Jugendkampftags am 20. November! Ein schöner gemeinsamer Aktionstag mit unseren rebellischen Jugendgenossen!"
Chemnitz
In Chemnitz demonstrierten die Jugendlichen zum Nüschel, zu Karl Marx! Das passt. Sie berichten: "Es waren ca 500 Teilnehmer, auch eine Reihe Erwachsener. Die einzige Rede eines Jugendlichen richtete sich gegen Kürzungen im Bildungssystem, gegen Aufrüstung, gegen die Einführung der Wehrpflicht. Die Demo war sehr kämperisch, laufend Sprechchöre gegen Faschisten, auch "Jugend - Zukunft - Sozialismus". Die Flyer der MLPD "Semesterstart - wohin startest Du" waren schnell weg, es waren die einzigen Flyer."
Essen
3.500 Teilnehmer ordnen sich in die internationalen Proteste ein
In Essen kamen 3.500 Leute zu dem heutigen Jugendprotest. Anmelder war die Internationale Jugend und beteiligt war ein breites Spektrum aus dem Schulstreik Bündnis Essen, Bündnis "Es reicht Recklinghausen", Internationaler Jugendverein, Kommunistischer Aufbau, DIDF Jugend, SDAJ, REBELL, MLPD und Internationalistisches Bündnis. Es kamen auch viele Einzelpersonen, die durch den Aufruf auf Social Media darauf aufmerksam geworden sind. Die Teilnehmer waren hauptsächlich jugendlich, aber es waren viele ältere dabei. Ein Schild trug den Schriftzug "Boomer by your side".
Es herrschte eine kämpferische Stimmung. Viele Parolen waren gegen Aufrüstung und Wehrpflicht gerichtet. Auch "Siamo tutti antifascisti", "A-Anti-Anticapitalista" und "Jugend, Zukunft, Sozialismus" hallten mehrmals durch die Straßen. „Merz muss weg“ und ähnliche Sprüche standen auf vielen Pappen.
In den Redebeiträgen wurde sich einhellig mit der Jugendrebellion in der ganzen Welt solidarisiert. Viele Schüler haben von ihren eigenen Erfahrungen mit dem maroden Schulsystem berichtet. Sie kritisierten selbstbewusst die Medienhetze gegen die Proteste. Die Losung "GenZ regelt" wurde allerdings noch in vielen Beiträgen unkritisch übernommen. In mehreren Beiträgen wurde für die Vorbereitung des International Youth Strike am 20.11. geworben. Der REBELL hat die sich entwickelnde sozialistische Jugendbewegung und die Verbindung von Arbeiter- und Jugendbewegung ins Zentrum gestellt. Die MLPD zeigte, welche Kraft von den Arbeitern ausgeht, wenn sie in den Streik treten, wie beim Rheinhausen Streik. Das Internationalistische Bündnis kritisierte die Medienhetze gegen gewalttätige Extremisten. Dabei ist es das herrschende System, von dem auf der ganzen Welt extreme Gewalt ausgeht und die Jugendlichen müssten sich an alle Gesetze halten. Kritik gab es auch an dem offiziellen Aufruf von "GenZ regelt". Applaus gab es dagegen für Kapitalismuskritik und klare Abgrenzung gegen Faschisten, was dem Aufruf fehlt. Viele waren überrascht, dass der Aufruf das ausdrücklich nicht enthält. REBELL und MLPD haben zahlreiche Diskussionen mit den Teilnehmern geführt. Die allermeisten waren vollkommen damit einverstanden, dass es Sozialismus braucht. Einige haben sich schnell entschlossen für eine Mitgliedschaft im REBELL oder der MLPD. Ein Buch „Die Lehre von der Denkweise“ wurde verkauft, einige REBELL-Magazine und Durchblick-Broschüren. Das Flugblatt des REBELL wurde massenhaft verteilt und auch der REBELL Recklinghausen verteilte zusätzlich 400 Einladungen.
Göttingen
Auch in Göttingen gingen heute mindestens 800 Demonstranten auf die Straße. Vorbereit wurde die Demonstration gemeinsam von verschiedenen Jugendorganisationen, wie SDS und IJV, sowie dem Schulstreikkommittee. Die Forderungen und Anliegen waren breit gefächert und allesamt fortschrittlich: bezahlbare Mieten, Investitionen in die Bildungs- und Sozialsysteme statt in Aufrüstung, Ende der Unterstützung des Genozids in Gaza. Parolen wie „One Solution - Revolution“, „Free free Palestine“ und „Wir zahlen nicht für eure Kriege“ wurden gerufen. Redner und Rednerinnen betonten die antifaschistische Grundlage des Protests, scheuten sich aber doch den dubiosen bürgerlichen bundesweiten Aufruf öffentlich zu kritisieren. Die Teilnehmer waren überwiegend Jugendliche, wobei auch Gruppen von älteren Generationen solidarisch teilgenommen haben und auch von einer Rednerin die Einheit von Jung und Alt im Kamüf für eine lebenswerte Zukunft betont wurde. MLPD und Rebell beteiligten sich an der Demonstration und hatten viele gute Gespräche. Einschließlich Probenummern wechselten 15 Rebell Magazine und 6 Rote Fahnen den Besitzer. Die Reaktionen auf die MLPD waren zweigeteilt in eine Minderheit hauptsächlich Autonomer, die klar ablehnten, und eine aufgeschlossene Mehrheit, die es richtig findet, dass eine sozialistische Jugendbewegung als Reaktion auf den Generalangriff der Regierung gestärkt werden muss. Rebell und MLPD ebenso wie SDS und IJV traten dafür ein, den internationalen Jugendkampftag am 20.11. vorzubereiten.
Berlin
Laut Veranstalter waren in Berlin 11.000 Menschen dem Aufruf der Initiative gefolgt, dauerhaft waren es um die 5.000. Die Demo in Berlin wurde von dem ominösen „Orga-Team“ organisiert, dass auch den antikommunistischen Aufruf veröffentlicht hat. Die darin verbreitete bürgerliche Linie spiegelte sich bei der Kundgebung selbst gar nicht wieder. Unter anderem traten der REBELL, SDAJ, Solid‘, Young Struggle, Internationale Jugend gut sichtbar auf. Die Linke und die MLPD beteiligten sich ebenfalls völlig unbehandelt mit Fahnen und Plakaten. Auch Delegationen von der Charité oder von der FU Berlin waren anwesend.
Auch die Redebeiträge auf der Bühne waren kämpferisch. Sie brachten die Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf zum Ausdruck, kritisierten, dass mit der AfD das erste mal seit dem Hitlerfaschismus wieder eine faschistische Partei politische Machtpositionen erlangen konnte, stellten den Zusammenhang zu der länderübergeifenden Rebellion der Jugend her und betonten die notwendige Einheit der Jugendproteste mit den Kämpfen der Automobilbelegschaften in Deutschland. Eine Auszubildende der Charité berichtete von ihren Erfahrungen von der Arbeit im Krankenhaus. Eine Rednerin wertete aus, dass sie früher schon Proteste organisiert hat und damals dachte, dass man mit guten Argumenten Politiker davon überzeugen könne, bessere Politik zu machen. Sie hat aber heute begriffen, dass die Forderungen der Jugend nur gegen die Politik der bürgerlichen Parteien durchgesetzt werden kann. Antifaschistische Parolen und „Hoch die internationale Solidarität“ wurden immer wieder gerufen.
Eine große Frage war die nach der Perspektive der Proteste. „Wut allein reicht nicht“ betonte eine Rednerin. „Gen Z regelt“ wurde als eine Art „Dachverband“ der Jugendrebellion vorgeschlagen. Auch vielen Teilnehmern war in den Gesprächen, die wir führten klar, dass es Organisiertheit braucht. Auf antikommunistischer Querfront-Grundlage, wie sie im aktuellen Positionspapier festgeschrieben ist, ist aber kein Kampf für die Zukunft der Jugend möglich. Das ist der Jugend zunehmend bewusst.
Entsprechend war das Interesse an der MLPD und dem REBELL groß. Wir verkauften eine ganze Reihe REBELL-Magazine, Rote Fahnen und Durchblick Broschüren und verteilten breit den Flyer für eine sozialistische Jugendbewegung. Eine ganze Reihe Jugendlicher kam von sich aus auf den REBELL zu und wollten sich informieren und in Kontakt bleiben.
Einer Gruppe AfD-Faschisten, die sich wohl auf der Grundlage des Aufrufs willkommen gefühlt haben, wurde von der Bühne und von den Teilnehmern eine klare Abfuhr erteilt.