Frauenpolitischer Ratschlag

Frauenpolitischer Ratschlag

„Windeln, Werkbank, Wonderwomen – raus aus dem alltäglichen Wahnsinn“

Das ist das Thema des ersten Diskussionsblocks auf dem Frauenpolitischen Ratschlag am Samstag, dem 6. November, in Gelsenkirchen.

Von uh
„Windeln, Werkbank, Wonderwomen – raus aus dem alltäglichen Wahnsinn“
(rf-foto)

Dazu fällt uns Frauen viel ein. Zum Beispiel das „Gesundheitssparpaket“. Andreas Gassen, Chef der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung), warnt vor deutlicher Verschlechterung der Versorgungsqualität im ambulanten Bereich (1). Leistungen werden gestrichen wie Hautkrebsvorsorge, Leistungen, die bisher außerhalb des Budgets abgerechnet werden konnten, werden eingereiht, psychotherapeutische Leistungen sollen nur bei sogenannt schweren Erkrankungen voll bezahlt werden. (2)

 

Nur ein paar Beispiele. Eine Krankenschwester einer orthopädischen Station einer Privatklinik berichtet: Die Station ist offen von Montag bis Freitag, es werden neue Hüftgelenke und Knie eingesetzt, nach zwei, spätestens drei Tagen werden die Patienten entlassen - "blutige Entlassung" nennt man das. Wenn sie keine Angehörigen haben, können sie schauen, wo sie bleiben oder direkt in die Reha. Aber dort kommen sie kaum zum Trainieren, da die OP-Wunde erst heilen muss. Die Krankenpflege wird mit immer mehr Aufgaben belastet, die früher von anderen Berufsgruppen übernommen wurden wie Betten reinigen, Samstags müssen sie extra kommen zum Putzen, sie müssen Patienten und Patientinnen zum OP fahren, Essen austeilen und ganz viel Bürokratie erledigen. Von Bürokratieabbau habe sie noch nichts gemerkt.

 

Sie meint, der Krankenhauskonzern muss Profit machen und das geht durch die Art der Abrechnung mit Fallpauschalen am besten mit möglichst vielen Operationen. Die können abgerechnet werden. Daher wird auf Biegen und Brechen an der Pflege gespart. Die meisten Kolleginnen halten den Stress nur ca. fünf Jahre durch, erzählt sie. Auch das wieder eine Steigerung des Fachkräftemangels. Patienten mit Vorerkrankungen am Herzen oder evtl. anderen möglichen Komplikationen würden von den Privatkliniken einfach abgelehnt.

 

Wer zum Teufel verdient denn: die Krankenhauskonzerne wie Asklepios, Sana, Helios, Vivantes und die Medizinproduktehersteller. So eine OP Schwester: „Jeder Schraubenzieher, der als Medizinprodukt deklariert ist, kostet wesentlich mehr als ein 'normaler' - obwohls das gleiche ist“. Dann natürlich die Pharmaindustrie. Ein Beispiel: Metadon wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, z.B. als Drogenersatzmittel: Da kostet die Flasche etwas über 28 Euro. Wird sie aber als Schmerzmittel verordnet z.B. im Hospiz oder bei Krebs – dann wird Metadon extra angemischt und kann über 100 Euro kosten. Die Zusammensetzung ist aber genau die gleiche.

 

Es formiert sich massiver Widerstand. Im Sommer 2026 kam es bundesweit zu großen Demonstrationen von Klinikbeschäftigten und Pflegekräften. Aber die Denkweise, „ich schaue, wie ich selbst durchkomme“, hindert am gemeinsamen Kampf. Wir müssen uns zusammenschließen und organisieren, in der Gewerkschaft, in Courage, im Rebell und der MLPD. Organisiert sind wir mehr und stärker. „Raus aus dem Wahnsinn“ bedeutet, planen, wie wir kämpfen können, über die Ursachen und Perspektiven diskutieren. Könnte es nicht ein Gesundheitssystem geben zum Nutzen der Menschen? Das geht nur ohne Profitsystem – ein wichtiges Thema für den Frauenpolitischen Ratschlag, wie kann eine Gesellschaft aussehen ohne Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur?

 

Es wird spannend! Kommt nach Gelsenkirchen zum Frauenpolitischen Ratschlag vom 6. bis 8. November 2026 oder seid hybrid dabei.