Brasilien

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Warum wählen Leute Bolsonaro?

Es sind Menschen aus allen möglichen sozialen Schichten, die Bolsonaro wählen. Wir haben hier sogar einen Ausdruck dafür: pobre de direita, also „Arme, die rechts wählen“. Und davon gibt es ziemlich viele. Aber sie sind nicht die Einzigen.

Korrespondenz aus Brasilien

Ein Teil von ihnen wird durch mangelnde politische Bildung und gezielte Manipulation beeinflusst. Das Marketingteam von Bolsonaro hat es geschafft, durch Fake News und Desinformation ein Narrativ aufzubauen, in dem der Bolsonarismus für einen „Systemwechsel“ steht und sich als „Anti-Establishment“ präsentiert. Dabei wird ausgenutzt, dass die PT (die Partei Lulas) inzwischen selbst Teil der politischen Macht ist. Im Kern handelt es sich aber um eine konservative, wirtschaftsliberale und stark religiös geprägte Bewegung, die besonders unter evangelikalen Christen viel Unterstützung findet. Viele dieser Menschen orientieren sich stark an den USA und glauben immer noch an den amerikanischen Traum, ohne den tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Landes genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Die Bolsonaro-Bewegung hat außerdem ein riesiges Netzwerk von WhatsApp-Gruppen aufgebaut, in denen Halbwahrheiten und Fake News verbreitet werden. Die Mitglieder werden regelrecht dazu mobilisiert, diese Inhalte weiterzuverbreiten. Teile der evangelikalen Kirchen, die sich bereits in kleinen Gruppen, sogenannten „Zellen“, organisieren, und dieses politische Netzwerk verstärken sich gegenseitig. Dadurch entsteht eine Art geschlossener Kreislauf aus Politik, Religion und Konservatismus, der teilweise sektenähnliche Züge annimmt.

 

Dann gibt es natürlich auch Unternehmer, die glauben, dass sie unter rechten Regierungen besser verdienen, weil diese häufig eine neoliberale Wirtschaftspolitik versprechen und Steuern senken wollen. Dabei ist die Gleichung „rechte Regierung = besser für die Wirtschaft“ viel zu simpel und oft irreführend. Lula selbst verfolgt eine neoliberale Wirtschaftspolitik, arbeitet mit Banken und Unternehmern zusammen und versucht, die Interessen verschiedener gesellschaftlicher Klassen miteinander auszugleichen – auch wenn das natürlich nicht bedeutet, dass alle davon gleichermaßen profitieren.

 

Und schließlich gibt es eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Elite, deren Reichtum und Einfluss teilweise direkt auf die koloniale und sklavenhalterische Vergangenheit Brasiliens zurückgehen. Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Netzwerke, die sich stark mit dem Zionismus identifizieren und Bolsonaro unterstützen.

 

Das Ganze ist also eine ziemlich komplexe Mischung aus wirtschaftlichen Interessen, sozialem Konservatismus, religiöser Mobilisierung, Desinformation und historisch gewachsenen Machtverhältnissen.