Dienstleistung für die Monopole
Kretschmers AutoUnion Sachsen GmbH – peinlicher Fehltritt oder böser Ernst?
VW plant die Schließung von vier Werken, die Vernichtung Zehntausender Arbeitsplätze sowie die Steigerung der Ausbeutung und der Rendite von 3 auf 9 Proznet. Alles auf dem Rücken der Belegschaften, versteht sich.
Geht es nach der „schwarzen Liste“ von VW-Vorstandschef Oliver Blume, soll auch das Fahrzeugwerk Zwickau (rd. 7000 Beschäftigte) abgewickelt werden. Der Plan sieht vor: „Leerlaufen lassen“ und bis zum letzten Tag Profite abschöpfen. Damit muss Blume mit seinem Vorstandsverein allerdings erst mal an der Konzernbelegschaft vorbei. Und das ist schwieriger, als er denkt, denn es rumort inzwischen kräftig. Stimmen werden lauter, dass Arbeitsplätze nur noch durch Streik gerettet werden können. Eigentlich wären Kampfmaßnahmen nötig, sagen viele. Wann und wie, das wird diskutiert. Spätestens ab Januar wünschen sie sich eine Tarifrunde, in der die Drohung der Werksschließungen vom Tisch gefegt wird.
In dieser für VW brenzligen Situation springt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dem VW-Vorstand eilfertig zur Seite. Fein gemacht, Micha! Du hast dir den Titel „Dienstleister für die Monopole“ wirklich verdient. Breit über die Presse offeriert er die Idee von der Gründung einer AutoUnion Sachsen GmbH. Beim Lesen des fünfseitigen Papiers¹ – es endet mit den pathetischen Worten „Sachsen nimmt sein Schicksal selbst in die Hand“ – reibt sich der VW-Werker die Augen. Kretschmer will VW aus der Verantwortung entlassen, indem der Konzern ein paar Anteile an einer neu zu gründenden AutoUnion Sachsen GmbH übernimmt. Die solle dann – natürlich zu „international wettbewerbsfähigen Kosten“ – mit einer zuvor ausgesiebten Restbelegschaft Fahrzeuge produzieren, die bei VW und anderen Herstellern als Krümel vom Tisch fallen.
Kretschmer preist die Vorzüge an: Senkung des Gewerbesteuersatzes, „… innovativer Tarifvertrag, der internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherstellt“, unbezahlte (!) Samstagsarbeit, Haftung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für „verursachte Nacharbeit“, vollflexible Arbeitszeitmodelle und vieles mehr. Ganz demokratisch dürften sich Teams Sprecher wählen, „… der / die die vom Unternehmen definierten persönlichen und fachlichen Voraussetzungen erfüllt. Er / sie ist verantwortlich für die Anwesenheitssteuerung, Produktivität und Qualität. Er / sie ist die Vertrauensperson.“ Stimmt, so kann man die nervigen IG-Metall-Vertrauensleute auch gleich mit abschaffen!
Bleibt die Frage, was der größere Skandal ist: Kretschmers arbeiter- und gewerkschaftsfeindliche Zukunftsträume oder die bewusst gewählte historische Parallele zur 1932 gegründeten AUTO UNION AG²: Sie avancierte vor dem Zweiten Weltkrieg zum zweitgrößten deutschen Automobilproduzenten. In enger Durchdringung mit dem Hitler-Faschismus mutierte sie zum Rüstungskonzern, war verstrickt in Krieg, Gräuel und ließ in sieben von der SS betriebenen KZs Tausende Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter ausbeuten.³ So wird staatsmonopolistischer Kapitalismus unheimlich anschaulich.