Ukrainekrieg
Hungersnot: Waffenstillstand bei Oleschky hält
Der Ort Oleschky liegt am Dnepr, auf der östlichen Seite des Überschwemmungsgebiets. Seit Monaten entwickelt sich dort eine wirkliche Hungersnot. Bis zu 2 000 Menschen halten hier noch aus. Jetzt haben beide Seiten einen örtlich begrenzten Waffenstillstand vereinbart.
Der Waffenstillstand bei Oleschky scheint zu halten, so berichteten zwischenzeitlich sowohl die ukrainischen als auch die russischen Militärs. Der Waffenstillstand war vereinbart worden, um die Stadt Oleschky zu versorgen und eine offene Hungersnot zu beenden. Die Stadt Oleschky – im Russischen heute Aljoschki – befindet sich seit 2022 mehr formal als real unter russischer Kontrolle. Dem Waffenstillstand waren einige diplomatische Bemühungen vorangegangen, selbst der Papst hatte sich eingeschaltet und eine Waffenruhe gefordert.
Die letzte erfolgreiche Lebensmittellieferung erfolgte im Mai 2026. Der Ort hat immer noch ein Krankenhaus, aber dort gibt es keine Medikamente mehr. Für die Behauptung, die russischen Behörden würden Hilfe nur denjenigen gewähren, die die russische Staatsbürgerschaft annehmen, ist unbewiesen und auch recht unwahrscheinlich.
In der Nähe befindet sich – ob permanent oder temporär – ein schmaler ukrainischer Brückenkopf auf der östlichen Seite des Dnepro-Überschwemmungsgebiets. Das bei der Zerstörung des Kachowka-Staudamms entstandene Seengebiet ist durch ukrainisches Feuer blockiert. Die letzte Brücke wurde im März 2025 von der ukrainischen Armee gesprengt, die letzte Straße vermint. Die russischen Linien liegen hinter Oleschky – und so entstand ein Gebiet, in dem keine der Kampfparteien direkte Kontrolle ausübte.
Es gibt durchaus Hinweise, dass die örtlichen Verantwortlichen beider Seiten Versuche unternahmen, den Menschen zu helfen; teilweise auch mit begrenztem Erfolg. Beide Seiten werfen einander dennoch vor, die Situation in Oleschky verursacht zu haben, und damit haben beide Seiten auch Recht. Das, was dort passiert, ist aber nicht das Ergebnis des böswilligen Eingreifens einer Seite, sondern das Ergebnis der Logik des imperialistischen Kriegs. Der Frontverlauf in Kombination mit der ausgesprochen ungünstigen geografischen Lage hat diese Situation im Krieg zur Katastrophe werden lassen und zeigt die gesetzmäßige Brutalität des zwischenimperialistisfchen Krieges. Keine Seite konnte es taktisch zulassen, dass sich die andere Seite dort frei bewegt.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass beide Seiten den Waffenstillstand achten, um den in Oleschky eingeschlossenen Menschen Nahrung zu bringen und ihnen die Flucht zu ermöglichen.