Aufruf

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Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos: Wir bleiben hier!

„Nein, wir bleiben hier … wir lassen uns die Errungenschaften nicht nehmen!“ Unter dieser Überschrift haben die Organisationen Stand by me Lesvos (SBML), Solidarität International e.V. (SI) und Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in SI gegen die Aufforderung der griechischen Behörden an Stand by me Lesvos, das Lager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos zu räumen und die Arbeit unter den Geflüchteten einzustellen, einen gemeinsamen Aufruf veröffentlicht. Rote Fahne News dokumentiert ihn.

Von Dokumentiert der Webseite Solidarität International
Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos: Wir bleiben hier!
Michalis Aivaliotis (links) und Iordanis Georgiou (rechts) - sie haben diese einzigartige fortschrittliche Flüchtlingspolitik maßgeblich gestaltet (foto: Solidarität International)

Aufruf von Michalis Aivaliotis, Leiter der NGO Stand By Me Lesbos (SBML), Solidarität International e.V. (SI) und Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in SI

„Nein wir bleiben hier, wir lassen uns diese Errungenschaften nicht nehmen!“

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

wir wenden uns mit diesem Aufruf an Euch und bitten Euch, die barbarische, reaktionäre Flüchtlingspolitik der Europäischen Union (EU) anzuprangern und nicht zuzulassen, dass unsere Brüder und Schwestern, die Flüchtlinge, wie Tiere und Menschen 2. Klasse behandelt werden.

 

Die Situation der Flüchtlinge weltweit hat sich sehr verschärft. Die imperialistischen Kriege im Nahen Osten, in der Ukraine, im Sudan und der Völkermord in Palästina, haben die Lebensgrundlagen vieler Menschen zerstört. Sie können nicht mehr in ihren Heimatländern überleben und müssen fliehen. Die letzten Beschlüsse der EU haben praktisch das Asylrecht zunichte gemacht. Die Flüchtlinge leben in einem Klima der Einschüchterung, Abschiebung, Drohung, des Pushback und der Angst. Beim letzten Treffen der fünf Innenminister von Deutschland, Niederlande, Dänemark, Griechenland und Österreich, wurden sie sich einig, die Flüchtlinge noch Anfang des nächsten Jahres nach Ruanda abzuschieben.

 

Die neu angekommenen Flüchtlinge werden, nach tagelanger Todesangst in den Booten, in Griechenland sofort in Gefängnisse gesteckt. Die letzten Flüchtlinge, die in Kreta ankamen, wurden wie Tiere in Container eingesperrt. Die Flüchtlingslager werden in Terrorgefängnisse, wie in Serres und Samos, umgewandelt. Diese Politik des Terrors ist eine bewusste Methode, die von der EU geduldet wird.

 

Michalis Aivaliotis, Leiter von „Stand-by me Lesbos (SBML)“: „Diese Terrorpolitik wird auch im Lager Kara Tepe betrieben. Durch die jahrelange Arbeit von SBML wurde eine große Verbundenheit der Insulaner in Lesbos mit den Flüchtlingen geschaffen. Mit Unterstützung von Solidarität International e.V. (SI) mit dem gemeinsamen Solidarpakt, der seit fünf Jahren besteht, konnte im Flüchtlingslager eine schöne, ruhige Oase geschaffen werden. Durch die Spenden von Menschen aus Deutschland konnten wir zwei ausrangierte Busse zu einem Treffpunkt vor allem für Frauen und Kinder aufbauen. Deutsch-, Englisch- und Griechisch-Kurse und viele Workshops für Frauen und Kinder konnten mit freiwilligen Lehrerinnen und Lehrern und anderen Freiwilligen aus Griechenland und Europa durchgeführt werden.

 

SBML organisierte in den Schulen Plätze für die Kinder und Fahrtmöglichkeiten. Über Medikamente, die wir von Ärzten und weiteren Spendern, wie der Organisation „Palästina muss leben“, erhielten, freuten sich unsere Lagerapotheke und einige Krankenhäuser in Mitylene. Bauern bringen uns immer wieder Obst, Gemüse, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Knoblauch. Was ihnen möglich ist. Wir kaufen bei einheimischen Geschäften Reis, Nudeln, Milch usw. und fördern die selbständige Küche. Die neu angekommenen Flüchtlinge in Lesbos der letzten Wochen wurden von den Einheimischen mit Kleidung, Essen, Wasser versorgt, die schwangeren Frauen und kleinen Kinder wurden liebevoll empfangen.

 

261031 Kara Tepe - Weihnachtsgeschenke

Jedes Jahr konnten wir mit den Spenden, die wir erhielten, Weihnachtsüberraschungen für die Kinder organisieren, um ihre Herzen zu erwärmen.


Dies war den Verantwortlichen in Athen und der EU schon immer ein Dorn im Auge. Das Ministerium für Flüchtlinge der griechischen Regierung versucht seit zwei Jahren die Arbeit von Stand by me Lesvos, eine Arbeit auf Basis der Selbstorganisation, durch Spaltung und durch Angriffe von faschistischen Kräften zu behindern und zu zerstören. Die Regierung bezeichnet diese Oase, den Platz mit den Bussen im Lager, als eine Gegend der Verseuchung. Das Ministerium für Flüchtlinge sagt es offen: „Sie müssen raus und von der Bildfläche verschwinden.“

 

Wir wurden nun offiziell aufgefordert, das Lager bis Ende Oktober zu verlassen. Dieser Angriff muss zurückgewiesen werden! „Nein wir bleiben hier, wir lassen uns diese Errungenschaften nicht nehmen“. Dazu muss die Solidarität in Lesbos und Griechenland und in Deutschland organisiert werden:

 

  • Verbreitet diesen Aufruf!
  • Lassen wir nicht zu, dass dieser Angriff durchgeführt wird!
  • Gegen die reaktionäre EU-Politik!
  • Lassen wir nicht zu, dass die Flüchtlinge ständig in Angst leben müssen!
  • Für das Recht auf Flucht auf antifaschistischer Grundlage! Unterstützt die gemeinsame Losung von Solidarität International e.v. (SI) und Stand by me Lesvos!
  • Organisiert Proteste und Spenden!

 

Der Aufruf als pdf-Datei