Veranstaltung des Friedensforums Düsseldorf zum Irankrieg

Veranstaltung des Friedensforums Düsseldorf zum Irankrieg

Der Feind meines Feindes – mein Freund?

Mit dem aus Heidelberg angereisten Referenten Joachim Guillard hatte das Düsseldorfer Friedensforum am 24. Oktober zur Veranstaltung „Der Irankrieg und die Krise der US-Hegemonie“ eingeladen. Es waren gut 30 Besucherinnen und Besucher gekommen, und die Leitung übernahm der Sprecher des Friedensforums und DKP-Mitglied Hermann Kopp.

Von Anna Bartholomé

Nach dem knapp einstündigen Referat bat er um Fragen und wünschte gar eine „kontroverse Diskussion“. Das griff ich auf und stellte mich als langjährige Aktivistin der MLPD vor. Einigkeit sah ich in der Ablehnung des völkerrechtswidrigen Überfalls der USA und Israels auf den Iran. Zugleich kritisierte ich die einseitige Stellungnahme des Referats zugunsten des iranischen Regimes gemäß der vulgären und falschen Grundlinie „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Es gab und gibt sehr wohl von beiden Seiten ungerechte, weil imperialistische Kriege. Da verbietet es sich für wirkliche Friedensfreunde, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. Der Iran betreibt eine imperialistische Politik, vom Referenten als „mächtige Regionalmacht“ gelobt. Ich erinnerte daran, dass wir teils gemeinsam vor drei Jahren mit dem Ruf „Frau, Leben, Freiheit!“ auf die Straße gingen und die brutale Unterdrückung der Frauen durch das religiös verbrämte faschistische Regime des Iran anprangerten.

 

Das wurde in verschiedenen Redebeiträgen aufgegriffen. Einer bedauerte, dass die innere Situation im Iran im Referat keine Rolle gespielt habe. Eine Teilnehmerin vermisste die furchtbaren Folgen für die Bevölkerung und auch die ökologischen Zerstörungen des Krieges. Eine widersprach meinem Beitrag: Man könne immer die Frauenunterdrückung in anderen Ländern kritisieren, aber in Deutschland gehe es den Frauen auch nicht gut.

 

Das griff der Referent auf. Er könne nicht leugnen, dass es Repression im Iran gebe, aber dort habe sich vieles zum Guten gewendet. Es studierten im Iran mehr Frauen als hier bei uns, und außerdem dürfe man nicht vergessen, wie sehr der Iran durch Sanktionen und Aggression von außen unter Druck stehe.

 

Andere spekulierten, ob nicht die neueste Technologie bisherige Kriege überflüssig mache oder ob es nicht das Ziel sei, die gesamte Energiewirtschaft ins Chaos zu stürzen.

 

Der Referent fand auch Unterstützung von manchen, die sich darüber freuen konnten, dass die USA nicht mehr als hegemonialer Weltpolizist auftreten könnten.

 

Ich meldete mich noch einmal zu Wort. Uns müsse doch bewusst sein, dass ein verletztes Raubtier noch gefährlicher wird und in der bisherigen Diskussion mit dem Lob der Widerständigkeit des Iran die akute Gefahr eines Dritten, womöglich atomaren Weltkriegs unterschätzt wird.

 

Dazu gab es nachdenkliche Gesichter, aber auch den etwas deprimierten Beitrag einer Teilnehmerin, wonach man sich seit Jahrzehnten „im Hamsterrad für den Frieden“ abstrampelt, aber nicht gegen die Kriegshetze ankomme.

 

Ob der Beitrag zum Erwachen beitrug, Kräfte für den Völkerfrieden zu stärken, statt sich auf die eine oder andere Seite der kriegsführenden Regime zu stellen?

 

Indirekt wurde das durch den abschließenden Beitrag einer (einzigen) Iranerin im Raum bestärkt, die dem Referenten widersprach, dass die Bevölkerung hinter den Regierenden des Iran stehe. „Die Leute haben Angst und wollen den Krieg nicht. Viele sind gegen die Mullahs, die viel Geld haben und ihre Kinder zum Studieren ins Ausland schicken.“ Sie könne keine Prozente nennen, aber: „Je ärmer die Leute sind, umso mehr sind sie gegen den Krieg.“