Coburg
Bayernweit streikbereit!
Bisher wurde vonseiten der bayerischen "Arbeitgeber" noch kein Angebot auf den Tisch gelegt. Eine letzte Warnung ging deshalb vor dem Ablauf der Friedenspflicht am 31. Oktober an die bayerischen Metallkapitalisten.
Am 27. Oktober tagte auch die Tarifkommission in Coburg, wo wir uns schon im Vorfeld vor Kaeser Kompressoren trafen, dem Stammwerk von Thomas Kaeser, dem Verhandlungführer des Verbandes der bayerischen Metallindustrie.
3200 Metaller, das hat Coburg schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Ein Freund, der schon seit Jahren in Coburg lebt und immer wieder aktiv war bei fortschrittlichen Aktionen und dort vorne dran stand, lebte regelrecht auf: "Jetzt melden sich endlich die Arbeiter zu Wort". Besonders beeidruckt war er von den zahlreichen Jugendlichen. Sie bildeten einen eigenen Block mit kämpferischen Parolen. Sie bekräftigten ihre Forderung nach 110 € Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Zwei von ihnen, eine junge Frau von Bosch Bamberg, sowie ein Jugendvertreter von SKF Schweinfurt meinten, warum sollten wir uns entscheiden zwischen einer guten Ausbildung und einem Entgelt, das zum Leben reicht, wir brauchen beides!
Die Stimmung war kämpferisch - wir sind bayernweit streikbereit! Buhrufe und Pfiffe gab es für Audi-Chef Gernot Döllner, der vor kurzem Wahlkampf für den FaschistenTrump machte und die Eröffnung eines neuen Werkes ankündigte, während sie hier das Werk in Neckarsulm schließen wollen. Wir sprachen auch mit MAN-Kollegen aus Nürnberg: Sie waren besonders empört darüber, dass VW sich in diese Tarifrunde einmischen und im gesamten Konzern eine dreijährige Nullrunde verordnen will. Bosch-Kollegen aus Nürnberg kämpfen gegen die Schließung des Betriebs. Sie arbeiten jetzt gezielt an der Erhöhung ihres Organisationsgrads, um dann kampfbereit zu sein.

Die MLPD und ihr Jugendverband Rebell waren sichtbar an der Seite der Kolleginnen und Kollegen. Wir wurden von vielen freudig begrüßt, auch von Funtionären der IG Metall und des DGB, die uns in der Zwischenzeit für unseren Einsatz innerhalb der Gewerkschaften schätzen. Ntürlich kennen uns nicht alle Kolleginnnen und Kollegen, die aus allen Ecken Bayerns kamen, aus ihrer persönlichen Erfahrung. Es gab auch kritische Nachfragen. "Marxismus-Leninismus steht doch für die DDR und Sowjetunion. Dort gab es doch keine demokratischen Rechte." Eine Diskussion, die sich dann auch darum drehte, welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus der Entwicklung dieser beiden Länder? Was verstehen wir unter sozialistischer Demokratie? Nicht zuletzt stand unser Buch "Die Lehre von der Denkweise", das ja Antwort gibt auf viele dieser Fragen, im Mittelpunkt unseres Auftretens. Es stieß auf großes Interesse bis hinein in die Reihen einer IG-Metall-Ortsverwaltung.
Ein Hammer war dann am späten Nachmittag das "Angebot" der bayerischen Metallkapitalisten. Eine einmalige Zahlung von 1 % des durchschnittlichen Jahrebruttoentgeltes für den Juli 2027. Ab Juli 2028 sollen die Tabellenentgelte um 1,3 % steigen. Laufzeit bis Ende 2028. Das bedeutet angesichts der Inflation massiven Reallohnverlust über Jahre hinweg. Das ist die Fortsetzung des Generalangriffs auf uns. Da können wir der Losung der Vertrauenleute von MAN Nürnberg nur zustimmen. "Ohne Streik wird sich nicht sändern!" Auf die volle Entfalrung der gewerkschaftlichen Kampfkraft gilt es jetzt Kurs zu nehmen.