Evonik

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Abwarten oder Arbeiteroffensive?

Der folgende Artikel der Redaktion 1 ist in der aktuellen Ausgabe der Betriebszeitung von Kollegen für Kollegen bei Evonik Goldschmidt, „Rührwerk“, erschienen. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:

Aus der Kollegenzeitung „Rührwerk“

Mit „ETM-1“ wurden schon fast 2000 Arbeitsplätze vernichtet. „ETM-1“ ist noch nicht vorbei, da sollen mit „ETM-2“ nochmals 3000 Arbeitsplätze vernichtet werden.¹ Witten wird dichtgemacht, Synect soll verkauft werden, die Ausbildung in Marl wird eingestellt … Angriffe ohne Ende.

 

Jetzt will BASF Evonik übernehmen. Nichts Genaues weiß man nicht, denn die Verhandlungen laufen hinter geschlossenen Türen. In einem „Brief vom Vorstand“ werden wir Kollegen „dringend gebeten, von öffentlichen Äußerungen abzusehen“. Geht's noch? Die verscherbeln unsere Zukunft und wir sollen nicht darüber diskutieren und stillhalten!?

 

Wie in der Auto- und Stahlindustrie findet in der Chemie eine Vernichtungsschlacht statt. Nur Monopole mit einer weltmarktbeherrschenden Stellung werden den maximalen Profit einstreichen. Die Börsenblätter feiern schon den möglichen Zusammenschluss: mehr Marktdominanz durch die Kombination von Basis- und Spezialchemie, Durchsetzung höherer Preise und eine höhere Auslastung der Werke.

 

Also für uns: höhere Ausbeutung und höherer Arbeitsdruck. Wir erleben gerade eine koordinierte Ausbeutungsoffensive von Staat und den führenden deutschen Monopolen im Kampf um den Weltmarkt. Der Kapitalistenverband BDI fordert die Regierung auf, schneller ernst zu machen mit einem Generalangriff auf die Rechte und Lebenslagen der Arbeiter und einfachen Menschen. Prompt lässt sich die faschistische AfD darauf ein, der BDI hätte dieses Angriffsprogramm aus dem AfD-Wirtschaftsprogramm abgeschrieben. Damit beweisen sie selber den arbeiterfeindlichen und prokapitalistischen Charakter der AfD.

 

Auch die BASF führt knallharte Arbeitsplatzvernichtungs- und Ausbeutungsprogramme durch. Zwischen 2024 und 2026 hat sie 7000 Arbeitsplätze vernichtet. Das reicht denen nicht. Mit dem Programm „Core Shift“ will BASF bis 2029 ihre Fixkosten nochmals um 20 Prozent senken. Also das gleiche Spiel: Lohnabbau, Arbeitshetze, „Bürokratieabbau“ (bei Sicherheit und Umweltschutz).

 

Durch eine Übernahme werden diese geplanten Arbeitsplatzvernichtungen nicht beendet. Börsenblätter gehen von weiteren Entlassungen aus. Bei jeder „Elefantenhochzeit“ werden Überschneidungen und doppelte Bereiche über Bord geworfen. Die unverbindlich in der Presse verbreitete „Standortgarantie“ garantiert keinen Erhalt von Arbeitsplätzen. Außerdem muss die BASF ja den Kaufpreis von um die 10 Milliarden Euro wieder einspielen.

 

Viele Kollegen informieren sich an dem eingerichteten ETM-Abfindungsrechner, der jetzt schon ab Jahrgang 1971 Abfindungen ausrechnet und anbietet.

 

Soll jetzt jeder für sich alleine stehen und die Jugend im Regen stehen lassen? Wer sagt denn, dass wir abwarten müssen?

 

Wenn sich die 52.000 Chemiearbeiter von BASF und Evonik in Deutschland gegen die Kapitalisten zusammentun, wer will sie dann aufhalten? Wir müssen unsere Kampfbereitschaft zeigen und Forderungen aufstellen, bevor sie uns vor vollendete Tatsachen stellen. Wir verlassen uns nicht auf die Verhandlungen der Gewerkschaftsspitze, vor allem, wenn der IGBCE-Vorsitzende Vassiliadis sowohl im Aufsichtsrat der BASF als auch im Kuratorium der RAG-Stiftung sitzt. Was soll daran „sozialverträglich“ sein, wenn man uns für einen Appel und ein Ei die Arbeitsplätze abkaufen will, die für die Jugend weg sind?

Wirkliche Mitbestimmung kann es nur durch Streiks geben!

Wir können gute Trümpfe ausspielen! Die Herrschenden können in dieser offenen politischen Krise nicht mehr so regieren wie bisher. Allein im September haben 350.000 Kollegen gegen Arbeitsplatzvernichtung und die Sozialpolitik der Regierung protestiert. Die Massen wollen nicht mehr so leben wie bisher und sind herausgefordert: sich abfinden mit der begonnenen Umweltkatastrophe? Flucht in die Kriegswirtschaft und dann in den Krieg? Nein! Die gesellschaftliche Alternative kann nur im Sozialismus liegen.

 

Gegen die Ausbeutungsoffensive durch Staat und Monopole! Vorwärts zur Arbeiteroffensive!