Konterrevolutionäre Erhebung
Ungarnaufstand vor 70 Jahren: „Widersprüche müssen aufgedeckt und gelöst werden“
Ein die Welt erschütterndes historisches Ereignis stellte am 23. Oktober 1956 der konterrevolutionäre Aufstand gegen die sozialistische Staatsmacht in Ungarn dar. In Westdeutschland lauschten die Menschen gebannt den Radionachrichten, schlagartig verbreitete sich die Angst vor einem neuen Krieg. Wie konnte es zu einer solchen Erhebung gegen den Sozialismus kommen und welche Schlussfolgerungen zog die internationale kommunistische Bewegung aus den Ereignissen?
Seit der blutigen Niederschlagung der ungarischen Rätepublik 1919 hatte die faschistische Pfeilkreuzler-Partei das Land regiert und Ungarn war bis 1944 der letzte Kriegsverbündete Hitlerdeutschlands. Es hatte sich 1941 am deutschen Überfall auf die Sowjetunion beteiligt und zur Befreiung der Massen musste das faschistische Regime von der sowjetischen Roten Armee beseitigt werden. Auch danach versuchten die Faschisten, den Aufbau einer ungarischen Volksdemokratie durch Terror und Sabotage zu verhindern. Gegen die berechtigten Reparationsforderungen der Sowjetunion, an deren Zerstörung sie zuvor mitgewirkt hatten, mobilisierten sie nationalistische Gefühle. Der 1956 von ihnen organisierte Aufstand zeichnete sich durch ungeheure Brutalität aus: Kommunisten wurden auf offener Straße erschlagen und stranguliert öffentlich zur Schau gestellt.
25 Jahre lang verboten und verfolgt, gehörten der kommunistischen Partei Ungarns am Kriegsende nur wenige hundert Genossen an und sie war ideologisch-politisch schwach. Nach einem rasanten Zustrom mehrerer hunderttausend Mitglieder und ihrer Vereinigung mit den Sozialdemokraten erwies sie sich als der komplizierten Situation nicht wirklich gewachsen. Im Kampf gegen die von den USA gelenkte imperialistische Subversion beging sie schwere Fehler: Statt das Hauptaugenmerk auf die Mobilisierung der Massen zu lenken, ging sie mit einseitig administrativen Maßnahmen vor.
Die Parteiführung um Matyas Rakosi - ein Genosse, der bei den Faschisten 15 Jahre in Einzelhaft verbracht hatte - fehlte die enge Verbindung zu den Massen. Vor dem Hintergrund der Entwicklung in der Sowjetunion spitzten sich die Widersprüche in Ungarn dramatisch zu: Im Februar 1956 hatte der sowjetische Parteiführer Chruschtschow auf dem 20. Parteitag der KPdSU den drei Jahre zuvor verstorbenen Stalin, der das Hassobjekt aller Faschisten darstellte, verleumderisch als Verbrecher und Mörder bezeichnet. Hinter diesen Angriffen verbarg er die Revision des Marxismus-Leninismus und den Bruch mit der bis dahin revolutionären Politik.
In der Folge „machten sich in allen sozialistischen Ländern die konterrevolutionären bürgerlichen Kräfte, die sich bis dahin versteckt gehalten hatten, bereit. Die große Verwirrung und Verunsicherung, die Chruschtschows Überraschungsangriff auf Stalin verursacht hatte, nützten sie aus, um einen großangelegten Kreuzzug gegen die Führungen verschiedener kommunistischer Parteien und gegen das sozialistische System überhaupt zu starten. ... Im Oktober brachen konterrevolutionäre Umtriebe in verschiedenen Teilen Polens aus. ... Noch brutaler ging die Gegenrevolution in Ungarn vor. ... Die neue Führung unternahm keine Schritte zur Unterdrückung der Konterrevolution. Nein, sie setzte sich sogar an ihre Spitze. So forderte (der neue Ministerpräsident) Nagy gleich nach seiner Machtübernahme das Ausscheiden Ungarns aus dem sozialistischen Lager und den Einmarsch der UNO-Truppen in das Land.“ (1)
Es war Mao Zedong, der aus den Ungarnereignissen die revolutionären Lehren zog. Mao sagte dazu in einer Rede vom 27. Januar 1957: „Über jenen verschwindend kleinen Kreis von Menschen, die konterrevolutionäre Putsche ähnlich den Ungarn-Ereignissen anzetteln, muß selbstverständlich die Diktatur ausgeübt werden." (2) Er ermahnte seine Zuhörer aber auch: „Versucht nicht immer, alles zu vertuschen. Kaum sagt jemand etwas Dummes, tritt in den Streik oder reicht eine Petition ein, da versucht manch einer schon, ihn mit dem Knüppel zurückzuschlagen, wobei er sich denkt, so etwas dürfte es in der Welt nicht geben. ... Und warum gibt es dann doch, was es eigentlich nicht geben dürfte? Die Tatsache, daß es passiert, zeigt eben, dass es passieren muß. Du erlaubst nicht, dass man streikt, erlaubst nicht, daß man Petitionen einreicht oder böswillige Kommentare abgibt, du greifst immer gleich zu Druckmitteln – bis du eines Tages wie Rakosi dastehst. Das gilt innerhalb und außerhalb der Partei. ... Widersprüche müssen aufgedeckt und gelöst werden.“ (3)