Alice Schwarzer ist reaktionär geworden

Alice Schwarzer ist reaktionär geworden

Tschüs Emma

„Wir gehen weil wir meinen: Es reicht!“ Mit diesen Worten kündigt Alice Schwarzer, Herausgeberin und Chefredakteurin das Ende der „Emma“ an, des seit fast 50 Jahren erscheinenden Magazins „von Frauen für Frauen“ (1).

Von Anna Bartholomé

Zweifellos hat sich Alice Schwarzer im Kampf um Frauenrechte verdient gemacht. In massenwirksamen Kampagnen nach französischem Vorbild bekannten prominente Schauspielerinnen und Autorinnen: „Wir haben abgetrieben!“ Kämpfe gegen den § 218 und für das Recht auf Schwangerschaftsunterbrechungen, gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern holte sie aus der Tabuzone.

 

In den allerersten Nummern der Emma gab es noch interessante Reportagen über kämpferische Frauen, wie Helga Janzik beim ersten Putzfrauenstreik Deutschlands oder ebenfalls in Gelsenkirchen mit den Heinze-Frauen für gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Aber schon früh prägte kleinbürgerlicher Feminismus mit allgemeiner Männerfeindlichkeit bei Alice Schwarzers zahlreichen Medienauftritten das Bild. Pauschale rassistische Vorwürfe galten allen migrantischen und besonders muslimischen Männern, deren Frauen per Kopftuch ebenso pauschal zu Opfern erklärt wurden. Mit Verachtung und tiefem Misstrauen verfolgte sie den Kampf von Transpersonen für demokratische Rechte, so als gehe es um die Verführung von Jugendlichen für jährliche Geschlechteränderungen usw.

 

Selbstherrlich und dominant ließ sie jüngere Mitarbeiterinnen gegen die Wand laufen. Denen reichte es dann schon bald. Es sei eben keine geeignete Journalistin zu finden gewesen, meinte die 83jährige in ihrer Abschiedserklärung.

 

Alice Schwarzer ist nicht zuletzt ein Musterbeispiel für die Veränderlichkeit der Denkweise – eben auch in eine reaktionäre Richtung. Seite an Seite mit der Ex-Linken Sahra Wagenknecht wurde sie zur Galionsfigur der Querdenkerbewegung. scheute sich beim angeblichen Friedensappell nicht, mit der faschistischen AfD zusammenzugehen.

 

In Sachen Frauenrechte und im Kampf um die Befreiung der Frau reicht es uns eben nicht. Nicht einmal der § 218 ist bis heute vollständig abgeschafft. Weltweit machen Ultrareaktionäre Frauenfeindlichkeit und Hetze gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität zum Markenzeichen des modernen Faschismus. Kriege, Kriegsgefahr und Umweltzerstörung, aber auch die Zerschlagung erkämpfter sozialer Rechte untergraben das Lebensrecht der Menschheit. Was zu tun ist, wird Thema beim frauenpolitischen Ratschlag Anfang November sein.

 

Die kämpferische Frauenbewegung kann Alice Schwarzer getrost rechts liegen lassen.