Tote und Verletzte bei Militärübung
Kanada: "Einfach eine Szene aus einem Kriegsfilm"
Alberta/Kanada: Der Stützpunkt Wainwright, etwa 210 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Edmonton gelegen, ist einer der wichtigsten Militärstützpunkte Kanadas. Am Samstag brach bei einer Übung mit scharfer Munition ein Brand aus - vier Soldaten kamen ums Leben, Dutzende sind verletzt.
In Wainwright befindet sich das Canadian Manoeuvre Training Centre und das Trainingszentrum der 3. kanadischen Division. Das 3. Bataillon der Princess Patricia's Canadian Light Infantry sollte zur schnellen Einsatztruppe werden und im Frühling nach Lettland entsendet werden, gegen Russland. Darauf bereitete sich das Batallion vor.
Während einer Übung brach etwa einen Kilometer entfernt ein Grasbrand aus, der von den Militärs aber als harmlos eingeschätzt wurde. Ein plötzlicher Umschlag von Windrichtung und -stärke änderte die Lage - in nur 30 bis 60 Sekunden hatte das Feuer die Soldaten erreicht und eingeschlossen.
Trotz Feuer: Manöver wurde für Stunden fortgesetzt
Generalmajor Wade Rutland sagte am Sonntag, dass der Brand „mehrere Stunden lang" vor der Katastrophe brannte. Die Truppen führten „hochintensive Gefechtsausbildung mit scharfer Munition" durch, einschließlich „das Werfen von Handgranaten auf einem Handgranatenplatz" und simulierte Angriffe. Die Brandursache werde „aktiv untersucht", eine „externe Einmischung" aber sei nicht anzunehmen. Was das Ergebnis angeht, macht sich offenbar nicht einmal der General große Hoffnungen „Es gab gestern die verschiedenste Munition im Wainwright-Trainingsgebiet. Granatwerfer, Granaten, leichte Waffen, Munition. Um ehrlich zu sein, könnte es jedes davon gewesen sein, oder auch gar nichts davon." Könnte ja sein…
Jetzt sind mindestens vier Menschen tot, 39 werden in Krankenhäusern behandelt, „und mindestens 19 befinden sich in kritischem Zustand", so Albertas Premierministerin Danielle Smith bei einer Pressekonferenz am Sonntag. Von den 20 anderen sind acht stabil und 12 „gehfähig".
Die Namen der Opfer
In den Flammen kamen die Gefreiten
Shaun Farrell,
Aidan Goulding und
Hayden Lykkemark
des 3. Bataillons, Princess Patricia's Canadian Light Infantry, sowie Unteroffizier
Morgan Wong
des Loyal Edmonton Regiments um's Leben.
Krankenhaus überwältigt
Dr. Warren Thirsk, Notarzt am Royal Alexandra Hospital der Stadt, nannte es "eine Katastrophe, die nur alle 15 bis 25 Jahre vorkommt" und sie seien "völlig überfordert" gewesen, Opfer mussten auf Krankenhäuser in ganz Edmonton verteilt werden. Immer mehr Opfer wurden mit Militärfahrzeugen zum Krankenhaus geschafft. Brandon Simmons, der in der Langzeitpflegeeinheit des Wainwright Health Centre lebt und so Augenzeuge wurde, beschrieb die Situation gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Es war einfach eine Szene aus einem Kriegsfilm."
Kriegsvorbereitung: Das ultimative Spiel mit dem Feuer
Die Tragödie zeigt nicht einfach nur, wie fahrlässig das Militär mit dem Leben der Soldaten umgeht. Sie offenbart, dass das Spiel mit Sprengstoff auch in relativen Friedenszeiten gefährlich bleibt und wie die sich durch die Umweltkatastrophe verändernden Bedingungen diese Gefahren verschärfen.
Bittere Ironie: Gleichzeitig gibt sie uns entgegen der Absicht der Militärs nun einen Vorgeschmack auf das, was da am Samstag in Wainwright vorbereitet wurde - den Krieg. Schlimmste Brandverletzungen und niemand, der die vor Schmerzen schreienden Opfer versorgen kann. Wenn den Kriegstreibern in der Welt nicht das Handwerk gelegt wird, dann können wir uns an so etwas gewöhnen - dann wird das bald schon normal sein.