30 von 83 Filialen auf der Kippe
Galeria-Kaufhof erneut in Insolvenz - Beschäftigte im Würgegriff vom spekulativen Finanzkapital
Es ist die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren: Die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria bekommen Insolvenzgeld bis Ende des Jahres. Sie befürchten aber die vom Insolvenzverwalter angekündigten „harte Einschnitte“. (1)
Demnach sollen 30 der 83 Filialen auf der Kippe stehen, drohen die Vernichtung tausender Arbeitsplätze der meist weiblichen Beschäftigten und weitere Lohnkürzungen. Dazu Ver.di: „Die Beschäftigten tragen die Lasten der Sanierungen seit Jahren mit. Viele verdienen deutlich weniger als Kolleginnen und Kollegen im Einzelhandel mit Flächentarifvertrag, teilweise rund 30 Prozent.“ (2) René Benko dagegen, zu dessen auf Betrug und Täuschung aufgebauten Imperium „Signa Holding“ die Galeria-Kaufhof gehörte und der maßgeblich für deren Niedergang verantwortlich war, darf inzwischen als Verurteilter mit Fußfessel seine Haft zu Hause verbringen!
Ver.di prangert an, dass die aktuellen Eigentümer gerademal 100 Millionen Euro investiert haben, während Experten eher eine Milliarde für nötig halten. Doch „Managementfehler“ erklären die erneute Insolvenz noch nicht wirklich. So sank laut EHI der Marktanteil der Warenhäuser im deutschen Einzelhandel seit dem Jahr 2000 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. (1) Dass immer mehr Menschen beim günstigeren Online-Handel kaufen, hat auch mit der schwindenden Kaufkraft zu tun. Der Widerspruch - zwischen dem Zwang zur Steigerung von Produktion und Umsatz zur Profitsteigerung und der wachsenden Ausbeutung der Arbeiter und Angestellten - ist typisch für den Kapitalismus. Insbesondere die Konzerne reagieren darauf mit der Schließung von Werken und Geschäften, sowie der massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen. Auch suchen die Monopole in der Spekulation eine Anlagemöglichkeit für ihr Kapital. So interessierte bereits Benko nicht die Kaufhäuser, sondern ihre wertvollen Grundstücke in den Innenstädten.
Daraus haben die Beschäftigten gelernt. So sagt Lorraine Franklin, Betriebsrätin im Hamburger Alstertal-Einkaufszentrum: „Auch wenn mit der vierten Insolvenz die Hoffnung schwindet, dass endlich in unsere Filialen investiert wird, wir geben nicht auf!“ (2) Auf diese Investitionen haben jedoch die Kolleginnen und Kollegen – zumindest nicht direkt – Einfluss. Allerdings darauf, ob Galeria-Kaufhof sein Weihnachtsgeschäft mit ihrer Arbeit machen kann. Das mit Kampfmaßnahmen zu verweigern, ist das wichtigste Faustpfand für ihren Kampf um jeden Arbeitsplatz und um ihre Löhne. Hier brauchen sie auch die Solidarität aus den Gewerkschaften und Bewohnern der betreffenden Städte.