Finnland

Finnland

Das weltweit erste Atommüllendlager wird freigegeben

Das Lager in Eurajoki im Südwesten Finnlands darf, so das Entsorgungsunternehmen Posiva, zeitnah in Betrieb gehen. Ein genaues Datum wurde noch nicht genannt. Ist das das Ende der Lösung des Atommüllproblems?

fu
Das weltweit erste Atommüllendlager wird freigegeben
Nach vielen Jahrzehnten der Kernenergie soll nun in Finnland das erste Endlager für Atommüll freigegeben werden - zumindest wahrscheinlich. Steht uns nun eine strahelnde Zukunft bevor? (Bild: Nejc Košir; Lizenz: Pexels)

Das Lager heißt Onkalo, und sein Bau wurde bereits vor 22 Jahren begonnen. Mehr Zeit also, also die meisten Kernkraftwerke im Bau (wenn auch nicht im Abbau) brauchen. Die Schächte wurden in Gestein gebort, dass 1,9 Milliarden Jahre alt ist. Diese geologischen Voraussetzungen sind nicht überall gegeben, und schon deswegen kann man nicht behaupten, dass, selbst wenn die Endlagerung die Lösung des Problems wäre, durch die (angekündigte) Inbetriebnahme des weltweit ersten Atommüllendlagers die Probleme mit der Kernenergie gelöst wären.

 

Angekündigt? Ja, angekündigt: Die technischen Überprüfungen und Tests durch die Aufsichtsbehörden stehen nämlich noch aus. Es kann also auch sein, dass die Ankündigung etwas verfrüht ist. Verfrüht oder nicht, sie passt in den gewünschten Diskurs: Global wird die Kernkraft massiv von den Monopolen als Lösung der Energieprobleme propagiert.

 

Dass Onkalo aber nicht einmal der Beginn eines Hoffnungsschimmers ist, den Atommüll in den Griff zu bekommen, verrät ein simpler, nüchterner Blick auf die Zahlen. Denn während Onkalo stolz auf seine Lagerkapazität von 6 500 Tonnen Uran ist, liegt die Jahresabfallproduktion in der Kernenergie aktuell bei 12 000 Tonnen hochradioaktiver Abfälle. Heißt, würde man den laufend entstehenden hochradioaktiven Abfall ab Januar 2027 nach Onkalo bringen, wäre spätestens im Juli 2027 das Lager voll.

 

Weltweit sind in den letzten Jahrzehnten 300 000 Tonnen hochradioaktiver Abfälle angefallen, die Menge des weniger belasteten, aber immer noch strahlenden Abfalls, sprengt die Millionen-Tonnen-Grenze – aber keine Sorge. Onkalo war eh nur dafür gedacht, die verbrauchten Brennelemente der fünf Kernkraftwerke in Olkiluoto und Loviisa aufzunehmen.

 

Also nein – gar nichts ist hier gelöst!