Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion

Berliner Gewerkschafter diskutieren über ihren Kampf gegen die Aufrüstung

Am vergangenen Samstag trafen sich rund 70 aktive Gewerkschafter von Verdi(-Jugend), GEW (-Jugend), IG Bau, IG Metall Berlin und weiteren zur Podiumsdiskussion „Arbeit und Gewerkschaften in Zeiten der Aufrüstung“.

Korrespondenz

Unter ihnen verschieden waren verschiedene Kolleginnen und Kollegen aus dem sozialen und Bildungsbereich, von der Charité, Tesla, Mercedes oder Siemens Energy.

 

In ganz unterschiedlichen Berichten erzählten sie von den bereits heute doch für ALLE in ihrem Arbeitsalltag spürbaren Auswirkungen der Aufrüstungs- und Kriegspolitik der Bundesregierung. So berichtete eine Medizinstudentin der Charité von Programmen, die insbesondere die Ärzte für sogenannte „Notfall-Pläne“ gewinnen sollen, während dem Pflegepersonal der Dienst dann gesetzlich angeordnet wird.

 

Kolleginnen und Kollegen aus dem Schulbetrieb berichteten, wie sich die Bundeswehr gezielt an Jugendliche ohne bzw. mit schlechten Schulabschlüssen wendet, um ihnen Ausbildungschancen schmackhaft zu machen, die sonst oft verwehrt sind.

 

Aus Industriebetrieben wurde berichtet, dass viele Kollegen eine angebliche Sicherung ihrer Arbeitsplätze wie in der Autoindustrie durch den Verkauf an Rüstungskonzerne ablehnen. Es wirkt aber eine bestimmte Verunsicherung, ob man sich dagegen organisiert wehren kann. So erscheint es manchen Kollegen dann doch als das kleinere Übel. Eine kritische Auseinandersetzung entstand darüber, dass einzelne vor allem die Kollegen dafür selbst verantwortlich machten oder der Jugend insgesamt Desinteresse an einen gemeinsamen Kampf gegen die Wehrpflicht usw. zuordneten.

 

Am Schluss waren wir uns einig darüber, dass die Kollegen und insbesondere die Arbeiterjugendlichen heute mit einem ausgefeilten System der Meinungsmanipulation fertig werden müssen und es eine Aufgabe von uns Gewerkschaftern ist, die anstehenden Tarifrunden oder Kämpfe gegen die Angriffe von Regierung und Monopolen insgesamt mit einer Aufklärung- und Bildungsarbeit zu verbinden. Kontrovers wurde der Standpunkt eines jungen IG-Metallers diskutiert, der meinte, es nutze dem Aufbau einer Jugendgewerkschaftsarbeit mehr, mal gemeinsam was trinken zu gehen, anstatt den Lehrlingen als Gewerkschafter eine „trockene Diskussion aufzuwingen“. Wir einigten uns, dass wir im gemeinsamen Kampf am meisten lernen, die Jugend Vorbilder braucht, aber auch das gemeinsame Feiern dazu beiträgt, Vertrauen aufzubauen.

 

Eine klassenkämpferische Kollegin brachte mit ein, dass der Kampf gegen die Weltkriegsgefahr eng verbunden ist mit dem Kampf gegen die AfD und die faschistische Gefahr. Der moderne Faschismus, wie ihn die AfD verbreitet, trägt eine Spaltung in die Belegschaften und teils in die Gewerkschaften. Sie forderte unter anderem zum IG-Metall-Gewerkschaftstag eine breite Bewegung für einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die AfD aufzubauen. Während wir uns darüber am Ende nicht mit allen einig waren, gab es breite Unterstützung für den gemeinsamen Kampf zur Aufhebung des antikommunistischen Unvereinbarkeitsbeschlusses gegenüber der MLPD in der IG Metall. Die Mehrheit der anwesenden Gewerkschafter kannte die MLPD und würdigte ihre Rolle beim Opel-Streik 2004 und heute in den Kämpfen bei VW und Mercedes.