Sie marschieren wieder

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AfD Düsseldorf bläst zum faschistischen Kulturkampf

Am 26.Oktober findet zum vierten Mal in diesem Jahr ein sogenannter "Spaziergang" der AfD Düsseldorf statt, wieder montags. Die AfD versucht, die fortschrittliche Tradition der Montagsdemonstrationen zu kapern. Nicht Fortschritt und Demokratie kennzeichnen diese Spaziergänge, sondern übler Rassismus, Verleumdung, Deutschtümelei und brutales Spießertum.

Korrespondenz

Objekte der Hetze und Fremdenfeindlichkeit waren bereits nordafrikanische Migranten, Obdachlose und Drogenkranke oder die japanische Community. Doch die völkische Seele sieht Licht: Der Messias kommt, in Gestalt von Matthias Helferich, Rechtsanwalt und Bundestagsabgeordneter aus Dortmund, nach eigener Aussage "das freundliche Gesicht des Nationalsozialismus".¹ Seine offene Sympathie für den Faschismus war sogar dem Landesvorstand der NRW-AfD zu rechts, er sollte ausgeschlossen werden. Doch das Bundesschiedsgericht der AfD und die beiden Parteivorsitzenden Alice Weidel und Timo Chrupalla lassen einen Bruder im braunen Geiste nicht fallen. Helferich bleibt in der AfD und wurde deren Vertreter im Kulturausschuss des Bundestages.

 

Nun spricht er am 26. Oktober im Düsseldorfer Palais Wittgenstein über "Kulturpolitik von rechts" und eine stramm deutsche Kultur. Zuvor führt der Spaziergang über die Düsseldorfer Kulturmeile mit ihrem internationalen Angebot an Kunst, Kultur und Musik. Vor Helferich waren bei der Düsseldorfer AfD schon der faschistische Thüringer AfD-Chef Björn Höcke und der rechte Vordenker und Verleger Götz Kubitschek zu Gast. Helferich bewies auf dem Sommerempfang der Düsseldorfer AfD seine "Kultur", als er über migrantische "Grooming Gangs" im Rheinland fantasierte, die "weiße Mädchen versklaven", oder von einem "Schuldkult", der dem deutschen Volk das Rückgrat gebrochen habe.

 

Ein Rückgrat, das Helferich völlig fehlt. Rückgrat haben dagegen Tausende bewiesen, die gegen ihn und die anderen faschistischen Demagogen protestiert haben und das Verbot faschistischer Parteien und ihrer Propaganda fordern. Mit dem neuen Vortrag soll Helferich zeigen, was eine Harke, sprich: was "deutsch" ist (siehe die Forderungen der AfD Sachsen-Anhalt). Die Förderung "antideutscher Kunst" soll gestrichen werden, also aller Kunstprojekte, die sich kritisch mit Deutschland auseinandersetzen.² Fördermittel werden an ein explizites Bekenntnis zu "deutscher Kultur" gebunden. An Schulen soll die deutsche Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen werden. Kultureinrichtungen wie die "Stiftung Bauhaus Dessau" seien "Irrwege der Moderne".³

 

Statt einer Kultur des gegenseitigen Respekts, der Solidarität und des voneinander Lernens sollen Hetze, spießige Kleingeisterei und völkisches Denken Einzug halten. Theater sollen vor allem deutsche Stücke von Goethe, Schiller und Co spielen. Diesen blau-braunen Kulturbanausen entgeht völlig, dass die genialen Werke von Goethe, Schiller, Lessing und anderen nicht aus der Abgrenzung und Verachtung gegenüber anderen Völkern und Kulturen entstanden sind, sondern dass sie daraus schöpften, sich kritisch und selbstkritisch damit befassten und darauf aufbauten. Goethe prägte den Begriff der "Weltliteratur", die "weder dem Volke noch dem Adel, weder dem König noch dem Bauer" gehöre, sondern "Gemeingut der Menschheit" sei.⁴

 

Tja, AfD, wer sich mit fremden Federn schmückt, sieht am Ende ziemlich gerupft aus.