Navanethem „Navi“ Pillay

Navanethem „Navi“ Pillay

Würdige Preisträgerin

Die Nachricht über die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises erreichte Navanethem „Navi“ Pillay an einem historischen Ort: Im Richterzimmer des Nürnberger Gerichtshofs, wo einstmals die Kriegsverbrechen des Hitlerregimes verurteilt wurden, hatte die 85jährige an einer Konferenz zum Völkerrecht teilgenommen.

Anna Bartholomé
Würdige Preisträgerin
Foto: nurembergacademy.org

Sie war wohl über die Nachricht vom Preiskomitee genauso überrascht wie viele, die sich mit ihr freuen können. Aber einige sind auch erbost. US-Präsident Trump soll mal wieder getobt haben. Er versteht sich als zu preisender Friedensbringer, was ihm gerade nicht besonders gut gelingt. Dabei hatte die unwürdige, weil faschistoide letztjährige Preisträgerin aus Venezuela ihm doch ihren Preis um den Hals gehängt. Das reichte ihm aber nicht und sein Busenfreund, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verdammte wie er die Preisvergabe. Denn diese kleine, bescheiden auftretende alte Dame hatte es gewagt, ihn und einige der Seinen aus dem israelischen Regime als Kriegsverbrecher beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vor den Richtertisch zu zitieren.

 

Dort hatte sie lange gearbeitet, bevor sie als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte nach Genf ging. Als Tochter einer aus Indien stammenden Migrantenfamlie waren auch Frauenrechte für sie immer ein wichtiges Thema. Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt zählten für sie zu Kriegsverbrechen und mit ihrem Plädoyer für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch betonte sie das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung.

 

Sie leitete unter anderem auch eine unabhängige Untersuchungskommission zu Kriegsverbrechen im Gazsstreifen und im Westjordanland und kam zu dem Schluss, dass der israelische Staat dort einen Völkermord, einen Genozid begeht. Den Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 verurteilte sie scharf als Kriegsverbrechen. Aber das konnte ihrer Meinung nach nicht das Vorgehen in Gaza rechtfertigen, wozu sie die Reaktion der deutschen Regierung als „zu schwach und unkritisch“ befand. (1) Schon früh und aus eigener Erfahrungen im südafrikanischen Apartheidsstaat hatte sie Israels rassistische Politik gegen Palästinenserinnen und Palästinenser aber auch gegen zugewanderte schwarze Jüdinnen und Juden als staatliche Apartheidspolitik gekennzeichnet.

 

2022 sollte Navi Pillay in Berlin schon einmal für ihren Kampf gegen Kriegsverbrechen mit einer Otto-Hahn-Friedenmedaille geehrt werden. Die damalige Berliner SPD-Oberbürgermeisterin Franziska Giffey verhinderte das wegen Pillays angeblicher „Israelfeindlichkeit“. (2) Jetzt wurde Frau Giffey nicht mehr gewählt und geifert gegen Palästina-Solidarität in der Linkspartei. Ob sie wie Trump und Netanjahu getobt hat über diesen nicht verhinderten Friedensnobelpreis wurde nicht ruchbar.