Arbeitsplätze und Umweltschutz nicht dem Profit opfern
Werbung für den Internationalen Umweltratschlag am Mercedes-Tor
Am 15. Oktober verteilten wir vor dem Tor des Mercedes-Motorenwerks in Stuttgart-Bad Cannstatt Einladeflyer für den Internationalen Umweltratschlag, der vom 23. bis 25. dieses Monats im Arbeiterbildungszentrum (ABZ) des nahegelegenen Stadtteils Untertürkheim stattfindet.
Wir waren gespannt, wie die Kolleginnen und Kollegen darauf reagieren würden. Denn es ist noch nicht so lange her, dass unter dem Einfluss der AfD-Vorfeldorganisation „Zentrum“ viele auf die Umstellung auf Elektroautos schlecht zu sprechen waren. Dass in den letzten vier Jahren im Stammwerk 4000 Arbeitsplätze vernichtet wurden, daran seien die Bundesregierung und der „rot-grüne Zeitgeist“ schuld – so häufig zu hörende Meinungen.
Doch heute herrschte eine andere Stimmung. Solche AfD- und „Zentrum“-Positionen waren wenig zu hören. Viel Zustimmung gab es dagegen, wenn wir sagten: Für den Profit werden nicht nur Arbeitsplätze kaputt gemacht, sondern auch die Umwelt. Deshalb müssen wir Automobilarbeiter für Arbeitsplätze und Umweltschutz kämpfen; wir müssen Verantwortung dafür übernehmen, dass auch zukünftige Generationen noch leben können. Die vor Kurzem stattgefundenen gewerkschaftlichen Kampftage als Antwort auf die Generalangriffe von Mercedes & Co. sowie der Regierung haben vielen Arbeitern deutlich gemacht, wo die Klassenfronten tatsächlich verlaufen.
Einige stimmten zu, dass es schlecht um die Umwelt bestellt ist, und zum Teil auch, dass es sich um eine Umweltkatastrophe handelt. So berichtete ein türkischer Kollege, dass er im Heimaturlaub noch nie so eine Hitze und Dürre erlebt habe. Viele Kollegen unterschätzen aber noch, dass es bereits irreversible Zerstörungsprozesse gibt.
Einige Arbeiter wollten keinen Flyer nehmen, weil jetzt der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze das Wichtigste ist. Auf die Frage, was sie ihren Enkeln sagen, die auch eine Zukunft brauchen, wozu der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen gehört, hatten sie keine Antwort. Oder es kam, dass wir Arbeiter an der (umweltverbrecherischen) Politik auch nichts ändern können. Am 21. September, als sich in Deutschland 175.000 Automobilbeschäftigte „zu Wort meldeten“, wurde aber deutlich, welche Kraft sie haben, wenn sie gemeinsam kämpfen. „Mitbestimmung durch Streik“ – diese Losung der MLPD gilt auch für die Frage des Kampfes gegen die Umweltkatastrophe.
Einige Kollegen wollen zur Auftaktkundgebung am Freitag, dem 23. Oktober, um 16 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz kommen und sich weiter über die Konferenz informieren.