Kämpferische Betriebsversammlung bei Thyssen-Krupp Duisburg

Kämpferische Betriebsversammlung bei Thyssen-Krupp Duisburg

„So geht man nicht mit Arbeitern um!“

Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, fand bei Thyssen-Krupp Duisburg die Betriebsversammlung statt. Es waren mehr Kollegen da als sonst. Die Stimmung war aufgewühlt.

Korrespondenz

Obwohl der Vorstand mit einer hübschen Präsentation versucht hat, ein rosarotes Bild zu zeichnen, ging es in der Aussprache zur Sache. Es sprachen vormittags und nachmittags je zehn Kollegen. Viele hatten vorher noch nie gesprochen.

 

Diese Diskussion zeigte deutlich, dass der Vorstand weiter seinen Angriff auf die Belegschaft fährt und sogar verschärft. Dabei versuchen sie ihr soziales Image beizubehalten, dass es nicht um Profit geht, sondern angeblich um Sicherung der 16.000 Arbeitsplätze. Die Vorstände lobten die Belegschaft, weil es trotz Problemen (Niedrigwasser, Kriege und Krisen …) vorangegangen ist, Produktionsziele erreicht wurden und der Profit auf 373 Mio € gesteigert wurde. Der unmögliche Vorgang, dass über 300 Kollegen letzten Monat nachträglich Erschwernisszulagen und Zulagen für Vorarbeiter- und Meistervertretung, im drei bis vierstelligen Bereich, vom Lohn abgezogen bekommen haben, bezeichneten sie als „Misskomunikation“. Frech bot der Vorstand an, dass man bei großen finanziellen Problemen ja eine Vorauszahlung beantragen könnte. Ein Redner griff das an: Der Abzug vom Lohn ist kein Zufall, sondern gewollt, um das Geschäftsjahr zu „frisieren“. 250 ausgesteuerte Kollegen, die das Weihnachtsgeld nicht bekommen, Abzüge von Vertretungsgeldern, Nichtauszahlung von Mehrarbeit und Erschwernissen, das ist insgesamt ein Millionenbetrag, der den Kollegen geklaut wurde. Dazu äußerte der Vor-stand sich nicht.

 

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Die Kollegen ließen sich nicht einwickeln und griffen an verschiedenen Fragen den Vorstand an. Ein Betriebsrat wies dem Vorstand nach, dass sie Kapitalisten sind und das, was sie machen, nichts anderes als kapitalistische Ausbeutung ist, die jetzt sogar noch weiter gesteigert werden soll. Nachdem der faule Kompromiss über die Arbeitsplatzvernichtung letztes Jahr abgeschlossen wurde, ist plötzlich keine Rede mehr von drohender Insolvenz.

 

Es kam auch raus, dass die Jagd auf kranke Kollegen und der Umgang mit den Kollegen sich weiter verschärft hat. Ein Kollege sprach mutig und berichtete, dass er nach 40 Jahren Maloche durch die Wechselschicht krank geworden ist und jetzt seit über einem Jahr unbezahlt freigestellt ist. Er sagte: „Ich fordere auch die fehlenden Löhne zurück! Ihr könnt mich mögen oder nicht, aber so kann man nicht mit Arbeitern umgehen. ...Vielen Dank für die ganze Unterstützung, alleine kann ich gegen so ein großes Unternehmen nichts ausrichten, deshalb brauchen wir den Betriebsrat und die IG Metall“. Er erhielt tosenden Applaus. Nachmittags kam dann die Nachricht, dass Thyssen eingeknickt ist und der Kollege nächste Woche Montag wieder anfängt zu arbeiten. Herzlichen Glückwunsch! Kämpfen lohnt sich! Es gab noch mehr solche Fälle, ein anderer Kollege wurde ohne Vorwarnung von der Arbeit unbezahlt nach Hause geschickt, weil es keine Arbeit für ihn geben würde. Dieser Umgang mit den Arbeitern kann nicht akzeptiert werden. Wenn Thyssen seine Maske fallen lässt, müssen die Arbeiter auch zu härteren Maßnahmen greifen: Mitbestimmung durch Streik ist auf der Tagesordnung!

 

Weitere Beiträge griffen die Staubbelastung in einem Werksteil an, die ausgesetzte unbefristete Übernahme und die Geschäfte von Thyssen mit Israel. Vom Podium hielt der VKL-Leiter einen Beitrag gegen die AfD und Rassismus. Auffallend war, dass die offensiven politischen Ansagen (gegen Rassismus, gegen Israel) besonders viel Beifall bekamen.

 

Diese Betriebsversammlung hat gezeigt, dass die Arbeiteroffensive auf der Tagesordnung steht. Sie hat auch gezeigt, dass die Belegschaft ThyssenKrupp in der offenen Auseinandersetzung überlegen ist.