Kein Liebling der Nation
Die neuen Ziele eines Friedrich Merz
„Ich habe nicht die Absicht, der Liebling der Nation zu werden.“ So sprach Bundeskanzler Merz vor den versammelten Größen der deutschen Wirtschaft bei einer Rede zum Arbeitgebertag. So, so. Genauso gut hätte der Papst verkünden können, dass er nicht die Absicht hat den Weltrekord im Stabhochsprung zu brechen. Das klingt genauso absurd.
Wobei der Papst auf Grund seiner göttlichen Nähe vielleicht noch auf einen himmlischen Beistand hoffen könnte. Die Beliebtheitswerte von Kanzler Merz haben jedenfalls bei der arbeitenden Bevölkerung einen geradezu höllischen Tiefststand erreicht. Selbst in seiner eigenen Partei schmilzt die Unterstützung für ihn wie die Alpengletscher in der Sonne.
Friedrich Merz sagt diesen Satz ganz bewusst an diesem Ort. Es ist fast nur der verschwindend kleine und erlauchte Kreis von Monopolvertretern, die ihm (noch) die volle Rückendeckung geben, um die sozialen Kahlschlagspläne seiner Reformpläne in ihrem Sinne durch zu ziehen.
Um seinen neuen Ambitionen entschlossen Nachdruck zu verleihen tat der tapfere und einsame Ritter Merz vor seinen Fans aus den Vorstandsetagen folgendes kund: "Gesund und fit abschlagsfrei früher in Rente zu gehen, das ist weder gerecht, noch können die Rentenversicherung und unsere Volkswirtschaft sich das leisten."
Gesund und fit? Jeder 7. in Deutschland erreicht krankheitsbedingt nicht das Rentenalter. “Wer in seinem Arbeitsleben hohen Belastungen ausgesetzt war, stirbt früher als andere“, stellte schon 2019 der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer Studie fest.
Aktuell müssen knapp 1,8 Millionen Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente gehen und beziehen eine Erwerbsminderungsrente. Wohl um diese Zahl noch zu erhöhen, forderte Kanzler Merz in seiner Rede explizit die Möglichkeit von 12-Stunden-Schichten. „Über acht Stunden zu arbeiten ist keine Ausbeutung“, so Merz.
Doch außerhalb des Saales sehen das immer größere Teile der vermeintlich nicht ausgebeuteten Arbeiterschaft völlig anders. So wie auf einem Protestschild eines Industriearbeiters vom DGB Aktionstag am 26.9. „VW, Mercedes & Co: Ihr wollt Klassenkampf? Könnt ihr haben!“