Krieg zwischen den Huthi und Saudi-Arabien

Krieg zwischen den Huthi und Saudi-Arabien

Ein neuimperialistischer Krieg

Der erneute Krieg zwischen den Huthi-Milizen im Jemen und Saudi-Arabien ist ein gefährlicher Krieg zwischen neuimperialistischen Mächten der Region – Iran auf der einen, Saudi-Arabien (unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei und Pakistan) auf der anderen Seite. Dahinter stehen die großen Linien der Auseinandersetzung zwischen dem US-Imperialismus und dem chinesischen Sozialimperialismus.

Von pw
Ein neuimperialistischer Krieg
(foto: shutterstock_2698554255)

Die konkrete Aggression geht jedoch vor allem von den regionalen neuimperialistischen Staaten aus. Für die Massen bedeutet das Vertreibung, Tod und verschärfte Not – und die allgemeine Weltkriegsgefahr steigt weiter.

Neuimperialisten im Krieg

Die Huthi sind keine antiimperialistische Kraft. Sie sind eine hochprofessionalisierte faschistisch-islamistische Miliz, die primär den Interessen des neuimperialistischen und faschistischen Iran dient und zur iranischen „Achse des Widerstands“ gehört. Mit iranischen Waffen, Technologie und Beratung haben sie ihre militärische Stärke massiv ausgebaut. Seit September 2026 kontrollieren sie die gesamte jemenitische Rotmeerküste inklusive der strategisch wichtigen Meerenge Bab el-Mandab. Von dort greifen sie mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen saudische Flughäfen (Riad, Dammam, Abha u. a.), Energieanlagen und Ölexportwege an. Der Angriff auf den Flughafen Riad Mitte Oktober mit mindestens zwölf Toten und über 300 Verletzten war der bisher schwerste.

 

Saudi-Arabien seinerseits bombardiert den Jemen bereits seit 2015. Nach einer relativen Ruhephase seit der Waffenruhe 2022 hat Riad die Luftangriffe seit Sommer 2026 massiv wieder aufgenommen. Das Yemen Data Project dokumentierte allein im September 2026 die höchste Zahl ziviler Opfer durch saudische Luftangriffe seit 2022: mindestens 66 Zivilisten getötet und 90 verletzt. Besonders schwer traf es ein Gefängnis in Al-Jawf (35 Tote). Saudi-Arabien führt den Krieg an der Spitze einer Koalition und mobilisiert jetzt den neu gegründeten Mecca-Pakt (August 2026) mit der neuimperialistischen Türkei und Pakistan. Pakistan stellt Truppen, Luftabwehr und beteiligt sich Berichten zufolge bereits an Luftangriffen. Die Türkei liefert vor allem technische und defensive Unterstützung. Auch die VAE, die historisch eigene Interessen im Süden des Jemen verfolgen, werden wieder stärker eingebunden.

 

Beide Seiten sind neuimperialistische Staaten oder nutzen Stellvertreter im Kampf um Einflusszonen, Rohstoffe und strategische Meerengen (Bab el-Mandab vs. Straße von Hormus). Der Iran nutzt die Huthi als „Proxys“, um den US-Verbündeten Saudi-Arabien zu schwächen und die eigenen Interessen im Rahmen des USA/Israel-Iran-Kriegs durchzusetzen. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan verteidigen und erweitern ihre eigenen Machtpositionen. Das ist von beiden Seiten kein Befreiungskampf, sondern ein klassischer zwischenimperialistischer Konflikt.

Die großen Linien: USA gegen China

Hinter diesem regionalen Krieg stehen die Widersprüche besonders zwischen dem US-Imperialismus und dem chinesischen Sozialimperialismus. Der US-Imperialismus versucht, seine Hegemonie im Nahen Osten zu sichern bzw. wiederherzustellen und den Einfluss Chinas (und Russlands) zurückzudrängen. Der chinesische Sozialimperialismus baut dagegen seine wirtschaftlichen und politischen Positionen in der Region aus – über Infrastrukturprojekte, Energieabkommen und politische Beziehungen zu verschiedenen Akteuren. Der Iran ist der engste regionale Verbündete Chinas und Russlands. Saudi-Arabien bleibt dagegen ein zentraler Verbündeter der USA, auch wenn die Beziehungen unter Trump nicht spannungsfrei sind.

 

Gleichzeitig zeigt sich, dass die USA den direkten Kriegseinsatz momentan nach dem Debakel im offenen Krieg gegen den Iran und angesichts wachsender Kritik der Massen scheuen. Trump lehnt saudische Forderungen nach direkten US-Luftangriffen bislang ab. Die USA liefern dennoch vor allem Geheimdienst- und Targeting-Unterstützung. Die konkrete Aggression und die Eskalation gehen vor allem von den regionalen neuimperialistischen Mächten selbst aus: vom Iran über die Huthi und von Saudi-Arabien mit seinen Partnern im Mecca-Pakt.

Schlimme Folgen für die Massen

Die Massen im Jemen und in Saudi-Arabien zahlen den Preis. Im Jemen hat die erneute Eskalation seit August 2026 bereits über 200.000 Menschen vertrieben – die höchste Zahl seit dem Waffenruhebruch. Hunderte Menschen wurden getötet, Tausende verletzt. Die ohnehin katastrophale humanitäre Lage (Millionen von Hunger bedroht) verschärft sich weiter. Angriffe treffen Wohngebiete, Gefängnisse, Märkte und zivile Infrastruktur. In Saudi-Arabien sterben und werden Zivilisten an Flughäfen und anderen Zielen verletzt. Der Krieg bedeutet für die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Bauern, die Frauen und die Jugend in beiden Ländern Vertreibung, Hunger, Zerstörung und Unterdrückung – unabhängig davon, welche neuimperialistische Macht gerade die Oberhand hat.

Erhöhte Weltkriegsgefahr

Dieser Krieg ist kein isoliertes Ereignis. Er ist Teil der allgemeinen Zuspitzung der zwischenimperialistischen Widersprüche. Die Blockade der Straße von Hormus im Rahmen des Iran-Kriegs und die Bedrohung der Rotmeer-Route durch die Huthi zeigen, wie eng die verschiedenen Kriegsschauplätze miteinander verknüpft sind. Jede weitere Eskalation – ob im Jemen, am Roten Meer oder im Iran – erhöht das Risiko, dass sich regionale Kriege zu einem größeren imperialistischen Krieg ausweiten. Die Aktivierung des Mecca-Pakts und die verstärkte Rolle von Pakistan und der Türkei machen deutlich, dass immer mehr neuimperialistische Staaten in die Konfrontation hineingezogen werden.

 

Der Krieg zwischen den Huthi und Saudi-Arabien ist kein „gerechter“ Krieg und keine Seite steht auf der Seite der Massen. Er ist ein zwischenimperialistischer Krieg um Einfluss, Profit, Rohstoffe und Machtpositionen. Die Massen müssen die Rechnung bezahlen – und die Gefahr eines imperialistischen Weltkriegs steigt weiter. Das ist eine Herausforderung an den Friedenskampf, der sich gegen alle Imperialisten richten muss. Und nur die revolutionäre Überwindung des Imperialismus in all seinen Erscheinungsformen kann Kriegen ein Ende setzen.