Georg Makowski zum Rückttritt von Bärbel Bas

Georg Makowski zum Rückttritt von Bärbel Bas

„Ich hab da so ein gespaltenes Gefühl ...“

War gerade mein Morgenkäffchen am schlürfen, hör ich mit halbem Ohr aus der Glotze „… ist aus der Regierung zurückgetreten …“. Sofort spitz ich meine Lauscher, spür, wie eine innere Erregung in mir hochkommt. Er wird’s doch hoffentlich endlich getan haben! Denkste, beinah’ hät ich meinen Kaffee verschüttet, der Zweite-Wahl-Kanzler bleibt im Amt. Mist.

Korrespondenz

Zurückgetreten ist Bärbel Bas. Trauriger Anlass, der Tod ihrer Stieftochter. Arbeits- und Sozialministerin, Co-Vorsitzende der SPD und dann noch die Pflege einer todkranken Angehörigen, dat hält kein Pferd aus. Find ich, hat se richtig gemacht.


Während ich nicht nur den Merz, sondern die ganze Regierung auf den Mond wünsch, hab ich zu Bärbel Bas ein gespaltetes Gefühl. „Wie meinste das,“ will meine Frau wissen. „Na da wär’ zum Beispiel wo se herkommt. Vater Busfahrer, fünf Geschwister, Stahlstadt Duisburg, so eben von unten, normal halt, man hilft sich, keiner bleibt zurück, man ist ehrlich zueinander - , halt so wie die meisten von uns. In ner alten Zeitung sagt Bärbel Bas übern Pott: 'Wir sind sehr direkt. Man merkt bei uns sofort, wenn uns etwas nicht passt. Die Menschen im Pott reden nicht lang drum rum. Sie haben außerdem ein feines Gespür für Ungerechtigkeit und eine sehr hohe Solidarität untereinander.' Das gefällt mir.“

 

„Weisste noch“, sach ich zu meiner Frau, „wie se bei dem Jungvolk von de SPD dem Merz in die Parade gefahren ist? Der hat doch landauf und landab dat Lied von den angeblich leeren Kassen gesungen. Und wat sacht die Bas drauf? ‚Dass wir uns diesen Sozialstaat finanziell nicht mehr leisten können ist – und dafür entschuldige ich mich jetzt schon – Bullshit.‘“ Das hätte übrigens von mir sein können.

 

Unser anderer Nachbar, der Peter, arbeitet bei Thyssen. Er erzählt, wie se mehrmals am Tor bei den Kollegens war, sich mit ihnen unterhalten, sich nach ihnen und ihren Plagen erkundigt hat. Und dat war nich so daher gesagt, sondern „authentisch“, wie Peter sacht. Bärbel Bas wurde von ihrer Familien und dem Leben im Pott geprägt.

 

„Ja, haste Recht,“ meint meine Frau wieder. „Aber trotzdem hat se das Ergebnis der Rentenkommission als ‚Gesamtkuntswerk‘ gelobt und damit die Abschaffung der vorzeitigen Rente nach 45 Jahren Berufstätigkeit unterstützt. Oder denk an das Rumgeeier mit der Abschaffung des 8-Stunden-Tags. Da steht se hin bei einer Gewerkschaftsversammlung und sagt, sie sei auch dagegen, aber im Koalitionsvertrag sei das halt vereinbart. Wie bitte? War sie nicht als Co-Vorsitzende der SPD führend in die Ausarbeitung dieses Vertrags eingebunden?“ Stimmt auch wieder.


Für viele war die Bas wegen ihrer oft klaren Ansage und ihrem „Stallgeruch“ schon von vorneherein ein rotes Tuch. Wo gab’s denn schon mal so was, dass einer oder eine von de Regierung auf dem Treffen von de Großkopfeten Vertretern ausgelacht wurde, wie letztes Jahr die Bas? Das sacht nicht nur was, wat die von de Bas denken, sondern von uns Malochern.


Da fällt mir auch der Dieter Nuhr, der Kotzbrocken ein. Von dem ne ganze Sendung sich reinziehn zu müssen, ne schlimmere Strafe kann ich mir nich vorstellen. Da sacht der Nuhr doch nach der Regierungsbildung über Bas: „Bärbel Bas ist jetzt Arbeitsministerin. Ihre Qualifikation ist überschaubar. Sie hat schon mal gearbeitet. Das ist mehr als bei vielen anderen in der Politik. Sie war Bürogehilfin und Sachbearbeiterin bei einer Duisburger Krankenkasse. Das ist ehrenwert. Aber ich glaube, das darf man sagen, ohne ihr zu nahe zu treten, für den Posten der Arbeitsministerin ist das keine Überqualifizierung. Immerhin hat sie Talent. Neulich ist sie auf dem Arbeitgebertag als Komikerin aufgetreten. Sehr erfolgreich. Es wurde viel gelacht.“ Übersetzt heißt das doch, wenn einer „nur“ Hauptschule hat, „nur“ Sachbearbeiter war, sich „nur“ zur Krankenkassenbetriebswirtin qualifiziert hat, ist er oder sie von vorneherin disqualifiziert, sich mit der „hohen Politik“ zu befassen.

 

„Weisste was der Nuhr damit sacht?“, mischt sich meiner Frau ein. „Wir Malocher sollen uns aus der Politik raushalten – damit alles so bleibt wie es ist und sich nichts an den beschissenen Verhältnissen ändert.“

 

Wusst’ ich’s doch, warum ich den Kerl noch nie leiden konnte. Dabei sitzen über 80 Prozent Akademiker im Bundestag. So nach dem Motto „Speisesaal, Hörsaal, Plenarsaal“. Aber die bekommens doch erst recht nicht gebacken.

 

Vielleicht hat meine Frau doch recht, dass die große Politik gar nicht im Plenarsaal gemacht wird. „Der 21.9 und 26.9. waren ein Lichtblick. Es beginnt sich was zu ändern. Die Malocher beginnen, sich in die Poltik einzumischen. Wär’ste am 26.9. mit nach Essen gekommen, hät’ste davon was sehen können.“

 

Sie kanns nicht lassen, auf mir rumzuhacken. Wegen Essen, konnte doch meine Skatrunde nicht ausfallen lassen, aber das hab ich meiner Frau diesmal verschwiegen. Besser ich geh’ das nächste Mal mit.