Streaming-Tipp

Streaming-Tipp

Babylon Berlin – Staffel 5: Als der Faschismus die Macht übernahm

Berlin 1933: Hitler wird zum Reichskanzler ernannt. Polizei und Staatsapparat sind bereits von Faschisten durchsetzt. So beginnt die fünfte und letzte Staffel von Babylon Berlin. Nach zehn Jahren endet die Serie nach den Romanen von Volker Kutscher. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen ist sie von besonderer Brisanz.

Korrespondenz aus Essen
Babylon Berlin – Staffel 5: Als der Faschismus die Macht übernahm
Dreharbeiten zu Babylon Berlin in Potsdam-Babelsberg (foto: Lear 21 (CC BY-SA 4.0))

Im Mittelpunkt steht erneut Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch), begleitet von Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die zur Kriminalkommissarin ernannt wird. Die Serie verbindet fiktive Kriminalfälle mit historischen Ereignissen. Diesmal geht es um die Machtübertragung an Hitler und die Zerschlagung der demokratischen und revolutionären Arbeiterbewegung.

Der Fall um Hitlers Krankenakte

Der Kriminalfall dreht sich um eine verschwundene Krankenakte Adolf Hitlers (Clemens Schick). Dieser wurde 1918 nach einer Gasvergiftung im Reservelazarett Pasewalk behandelt. Charlotte Ritter versucht, die Akte aufzuspüren. Der damals behandelnde Psychiater Edmund Forster (Ulrich Noethen) existierte tatsächlich. Die Krankenakte gilt jedoch als verschollen. Die Serie macht daraus einen spannenden Kriminalfall: Eine solche Akte könnte den Mythos vom unfehlbaren „Führer“ erschüttern.

Hans Litten und der faschistische Terror

Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung des Rechtsanwalts Hans Litten (Trystan W. Pütter). Er hatte Hitler 1931 im Edenpalast-Prozess ins Kreuzverhör genommen, um die Gewaltpolitik der SA offenzulegen. Nach der Machtübertragung wurde Litten verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. 1938 nahm er sich im KZ Dachau das Leben.

 

Auch der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 spielt eine zentrale Rolle. Die Faschisten nutzten ihn, um demokratische Grundrechte außer Kraft zu setzen und Tausende politische Gegner, insbesondere Kommunisten, zu verhaften.

 

Die Serie verdeutlicht zugleich die tragische Spaltung der Arbeiterbewegung. KPD und SPD gelang keine gemeinsame Front gegen den Faschismus. Dazu trugen die Sozialfaschismusthese der KPD ebenso bei wie der Antikommunismus der SPD-Führung, die Kommunisten und Faschisten gleichsetzte.

Die Rolle des Großkapitals

Alfred Nyssen (Lars Eidinger) verkörpert die Verbindung zwischen Großkapital und faschistischer Macht. Teile der wirtschaftlichen und konservativen Eliten unterstützten Hitlers Machtübernahme. Der Faschismus diente auch dazu, die revolutionäre Arbeiterbewegung niederzuschlagen und die bestehenden Eigentumsverhältnisse zu sichern.

Eine Serie von besonderer Aktualität

Gerade die Verbindung historischer Ereignisse mit fiktiven Schicksalen macht Babylon Berlin sehenswert. Die Serie zeigt, wie demokratische Rechte beseitigt, politische Gegner verfolgt und die Arbeiterbewegung zerschlagen wurden.

 

Nach Wahlen, bei denen Faschisten zur stärksten Kraft wurden, erhält die Staffel eine bedrückende Aktualität – obwohl die Arbeiten daran bereits Jahre zurückliegen.