Landesweiter Protesttag am 13. Oktober
480.000 bei Jugendprotesten in Frankreich
Am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, gingen erneut Zehntausende Jugendliche in ganz Frankreich auf die Straße. Nach Angaben der „Intersyndicale“ der Jugend (Schüler- und Studentenorganisationen) beteiligten sich landesweit rund 480.000 Menschen an den Demonstrationen und Blockaden. Das Innenministerium zählte dagegen nur 161.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (davon 41.500 in Paris). Die Organisatoren betonen dagegen eine stabile bis steigende Mobilisierung.
Seit Mitte September blockieren und demonstrieren Schülerinnen und Schüler gegen marode Schulgebäude, ständigen Unterrichtsausfall, überfüllte Klassen und fehlende Lehrkräfte. Im Zentrum stehen die jahrelange Unterfinanzierung und die Kürzungspläne der Regierung Lecornu/Macron. Besonders betroffen und aktiv ist die Arbeiterjugend, darunter viele aus Migrantenfamilien in den Banlieues.
Am 13. Oktober wurden laut Bildungsministerium 214 Lycées blockiert oder geschlossen. Ein Studierendenverband sprach von 90 Prozent der Universitäten, die betroffen waren; das Hochschulministerium nannte 35 Prozent.
Die Bewegung richtet sich immer klarer gegen die Regierung und den Haushalt 2027 mit massiven Kürzungen im sozialen Bereich. Die angekündigten Zugeständnisse (unter anderem 3.000 Vertretungslehrer) gelten zu Recht als völlig unzureichend. Lehrergewerkschaften und Eltern unterstützen die Proteste aktiv. Die CGT und weitere Gewerkschaften riefen zu Solidarität und Beteiligung auf und waren in den Zügen präsent. Die rebellierenden Jugendlichen lassen sich von der harten Polizeirepression nicht einschüchtern: Seit Beginn der Bewegung wurden Tausende in Gewahrsam genommen, überwiegend Minderjährige; es gab schwere Verletzungen durch Tränengas und Granaten.
Viele Teilnehmende kündigten an, nicht nachzulassen. Geplant ist die Teilnahme an den Mobilisierungen gegen die „vie chère“ (Lebenshaltungskosten) am Samstag, dem 17. Oktober, dem Beginn der Herbstferien, mit dem Ziel einer Verbindung mit anderen sozialen Kämpfen. Auch nach den Ferien soll die Bewegung weitergehen. Die Proteste politisieren sich weiter und finden zunehmend internationale Beachtung und Solidarität.
Die Regierung hofft auf ein Abflauen durch die Ferien. Die rebellierende Jugend und die sie unterstützenden Kräfte zeigen dagegen, dass die Forderungen nach besseren Bedingungen und einer grundsätzlichen Änderung der herrschenden Verhältnisse nicht verstummen.
In Frankreich wird auch bereits zum europaweiten Jugendprotesttag am 20. November mobilisiert.