Dubai-Flieger
Was wussten Netanjahu und der Mossad?
Die Fragen an den israelischen Regierungschef Netanjahu reißen nicht ab. Ob der Enthüllungen darüber, dass er vor dem 7. Oktober 2023 vor einem Hamas-Überfall gewarnt worden war, gerät er im Land und international immer weiter unter Druck. Da kommt ihm ein versuchter Mordanschlag auf den Piloten bei einem Flug nach Tel Aviv gelegen.
Aber auch hier stellen sich Fragen über Fragen.
Der besagte Flug der emiratischen Fluglinie FlyDubai mit 170 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord war am vergangenen Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als der Co-Pilot den Piloten mit einem Notfall-Beil angriff und schwer verletzte. Der Pilot schaffte es nach eigenen Angaben trotzdem, die verriegelte Tür des Cockpits zu öffnen. Mehrere Passagiere überwältigten dann den Angreifer. Zufällig war ein anderer FlyDubai-Pilot dabei. Er übernahm die Kontrolle über das Flugzeug und landete es am Flughafen Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens. Dort wurde der aus dem Oman stammende Co-Pilot - sein Name ist laut Medienberichten Hamam al-Hammami - von saudischen Behörden festgenommen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete nach dem Vorfall eine Überprüfung ausländischer Fluggesellschaften an. Piloten aus Ländern ohne diplomatische Beziehungen zu Israel – wie dem Oman – dürfen eigentlich keine Flüge dorthin übernehmen. Zudem war der Mann von OmanAir wegen Terrorismus-Verdacht für den Flugverkehr suspendiert. Warum er von FlyDubai dennoch eingesetzt wurde, ist bisher nicht bekannt. Bei Verhören in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) habe er ausgesagt, er habe sich gezielt bei der staatlichen Fluggesellschaft beworben, weil diese Tel Aviv anfliegt. Sein Plan sei gewesen, das Flugzeug in den Ben-Gurion-Flughafen stürzen zu lassen.
Spätestens seit dem Flugverbot bei OmanAir müssen geheimdienstliche Erkenntnisse vorgelegen haben. Und der Mossad, der jeden des Terrorismus Verdächtigen kennt, der auf der ganzen Welt gezielt mordet, weiß von all dem nichts? Außerdem kam jetzt raus, dass Listen mit den Namen der Passagiere und Besatzungsmitglieder des besagten Flugs von FlyDubai im Vorfeld an das nationale israelische Transportministerium und den Mossad geschickt worden sind. Das konnte niemand bestreiten, auch Netanjahu nicht. Seine Ausrede: Die Überprüfung der Listen gebe es nur auf dem Papier, in der Praxis hätten Ministerium und Geheimdienst keine Kapazitäten dafür.