Madrid
„Ni una maricarmen mas“ – Mutige Rentnerin stirbt wenige Tage nach Zwangsräumung
Gestern starb Maricarmen Abascal in einem Madrider Krankenhaus. Dort wurde die mutige 87-jährige Rentnerin am 23. September völlig erschöpft eingeliefert, nachdem sie mit einem brutalen Polizeieinsatz u.a. mit Tränengas aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt wurde. Sanitäter trugen sie aus der Wohnung.
Maricarmen hatte 70 Jahre in der Wohnung gewohnt, die 2018 an ein Immobilien- und Investmentunternehmen verkauft wurde. Dass kleine und vor allem große Immobilienkonzerne Wohnungen aufkaufen und diese zum Objekt ihrer Profitmaximierung machen, ist eine internationale Entwicklung. Maricarmen wurde zum Symbol, weit über Spanien hinaus, sich dem nicht kampflos unterzuordnen.
Maricarmen, die als Sekretärin in einem Pharmakonzern gearbeitet und eine anerkannte 50%-ige Schwerbehinderung hatte, sollte statt der bisherigen 500€ nun eine Miete von 2.650€ zahlen. Aufgrund ihres Widerstands bekam sie dann das „Angebot“ von 1.650€. Auch das waren noch 200€ mehr als sie an Rente bekam! Sieben Jahre ging Maricarmen juristisch gegen die Räumung vor und wehrte sich drei Mal erfolgreich gegen die Zwangsräumung.
Das Schicksal von Maricarmen ist kein Einzelfall. Täglich gibt es in Spanien 45 Zwangsräumungen, 2025 waren es sogar 81. Unter den Losungen „Wir sind alle Maricarmen“ und „Ni una maricarmen mas“ (keine einzige Maricarmen mehr) gehen seit Ende September Hunderttausende Menschen in Spanien gegen Zwangsräumungen, befristete Mietverträge und explodierende Mieten auf die Straße und besetzen mit Campingzelten zentrale Plätze. Ihr Protest richtet sich zunehmend gegen Immobilienunternehmen und die staatlichen Gerichte, die die Zwangsräumungen anordnen.
Noch aus dem Krankenhaus resümierte Maricarmen vor wenigen Tagen: „Ich habe es nicht geschafft, mein Haus zu verteidigen, aber ich habe dafür gekämpft, damit auch andere für das kämpfen, was ihnen zusteht.“ In diesem Sinne sind für das Wochenende in Spanien große Demonstrationen angekündigt.
Die Massenproteste setzten die spanische Regierung unter Druck. Präsident Sanchez löste inzwischen das Parlament auf, setzte Neuwahlen für den 29. November an. Mit einem Notparlament, das bis dahin eingesetzt ist und in dem die Regierungskoalition durch die reduzierte Anzahl von Abgeordneten eine hauchdünne Mehrheit hat, wurde das „Decreto Maricarmen“ beschlossen, das Zwangsräumungen für Mieter in schwieriger sozialer Lage bis Ende 2030 aussetzt.
Es sieht nicht danach aus, dass sich die Mieterbewegung in Spanien mit diesen Maßnahmen der Regierung zufrieden geben wird. Bedeutend ist, dass für den 11. November die Gewerkschaften CCOO und UGT, CGT, CNT und Solidaridad Obrera gemeinsam mit vielen lokalen und regionalen Mietergewerkschaften zu einem Generalstreik aufrufen.