Reporter ohne Grenzen
Mord an Anna Politkowskaja: 20 Jahre Straflosigkeit
In einer Pressemitteilung vom 6. Oktober schreibt die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) dazu (Auszüge):
Auch 20 Jahre nach dem Attentat auf die russische Journalistin Anna Politkowskaja ist der Mord an ihr nicht vollständig aufgeklärt. Die Reporterin berichtete vor allem über Tschetschenien, wo sie das Leid der Zivilbevölkerung und die Korruption in der Kriegsführung des russischen Militärs im Nordkaukasus dokumentierte. Bekannt für ihre scharfe Kritik an Russlands Machthaber Wladimir Putin, wurde Politkowskaja am 7. Oktober 2006 im Fahrstuhl ihres Wohnhauses aus nächster Nähe erschossen. ...
Dabei nahm die Journalistin erhebliche persönliche Risiken in Kauf. Sie selbst betonte stets, nur über das zu schreiben, „wovon ich selbst Zeugin war“. Politkowskaja wurde mehrfach gewaltsam festgenommen, immer wieder mit dem Tod bedroht und überlebte einen Giftanschlag. Keiner dieser Angriffe wurde jemals vollständig aufgeklärt. Dennoch setzte die Journalistin ihre Arbeit unermüdlich fort und wurde für ihre Berichterstattung in Tschetschenien, in ganz Russland und international respektiert. Politkowskaja wurde 48 Jahre alt. Auf ihrem Computer fanden Angehörige einen unvollendeten Artikel über einen brutalen Folterfall in Tschetschenien], den ihre Redaktion posthum veröffentlichte.
Bereits unmittelbar nach dem Mord setzte sich RSF für eine internationale Untersuchungskommission ein, die unabhängig von den russischen Behörden ermitteln sollte. Doch die Verfahren blieben trotz mehrerer Prozesse fehlerhaft, die Hintermänner wurden nie ermittelt und nie angeklagt. ...
Politkowskajas grausamer Tod steht auch für die Aushöhlung der Pressefreiheit unter Wladimir Putin, die seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 einen erneuten Tiefpunkt erreicht hat. Seit Putins Amtsantritt wurden in Russland mindestens 41 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet, hinzu kommen 16 weitere in der Ukraine seit 2022. Derzeit sitzen mindestens 50 Journalist*innen in russischen Gefängnissen, darunter 27 ukrainische Medienschaffende. Sie sind Folter und menschenunwürdigen Haftbedingungen ausgesetzt. ...
Russland belegt auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit Platz 80 von 172 und befindet sich in der schlechtesten Kategorie "sehr ernste Lage". In der 25-jährigen Geschichte der Rangliste wurde das Land nie besser bewertet als mit „schwierige Lage“, der zweitschlechtesten Kategorie.