Optogenetik

Optogenetik

Medizin-Nobelpreis – eine neue Ära in der Neurowissenschaft

Der neue Nobelpreis für Medizin ging an drei Wissenschaftler, die große Beiträge geleistet haben in der Erforschung der Optogenetik:

Gastbeitrag von Dr. Willi Mast

Georg Nagel aus Würzburg hat als Pflanzenphysiologe entdeckt, dass sich eine einzellige Alge mithilfe eines lichtempfindlichen Eiweißes zum Licht hin bewegt. Peter Hegemann (Humboldt-Universität Berlin) hat die Eigenschaften erforscht, wie dieses Eiweiß (Kanal-Rhodopsin) in lebenden Zellen einen Kanal öffnen können, so dass geladene Teilchen einströmen - und einen elektrischen Impuls auslösen können. Und Peter Deisseroth von der Standford-University/USA hat untersucht, wie man dieses lichtempfindliche Eiweiß mit gentechnischen Methoden in bestimmte Zellen einschleusen kann.

 

Das sind meist harmlose Viren, die dafür programmiert werden, dieses Eiweiß zu produzieren. Auf diese Weise wurden Schalter in bestimmte Gehirnregionen von Mäusen eingesetzt, die durch Licht in einer bestimmten Wellenlänge gesteuert werden können. Damit kann man Hirnregionen und Schaltkreise gezielt analysieren - und steuern. Bei Mäusen konnte man sogar Gedächtnisinhalte aktivieren oder löschen.

 

Das bietet künftig ungeahnte Möglichkeiten, Krankheiten wie Parkinson, Suchtkrankheiten, Epilepsie, Angstkrankheiten, Depressionen und andere psychische Krankheiten gezielt zu behandeln. Erste praktische Erfolge gibt es bereits in der Behandlung der Erblindung durch die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa oder auch in der Steuerung von Implantaten des Innenohrs.

 

Viele Forscher und Mediziner sind angesichts dieser Perspektiven der Optogenetik zu Recht begeistert. Diese bahnbrechenden Fortschritte zeigen auch, welches Potential Wissenschaftler haben, die international vernetzt forschen und sich austauschen - und nicht darauf erpicht sind, ihrer Erkenntnisse vor allem profitbringend zu patentieren.

 

Vielen Patienten könnte in dieser künftigen Ära der Neurowissenschaften geholfen werden - und viele nebenwirkungsreiche Psychopharmaka könnten eingespart werden. Angesichts der sich vertiefenden Krise der imperialistischen Welt kommen dennoch Fragen und Zweifel auf: Wem werden die rasanten Fortschritte der Medizin tatsächlich zugute kommen – und wem nicht? Zweifel auch an einem möglichen Missbrauch der Optogenetik zur gezielten Steuerung von menschlichem Verhalten unter faschistischen Verhältnissen. Oder die „Optimierung“ des menschlichen Gehirns durch die Verknüpfung mit Computern – sowie es der faschistischen Tech-Milliardär Elon Musk als Ziel formuliert hat.

 

Setzen wir dennoch auf eine sozialistische Zukunft, in der all die bahnbrechenden Wissenschaftserfolge endlich der gesamten Menschheit zugute kommt!