Zwei Kontinente in großen Umbrüchen
Kamerun und Lateinamerika: Viele Eindrücke und Erfahrungen auf der Internationalismus-Live Veranstaltung am 16. September
Am 16. September fand im Kultursaal Horster Mitte in Gelsenkirchen eine Internationalismus-Live-Veranstaltung statt. Der Titel lautete: "Afrika + Lateinamerika - zwei Kontinente in großen Umbrüchen - Reiseberichte zu Kamerun, Kolumbien, Ecuador und Argentinien."
Heute Abend wird diese Veranstaltung erneut angeboten: Im Ferienpark Plauer See mit der ICOR-Hauptkoordinatorin Monika Gärtner Engel. Zur Einstimmung hier der Bericht vom 16. September.
Etwa 150 Gäste besuchten die Veranstaltung, die spannende Einblicke in Länder auf zwei Kontinenten gab. Nicht fehlen durfte ein leckeres internationales Essensangebot und tolle Mitbringsel über Kleidung, Kunsthandwerk und kleineren Überraschungen aus Kamerun, Argentinien, Kolumbien und Ecuador, die käuflich erworben werden konnten.
Der erste Teil des Abends führte uns nach Kamerun
Erstmals hat People to People eine Reise in das afrikanische Land organisiert. Die Reisegruppe wurde dort herzlich von der Organisation UPC Manidem empfangen, die Mitglied der revolutionären Weltorganisation ICOR ist. Gerd Zitzner berichtete von Kamerun, dass sie verschiedene Stammeskulturen mit Tänzen, geschnitzten Masken und Skulpturen erlebt und die kleinbäuerliche Anbauweise kennen gelernt haben. Er kündigte an, dass sie bereits für 2027 eine weitere Reise geplant haben. Teilgenommen an der Reise haben unter anderem auch Monika Gärtner-Engel, Hauptkoordinatorin der ICOR, und Lisa Gärtner vom Zentralkomitee der MLPD. Lisa Gärtner gab einen spannenden Einblick in die Besonderheiten der geschichtlichen Entwicklung in Kamerun. Über die brutale Zwangs- und Sklavenarbeit unter deutscher Kolonialherrschaft und den antikommunistischen Völkermord an 500.000 Menschen durch das französische Kolonialregime.
Sie berichtete von dem ungebrochenen Widerstand dagegen unter Führung der UPC Manidem und über die internationalistische Arbeit der Komintern, dem Zusammenschluss aller Arbeiter und Unterdrückten der imperialistischen Länder und der damaligen afrikanischen Kolonien unter dem ursprünglich fortschrittlichen, antiimperialistischen Panafrikanismus. (Siehe auch Kamerun: In einem wunderschönen Land mit einem grausamen Erbe des Kolonialismus und Gedenken an ein französisches Massaker an Freiheitskämpfern 1956.)
Erst 1970, so Lisa Gärtner „hörten die Massaker auf. Aufgearbeitet und bestraft ist bis heute nichts und niemand. Die kommunistische Internationale (Komintern 1919 gegründet) trat damals schon als einzige Internationale Organisation für die vollständige Unabhängigkeit afrikanischer Staaten ein.“ Nicht nur über die Geschichte lernten die Teilnehmer bei dieser Reise viel, sondern auch wie heute China als neuimperialistisches Land die natürlichen Reichtümer und die Bevölkerung extrem ausbeutet, vor allem im Bergbau. „Die Erschließung der zwei Bergbauprojekte in Kamerun, die dafür notwendige Infrastruktur und der Bau des Hafens, haben gravierende Folgen für die dort lebenden Menschen und die Zerstörung der Umwelt.“
Voller Emotionen berichtete Alassa Mfouapon von seinen Erfahrungen auf der Reise. Er stammt selbst aus Kamerun und ist vor einigen Jahren nach Deutschland geflüchtet. Hier musste er zahlreiche Kämpfe gegen Repression durchfechten und wurde in diesen Kämpfen zum anerkannten Aktivisten einer selbstbewussten Flüchtlingsbewegung und einer fortschrittlichen Flüchtlingspolitik. In Kamerun besuchte die Reisegruppe sein Heimatdorf. Er berichtet. „Die Reise in mein eigenes Land war einer der wichtigsten Momente meines Lebens. Ich habe nicht nur wunderschöne Landschaften und eine beindruckende Natur entdeckt, sondern auch die Geschichte meines Landes besser kennengelernt – eine Geschichte, die mir zuvor größtenteils unbekannt war.“
Quito-Konferenz und Reise durch Kolumbien, Ecuador und Argentinien
Im zweiten Teil des Abends berichtete Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, von einer Reise der MLPD durch die Länder Kolumbien, Ecuador und Argentinien. Sie nahmen teil an der Quito-Konferenz mit dem Titel - 30. Internationales Seminar "Probleme der Revolution in Lateinamerika". Die Reise hatte den Zweck, sich mit Revolutionären und Marxisten-Leninisten Lateinamerikas zu beraten, wie man weiter kommt, in der praktischen Koordinierung und Revolutionierung der Kämpfe und der Internationalen Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung auf dem Hintergrund einer weltweiten vorrevolutionären Gärung.
Alle drei Länder werden von Faschisten regiert. Eine Koalition mit lateinamerikanischen Staaten, die Trump „Shield of the Americas“ nennt, dient einer antikommunistischen Ausrichtung, Verfolgung linker und revolutionärer Kräfte mit dem Ziel Trumps, den gewonnenen Einfluss Chinas in Lateinamerika zurückzudrängen. Was die Staaten im „Shield of the Americas“ wirklich eint, ist ihre offene antikommunistische Ideologie – denn unter der Arbeiterklasse und den Massen Lateinamerikas brodelt es.
In Kolumbien, einem Land mit den größten Kohlevorkommen Lateinamerikas, konnte die Delegation lange Gespräche mit dem ehemaligen Hauptkoordinator der ICOR Amerika führen. Sie hatten das Bündnis um den letzten Präsidenten unterstützt, der der erste fortschrittliche Präsident in Kolumbien war. Nun wurde aber wieder ein Faschist gewählt. Die Genossen berichteten von einem Verarbeitungsprozess, in dem die Massen sich befinden. Auch hier macht die Besonderheit des modernen Faschismus den Genossen zu schaffen. In Kolumbien wird Nationalismus und eine „Mein-Land-zuerst“-Denkweise verbreitet. Sie sind aber voller Zuversicht, dass sie in den aktuellen Zeiten die sozialistische Weltanschauung unter den Massen verbreiten werden.
Highlight der Reise war die Teilnahme am Quito-Seminar. Das ist eine jährlich stattfindende Konferenz in Quito/Ecuador, auf der sich marxistisch-leninistische Organisationen besonders aus Lateinamerika über die weltpolitischen Entwicklungen und Aufgaben auseinandersetzen. Sehr erfreulich war, dass auf dem Seminar weitere internationale Bündnisse vertreten waren, die an einer weiteren praktischen Zusammenarbeit interessiert sind. So der internationale Bund des Kampfes der Völker (ILPS) der ICOR und der Organisation des sogenannten „Albanien-Lagers“ der CIPOML. Weitere Gespräche sollen stattfinden. Es wurde heiß diskutiert, viel getanzt und gelacht. – auch das Interesse an unserer Literatur war groß mit dem Verkauf von 29 Büchern. Die dort anwesende Jugend veranstaltete eine kulturelle Vereinigung der Jugend. Ein besonderes Highlight war das gemeinsame Rufen von Kampfparolen, natürlich immer in der jeweiligen Sprache, und eine Ehrung verstorbener Genossen. Bachata und Salsa-Tänze bis in die Nacht bildeten den Abschluss.
In Argentinien konnte die Delegation die Revolutionäre Kommunistische Partei (PCR) treffen, zu der die MLPD die längsten bilateralen Beziehungen unterhält. Unsere Zeit war dort viel zu kurz, trotzdem berichten sie uns, wie sie mitten in der Vorbereitung für zwei Großdemonstrationen waren. So ein Demonstration zum Parlamentsgebäude gegen den „Verkauf des argentinischen Landes an Ausländer“. Hintergrund ist, dass Präsident Milei ausländischen Investoren unbeschränkte Möglichkeiten geben will, Grundstücke in Argentinien zu erwerben, insbesondere an prominente Vertreter der Tech-Milliardäre so z.B. dem deutsch-stämmigen Faschisten Peter Thiel.
Auf den Reisen haben alle Beteiligten viel gelernt und die Beziehungen zu den Ländern und den Organisationen wurden gestärkt. Dieser Meinung waren auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung am 16. September, die zwei Stunden lang gespannt den Berichten lauschten. Aus dem Verkauf von Kunsthandwerk über ca. 400 Euro und einer Spendensammlung, die 405 Euro erbrachte, konnte der Abend auch einen Beitrag leisten, um die internationale Arbeit der MLPD zu stärken sowie ein "Auto für die Demokratie" der UPC Manidem in Kamerun zu finanzieren.
Siehe auch Rote-Fahne-TV-Video über Lateinamerika-Reise
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