Weitere Korrespondenzen
Schulboykott gegen Wehrpflicht - 45.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
In 100 Städten gingen am Freitag Jugendliche während der Schulzeit auf die Straße und protestierten gegen drohende Wehrpflicht, Zwangsmusterung und Krieg. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schulboykotts schlossen sich am nächsten Tag gleich dem gewerkschaftlichen Kampftag gegen die Regierungspolitik an.
Rote Fahne News berichtete am Freitag unter der Überschrift Schulboykott gegen Wehrpflicht in 100 Städten: „Jugend – Zukunft – Sozialismus“. In der Zwischenzeit haben wir neue Korrespondenzen erhalten, die wir hier - zum Teil gekürzt - ebenfalls dokumentieren.
REBELL Thüringen: Straßenfest und Demonstration der sozialistischen Jugendbewegung
Etwa 150 vorwiegend junge Menschen versammelten sich am Freitag auf dem Erfurter Anger zum Schulboykott gegen die Wehrpflicht. In der Vorbereitung hatte sich ein Bündnis quer durch die sozialistische Jugendbewegung gebildet: MLPD, REBELL, SDAJ, Rotes Erfurt, Young Struggle und die RKP. Von 11 bis 15 Uhr gab es Stände am Erfurter Anger, die Demo startete und endete dort. Die Stände waren anziehend für die Passanten, wodurch die Auseinandersetzung mit der Bevölkerung gefördert wurde. Den ganzen Tag über kamen immer wieder Menschen auf den Anger, denen der Kampf gegen imperialistische Kriege am Herzen liegt. Als die Demo an einer Schule vorbeizog, kam ein Lehrer heraus. Er drückte seine Solidarität aus und sagte, dass seine Kinder gerade auf einer Streikaktion in Weimar sind. Der Stand von MLPD und Rebell hat sich besonders großer Beliebtheit erfreut, es wurden 100 € mit dem Verkauf von Literatur eingenommen. Innerhalb der ersten Stunde wurden zwei Exemplare des Buches „Die Lehre von der Denkweise“ verkauft. Mehrere Jugendliche wollen Mitglied des Rebell werden. Als Rebell stellten wir in unserem Redebeitrag die Arbeiteroffensive und den echten Sozialismus in den Mittelpunkt.

In Erfurt erfreute sich der Stand von MLPD und REBELL besonderer Beliebtheit (rf-foto)
Bielefeld: Knapp 200 Jugendliche beteiligten sich
Wir vom REBELL verteilten den Rebell-Flyer und in vielen Gesprächen, fast nur in Gruppen, stellten wir den Jugendverband vor. Bemerkenswert war die Offenheit, die Kapitalismuskritik bis hin zur Freude von Jugendlichen darüber, mit uns auf Gleichgesinnte gestoßen zu sein. Es gab großen Redebedarf. Viele sehen den Sozialismus als mögliche Alternative. Einige Jugendliche sogen unsere Aussagen über die Entstehung von Kriegen, zur Perspektive des echten Sozialismus und zur Frage der Denkweise förmlich auf. Auch wenn es zahlenmäßig weniger Jugendliche als bei den letzten Protesten waren, so ist offensichtlich die gezielte Suche nach einer sozialistischen Perspektive gewachsen.
REBELL Dresden: "Die Reichen wollen Krieg - die Jugend eine Zukunft"
Am Freitag haben wir uns als Rebell Dresden am bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht beteiligt. In Dresden kamen unter dem Motto "Die Reichen wollen Krieg - die Jugend eine Zukunft" circa 1000 Schülerinnen und Schüler zusammen, um gegen die geplante Wehrpflicht zu demonstrieren. Es waren Jugendliche verschiedensten Alters vertreten, die klar gezeigt haben, dass sie sich das nicht gefallen lassen. Wir konnten unsere Forderungen gut auf die Straße bringen und der Streik war ein voller Erfolg. Dennoch ist es uns wichtig, nicht nur gegen die aktuelle Situation zu demonstrieren, sondern uns gegen das gesamte System zu erheben. Denn die Regierung will uns nicht in den Krieg zwingen, um den Frieden zu erkämpfen, sondern um ihre imperialistischen Interessen mit unserem Leben zu verteidigen. Daher heißt es für uns: Nein zur Aufrüstung, Nein zum Krieg - auf zum echten Sozialismus!
Augsburg: Kämpferische Demo durch die Stadt trifft auf Sympathie unter Passanten
Die Demo durch die Stadt war sehr kämpferisch, erregte viel Aufmerksamkeit und Sympathie unter den Passanten. Der Protest gegen die Wehrpflicht war eng verbunden mit der Ablehnung der Aufrüstung und dem Kampf gegen die Weltkriegsgefahr und gegen den Abbau der sozialen Errungenschaften. Einige Teilmehmer wollten am nächsten Tag auch mit zur DGB-Demo gegen die Regierungspolitik fahren. Einige junge Schülerinnen und Schüler, die erst seit ein paar Monaten in der Vorbereitungsgruppe zum Schulstreik aktiv sind, haben selbstbewusst kämpferische Reden gehalten. Die Parolen reichten von "Nie wieder Wehrpflicht" bis "Jugend, Zukunft, Sozialismus". Der Redner der MLPD führte dazu auch aus, dass die Ursache der Kriege im imperialistischen System liegt, und erst mit dessen revolutionärer Überwindung auch die Kriege abgeschafft werden können.
Lübeck: "Jugend - Zukunft - Sozialismus" erschallte durch die Straßen
In Lübeck waren ca 90 Personen beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Davon die Mehrheit Jugendliche, die Demonstrationsroute führte an drei Schulen vorbei, um den Schülerinnen und Schülern Mut zu machen, sich in Zukunft zusammenzuschließen, falls es Probleme mit Schulstreiks gibt. Parallel macht die Bundeswehr am schönsten Platz der Stadt über eine Woche lang "Berufsberatung". Eine Frau beschwerte sich, dass die Bundeswehr an die schönsten Plätze darf, wie auch bei der Travemünder Woche an der Ostsee.
Gelsenkirchen: REBELL informiert über Streik- und Kampftag der Automobilarbeiter
50 bis 60 vorwiegend junge Teilnehmer.. Die Vertreterin des Jugendverband REBELL informierte über den kämpferischen Streik- und Kampftag der Automobilarbeiter… Unser Demo-Block führte an mindestens fünf umliegende Schulen vorbei und war sehr kämpferisch… „Heute habe ich mehr gelernt als in vielen Schulstunden“ war das Resümee eines Teilnehmers.
Repressive Maßnahmen in einigen Städten
Überwiegend verhielten sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiter solidarisch gegenüber dem Schulboykott gegen die Wehrpflicht. Es gab aber auch repressive Maßnahmen. So wurden Schülerinnen und Schüler in einem Münchner Gymnasium in der Schule eingesperrt, damit sie nicht teilnehmen konnten. Einige sprangen über den Zaun und schlossen sich dem Demozug an. Auch in Bonn wurden Jugendliche im Schulgebäude festgehalten, ähnliche Vorfälle gab es in weiteren Städten.

Schulboykott in Stuttgart (rf-foto)