Monika Gärtner-Engel
Nur organisiert haben die mutigen Kämpfe der Bergleute im Kongo Zukunft!
Vor kurzem verstarb der kongolesische Bergarbeiterführer Francis Gabriel Tambala der Gewerkschaft FOSYCO. Die revolutionäre Weltorganisation ICOR würdigte ihn in ihrem Kondolenzschreiben.
Dieser Tod trifft die kongolesische Bergarbeiterbewegung in einer sehr schwierigen Lage. „Die Übernahme der meisten industriellen Bergbaubetriebe und der Produkte aus dem handwerklichen Bergbau durch chinesische Firmen hat unsere Bewegung um Jahre zurückgeworfen, was erkämpfte Löhne und Arbeitsbedingungen betrifft“, berichtet Eugène Badibanga, inzwischen kommissarischer Nachfolger des Verstorbenen.
In einem Gespräch am Rande der Afrika-Konferenz der ICOR hatte Monika Gärtner-Engel die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Er berichtet: Insgesamt muss man den Bergbau im Kongo in zwei Kategorien unterteilen: den industriellen Bergbau und den handwerklichen Bergbau. Im industriellen Bergbau sind inzwischen alle Zechen in chinesischer Hand. Früher waren das oft Betriebe von US-Monopolen, sie haben sie vor drei oder vier Jahren verkauft. Die Arbeitsbedingungen und Löhne sind unwürdig, aber trotzdem sind die Löhne im ganzen Land die höchsten. Deshalb sind die Arbeiter froh, diese Arbeit zu haben. Aber sie arbeiten sehr häufig mehr als acht Stunden am Tag und Überstunden sind nicht oder sehr schlecht bezahlt.
Viele machen lange Nachtschichten und sind übermüdet. Diese Arbeitsbedingungen rufen viele Unfälle hervor. Oft gibt es dabei Tote. Diese Unfälle sind der hauptsächliche Anlass, dass Streiks entstehen. An diesen Streiks beteiligen sich meistens Tausende, fast die ganze Belegschaft, 10.000 bis 15.000 Arbeiter. Nach dem Gesetz sind es irreguläre Streiks, aber die Arbeiter lassen sich nicht aufhalten. Bei den durch Unfälle ausgelösten Streiks sind dann auch sofort die Frauen und Kinder dabei. Es kommt sofort zu Einsätzen der Polizei, zuweilen auch des Militärs und zu Repressionen gegen die Anführer durch die Geschäftsleitungen.
Die Bergleute sind sehr heißblütig, deshalb laufen diese Streiks oft aus dem Ruder. Das heißt, dass es dann auch zu Schlägereien kommt, zuweilen sogar bei Konflikten unter den Kumpels. Es sind sehr berechtigte, fast aufstandsähnliche Streiks, die aber im Wesentlichen noch spontan und ohne klare Führung ablaufen. Der Streik in Katanga, über den Rote-Fahne-News auch berichtete, entstand aufgrund vom Unternehmen nicht akzeptierter gesetzlich vorgeschriebener Arbeitszeiten und daraus entstandener Unfälle. Auch die Lohnfrage steht oft im Zentrum. Die Investoren wollen oft nicht den Mindestlohn von 10 Dollar pro Tag bezahlen. Oft bezahlen sie nur 5 Dollar am Tag. Die Securitys haben inzwischen von der Regierung die Erlaubnis bekommen, die Arbeiter zu schlagen.
Eine wichtige Rolle spielen auch die Berufskrankheiten, von denen viele anerkannt wurden - ein erkämpftes Recht. Aber die Firmen halten sich nicht daran. Als Gewerkschaft führen wir oft Gerichtsprozesse darum, die wir auch gewinnen – aber immer noch halten sich die Unternehmen nicht an die Entscheidungen der Gerichte. Gerichtsurteile interessieren sie oft gar nicht.
Genauso schnell und spontan, wie die Streiks begonnen haben, sind sie auch wieder beendet. Wir sind dabei, die Arbeiter auszubilden, Streiks zu führen. Wir bilden sie aus, dass sie Komitees bilden und Delegierte wählen, die wiederum mit den anderen Kollegen verbunden sind und diese ausbilden. Dazu gehört auch, sich in der Gewerkschaft zu organisieren. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, sind die Arbeiter nur in einem sehr niedrigen Ausmaß organisiert. Das ist aber unverzichtbar, damit diese Streiks Zukunft haben.
Im handwerklichen Bergbau finden wir zu 80 Prozent Frauen und Kinder. Da geht es um Kupfer, Kobalt, aber auch Uranium. Oft wird in Gebieten gearbeitet, in denen es Erdrutsche gab. Eigentlich müsste die Erde da zuerst befestigt werden, bevor dort gearbeitet wird. Aber das ist meist nicht der Fall und dann kommt es auch zu sehr schlimmen Unfällen. Besonders gefährlich ist es, wenn es regnet und diese Erdrutsche dann auch noch durchnässt oder gar zu Schlamm geworden sind.
Im handwerklichen Bergbau arbeiten die Arbeiterinnen und Arbeiter oft in Gruppen von etwa 20 Leuten. Die chinesischen Firmen bestimmen die Preise und vor allem: Sie haben die Waagen, mit denen das abgebaute Material gewogen wird. Dem sind die Arbeiter ganz und gar ausgeliefert. Die chinesischen Firmen arbeiten so, dass sie das ganze abgegebene Material noch mit dem umgebenden wertlosen Erdreich und Gestein exportieren und die Erze dann erst außerhalb des Kongo auswaschen. Die kongolesische Regierung kämpft darum, dass im Kongo diese Firmen eröffnet werden, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen.
Diese Art von Bergbau schafft auch ungeheure Umweltprobleme. Gerade aus den halbindustriellen Minen gehen Abfälle, aber auch z.B. Säuren in die Umwelt. Deponien sind oft direkt neben Wohngebieten. Das Trinkwasser und die Flüsse sind verschmutzt, die Böden vergiftet. Viele Haushalte haben noch keine Wasserleitung, sondern holen Wasser vom verschmutzen Fluss. Das betrifft nicht nur die Menschen, die dort wohnen, sondern z.B. auch die Viehzüchter. Ihre Tiere sind gestorben, die Bäume verdorren. Der Umweltschutz ist eine riesige Aufgabe. Es gibt zwar einen Umweltminister bei der Regierung, aber er ist niemals an diesen Brennpunkten zu sehen oder tätig.
Zu der in der ICOR Afrika entbrannten Diskussion, welchen Charakter das chinesische System, das sich ja sozialistisch nennt, heute hat, antwortet Eugène ohne zu Zögern: China muss man heute zweifellos als imperialistisches Land bezeichnen. Wie anders kann man diese Ausbeutung der kongolesischen Bergleute beurteilen?!
Nicht umsonst ist Eugène als einer der Koordinatoren in der internationalen Bergarbeiterkoordinierung (IMC) tätig.
Glück auf!
Kondolenzschreiben der ICOR
Liebe Genossinnen und Genossen von FOSYCO, lieber Eugène, liebe Angehörige von Francis Gabriel Tambala,
im Namen der ICOR schicke ich euch das tief empfundene Beileid zum Tod des Genossen Francis Gabriel Tambala. Er hat sein Leben in den Dienst des Zusammenschlusses und des Kampfs der Bergarbeiter und ihrer Familien gestellt und in die Koordinierung dieser Kämpfe über Ländergrenzen hinweg.
Die zehn Millionen Bergarbeiter Afrikas sind eine wichtige Kraft im Kampf zur Überwindung der kapitalistischen Ausbeutung von Mensch und Natur um eine bessere Zukunft der Menschheit zu erbauen, die unserer Meinung nach in den Vereinigten Sozialistischen Staaten der Welt organisiert sein muss und wird. Die Arbeit des Genossen Francis Gabriel Tambala hat geholfen, diese Kraft hervorzubringen. Denn die Arbeiter haben ihre Kraft niemals allein, sondern immer nur organisiert wirkungsvoll entfaltet. Richtig zum Tragen kommt diese Kraft, wenn sie über Ländergrenzen und Kontinente hinweg zusammengeschlossen sind. Daran arbeitet FOSYCO in der Internationalen Bergarbeiterkonferenz aktiv mit.
Wir danken dem Genossen Francis Gabriel Tambala für seinen Beitrag auf diesem Weg und werden ihn in seinem Sinne weitergehen. Ich möchte auch Eugène gratulieren, der ohne zu Zögern die Verantwortung als Vorsitzender von FOSYCO übernommen hat und wünsche ihm, dass er diese Aufgabe mit der gleichen Liebe und Hingabe ausfüllt, wie alle Aufgaben, in denen ich bisher mit ihm zusammengearbeitet habe.
Revolutionäre Grüße,
Monika Gärtner-Engel, ICOR-Hauptkoordinatorin.