München
Ja zu Olympischen Spielen im Sinne der Völkerfreundschaft - Nein zur Devise"StronGERtogether"!
Letzten Samstag hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Entscheidung bekanntgegeben: Die Isar-Metropole München soll die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 nach Deutschland holen.
Von einer gesamtdeutschen Bewerbung war der DOSB abgerückt, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) angedeutet hatte, ein „One Village“-Konzept zu bevorzugen, also zentrale Austragungsorte mit Olympischem Dorf an einem Ort.
Sportfreunde nicht nur in Bayern begrüßen die Entscheidung für München, wenn auch mit etwas Wehmut bei denen, die auf die Region „KölnRheinRuhr“ gesetzt haben. Alle zusammen verbindet jedoch die Hoffnung und Vorfreude auf ein Sportfest der Völkerfreundschaft und auf spannende und faire Wettkämpfe mit sportlichen Höchstleistungen.
Diese Hoffnungen unterscheiden sich von denen der herrschenden Monopole und ihrer Regierungen. „StronGERtogether“ lautet doch tatsächlich das offizielle DOSB-Motto, mit dem die nächsten Schritte bei der Bewerbung erfolgreich gemeistert werden sollen. Warum nicht gleich „MGGA“ – „Make Germany Great Again“?!
Im Klartext bedeutet dieses Devise: Wenn Deutschland Olympia will, müssen alle an einem Strang ziehen. Also Schluss mit Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen, bezahlbarem Wohnraum und besserer Gesundheitsfürsorge, Schluss mit Protesten gegen die beschleunigte Rechtsentwicklung und die akut faschistische Gefahr - das verträgt sich natürlich gar nicht mit der Stärkung Deutschlands. Mit einem nationalistischen "Wir"-Gefühl soll ganz Deutschland "vereint" hinter der Bewerbung stehen.
Nach dieser Devise bleiben auch folgerichtig die zu erwartenden negativen Folgen für die Bevölkerung unerwähnt oder werden schön geredet. So hat seit 1960 keine Ausrichterstadt das geplante Olympia-Budget eingehalten. Zuletzt scherte Paris aus: Statt wie vorgesehen 2,4 Milliarden kostete Olympia 2024 etwa sechs Milliarden Euro. Das waren die fünft teuersten Spiele aller Zeiten.
Jetzt verschlang allein die Bewerbung Millionen: So kosteten die ersten Ideenskizzen für München und der Bürgerentscheid sechs bis sieben Millionen Euro. Und das ist erst der Anfang. Von wegen im Interesse aller. München braucht dringend bezahlbare Wohnungen und einen funktionierenden Nahverkehr – und das heute, nicht erst zu den Olympischen Spielen. Die in Aussicht auf Verbesserung versprochenen Baumaßnahmen bilden nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Im geplanten Olympischen Dorf im Münchner Nordosten sollen 19. 000 Menschen für die Spiele untergebracht und danach soll es aufwendig in 10. 500 Wohnungen umgebaut werden. Für eine spürbare Verringerung der Wohnungsnot müsste sofort mit dem Bau begonnen werden. Nicht zuletzt sind etliche der neu vorgesehenen Wettkampfstätten nur temporär nutzbar und dabei sehr verschwenderisch. Insgesamt schätzt die Stadt die Kosten für temporäre Anlagen auf 930 Millionen Euro und das ist nur der Stand heute.
Wer es wirklich ernst meint mit der Förderung des Breitensports durch olympische Spiele, muss das Kapital in dauerhafte Sportstätten investieren, die täglich von der Masse genutzt werden können. Der Breitensport lebt schließlich von Hallen, Schwimmbädern, Sportplätzen und Menschen, die sich dafür gern und ehrenamtlich engagieren. Wenn also mit den Olympischen Spielen das Zusammenleben, gemeinsame Feiern, die Förderung des Breitensports und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen, kann das jetzt nur bedeuten, gegen jegliche Versuche einer nationalistische Stimmungsmache à la „„StronGERtogether“ aufzustehen. In untrennbarem Zusammenhang damit steht, dass die Kosten nicht auf München und die Masse der Steuerzahler abgewälzt werden.