Jugendzentrum Smiling Valley wichtig für die Jugend

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Heritage-Day in Südafrika: Welches Erbe ist Verpflichtung?

Am 24. September fand in Südafrika der Gedenktag "Heritage-Day" statt. Reiseveranstalter heben ihn als tolles nationales Event hervor:

Von rr
Heritage-Day in Südafrika: Welches Erbe ist Verpflichtung?
Die Rebell-Brigade im vergangenen Jahr in Südafrika (rebell-foto)

"Südafrikas Heritage 'Braai' Day gehört zu den besonderen Post-Apartheid-Phänomenen, die das Land so einzigartig machen. ... Dank unseres engen Kontaktes zu unserer Tochterfirma in Südafrika wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid." (1)

 

Wer eine Reise zu den Massen in Südafrika und seiner Jugend machen will: Für die Teilnahme an der zweiten Rebell-Brigade zur Mitarbeit am Aufbau des Jugendzentrums in Smiling Valley kann man sich bis Montag noch anmelden: Die zweite REBELL-Brigade nach Südafrika geht bald los!

 

Allerdings müssten die elefant-tours dann aber auch wissen, dass der Heritage-Day mehr ist als ein nationales Grillfest, wo man Fleisch teilt mit denen, die sich keines leisten können. Wie gnädig! Von den 64,7 Millionen Einwohnern ist weit über die Hälfte arm, ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos, die Lage der jungen Menschen ist extrem schwierig. Der Heritage-Day ist ursprünglich ein Gedenktag, der von seiner Entstehung her fortschrittlich ist. Die Vielfalt der Kulturen, deren Herkunft und Geschichte, Traditionen, Essen, Sprachen, die wechselvolle Geschichte mit Kämpfen gegen Apartheid und für Arbeiterrechte, für Demokratie und Freiheit und ein friedliches Miteinander waren bestimmend.

 

Südafrika also feiern, wie wir es gerne hätten, heruntergebrochen auf ein folkloristisches Ereignis mit gutem Essen? Die Zustände in Südafrika wie in der gängigen Berichterstattung verklären und auf ein Armutsproblem reduzieren wie das Schweizer Radio und Fernsehen: "Eine der stabilsten Demokratien des Kontinents und das Land mit der weltweit grössten sozialen Ungleichheit – beides ist Südafrika. Nach 30 Jahren Demokratie sind einige reich geworden, andere stiegen auf in den Mittelstand. Doch die meisten sind arm." (2)

 

Von einem friedlichen Miteinander kann in Südafrika nicht die Rede sein. Die wahren Verhältnisse sind Ausdruck massiver Klassenwidersprüche und dem Ringen zur Überwindung der Zustände. Die Deutsch-Südafrikanische Freundschaftsgesellschaft Marikana praktiziert Solidarität und Hilfe zur Selbstbefreiung, macht gerechte Kämpfe bekannt und unterstützt sie. In ihrer Solidaritätsarbeit pflegt sie eine enge Zusammenarbeit mit der ICOR-Organisation Communist Party of South Africa (Marxist-Leninist).

 

Marikana zeichnet ein klares Bild über die Zustände in Südafrika: "Nach dem offiziellen Ende der Apartheid hat sich an der sozialen Lage der Masse der schwarzen Südafrikaner nichts grundlegend geändert. 600 deutsche Firmen, darunter VW, Daimler, BASF, Bayer, ThyssenKrupp und Siemens beteiligen sich an der Ausbeutung der Arbeiter. Die Löhne sind um ein vielfaches geringer als in Deutschland. Südafrika ist das Land, wo die Schere zwischen Arm und Reich am weitesten auseinanderklafft. 60,9% der schwarzen Jugendlichen bis 24 Jahren sind arbeitslos! Das staatliche Stipendiensystem ist wegen Kürzungen kollabiert, im Jahr 2024 erhielten 121.000 Anspruchsberechtigte keine Förderung mehr.

 

Der ehemals revolutionäre ANC von Nelson Mandela wandelte sich als Regierungspartei zum Geschäftsführer des südafrikanischen und internationalen Finanzkapitals. Seit den letzten Wahlen bildet eine Koalition aus 13 Parteien, darunter auch Faschisten, die Regierung. Bergleute und Automobilarbeiter, Frauen, Schüler und Studenten kämpfen für eine lebenswerte Zukunft und wollen sich über Länder und Kontinente hinweg verbinden und Erfahrungen austauschen." (3) In Südafrika selbst gehört der 7% starken weißen Bevölkerung 70 % des Landes.

 

Von der einstigen besonders ausgebeuteten und unterdrückten Kolonie hat sich Südafrika zu einem neuimperialistischen Land entwickelt, das selbst Monopolbetriebe hat, Kapital exportiert und wirtschaftsstärkstes Land auf dem afrikanischen Kontinent ist. Es zählt zu den BRICS-Staaten, die auf dem Weltmarkt als neuimperialistische Konkurrenten in Erscheinung treten und die sich international zu einem politischen Bündnis zusammenfinden. BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Das Staaten-Bündnis repräsentiert rund drei Milliarden Menschen, was laut Bundeszentrale für politische Bildung etwa 42 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Argentinien, Saudi-Arabien, Ägypten, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Äthiopien werden (wurden - der Verf.) ab dem Jahr 2024 Mitglieder der BRICS-Gruppe. (4)

 

Südafrika spielt für dieses Bündnis auf dem afrikanischen Kontinent eine Schlüsselrolle und will mit einer faschistischen Regierung diese innen- und außenpolitisch absichern. Ein unglaublicher Hass auf Migranten wird geschürt, die als billige Arbeitskräfte aus den Nachbarländern kommen und als Sündenböcke für die Zustände verantwortlich gemacht werden. Sie leben rechtlos und unter menschenunwürdigen Bedingungen. Bedrohungen, Beleidigungen, Prügelattacken, es gibt Verwüstungen, Behausungen werden in Brand gesteckt. Faschistische Märsche werden vom Militär geschützt, verhöhnend noch als Ausdruck der Meinungsfreiheit bezeichnet.

 

Daniel du Plessis ist Rüstungsmanager eines Konzerns, der unter anderem Überwachungsdrohnen herstellt. Er halte die angekündigten Investitionen für richtig, sagte er dem Nachrichtenkanal Newzroom Afrika, betonte aber, dass seiner Ansicht nach "Zäune allein das Problem nicht lösen" würden. Du Plessis plädiere dafür, moderne Technik mit Künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung zu kombinieren. "Diese Technologien existieren bereits, und ihre Betriebskosten sind nicht so hoch wie die wirtschaftlichen Schäden, die entstehen, wenn grenzüberschreitende Bewegungen nicht wirksam reguliert werden", sagte er." (5)

 

Doch die Herrschenden werden über ihre reaktionäre Politik den Kampf um den Sozialismus weltweit nicht aufhalten können - weder in Südafrika noch in Deutschland. So bekommt der Heritage-Day eine ganz andere Bedeutung. Den "Armen" an einem Tag Almosen geben löst kein einziges Problem. Stattdessen gegen Apartheid, Faschisierung, für Arbeiterrechte und Arbeitsplätze, für die Perspektive der Jugend und der Frauen in einer lebenswerten Zukunft den Kampf zu organisieren - das ist ein ehrenvolles Erbe des antikolonialen Kampfes dafür, dass kein Mensch über einem anderen stehen darf.

 

Diese Absicht unterstützt der Jugendverband REBELL nach Kräften und schickt zur Fertigstellung des Jugendzentrums in Smiling Valley vom 19.10. -16.11.26 eine zweite Jugendbrigade nach Südafrika. Mit Jugendlichen vor Ort wird weiter gebaut. Wer die Brigade unterstützen möchte - auch in Form von Einkauf von Baumaterial - kann das mit einer Spende auf das Konto von Solidarität International (SI) e.V. mit dem Stichwort Brigade Südafrika unterstützen: IBAN DE86 5019 0000 8005 84 bei der Frankfurter Volksbank Rhein/Main. 

 

Siehe auch Die zweite REBELL-Brigade nach Südafrika geht bald los!