Bildungskrise

Bildungskrise

Erste Eindrücke vom neuen Schuljahr

Anlässlich der Einschulung unseres Enkels nahmen auch wir Großeltern an der Feier teil.

Korrespondenz aus Bielefeld
Erste Eindrücke vom neuen Schuljahr
Mit der Einschulung beginnt eine neue Phase im Leben der Kinder - und die wird ihnen durch die bürgerliche Bildungspolitik zunehmend schwerer gemacht.

Es ist Jahrzehnte her, dass wir unsere eigenen Kinder eingeschult haben, und so waren wir gespannt auf die Veränderungen.

 

Die Grundschule in einem alten Backsteingebäude der östlichen Innenstadt hatte lange keinen guten Ruf. Doch durch eine gemeinsame Anstrengung und Initiative einer neuen, engagierten Schulleitung ist es gelungen, ein neues Schulkonzept zu entwickeln und die Anmeldezahlen wieder so weit zu erhöhen, dass sogar eine zusätzliche 1. Klasse zu der bisherigen Zweizügigkeit eingerichtet werden konnte.

 

Zu den Veränderungen zählen vor allem der Frühbeginn in Englisch und zweisprachiger Unterricht in Sport, ein täglich frisch gekochtes Mittagessen, eine zusätzliche Sozialpädagogin, ein großes Outdoor-Sportgelände, ein kleiner Schulgarten mit Hühnern sowie eine OGS (Offene Ganztagsschule), die zumindest für die Jahrgänge 1 und 2 verbindliche Plätze über Mittag bis 15 Uhr anbietet.

 

Nach der Begrüßung durch die älteren Schülerinnen und Schüler, die – mit bunten Bändern und Hüten ausgestattet – einen Willkommenskanon erstaunlich sauber angestimmt hatten, wurden die Namen der drei Anfängerklassen vorgelesen. Offensichtlich waren die ersten beiden Klassen nach den Kita-Bezirken zusammengestellt worden, denn die Eltern schienen sich schon zu kennen. Dabei zeigte sich eine deutliche Trennung nach Wohngebieten. Während in Klasse A traditionelle deutsche Namen vorgelesen wurden, entsprach Klasse B mit einem Drittel ausländischer Namen dem statistischen Durchschnitt in unserer Stadt. Die neu eingerichtete Waschbären-Klasse fiel dagegen mit 80 Prozent ausländischer Namen deutlich aus dem Rahmen, darunter unser Enkel, dessen Vater vor dem damaligen Krieg in Bosnien geflüchtet war.

 

 

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Üben mit der Schere - früher ganz normal, heute mancher Kita wegen des Verletzungsrisikos zu gefährlich.

 

Beim ersten Elternabend stellte sich heraus, dass die Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet kommen und sich alle nicht kannten. Aufgrund der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen – eine asiatische Mutter war erst vor drei Monaten nach Deutschland gekommen – hat diese Klasse eine zusätzliche Sozialpädagogin. Außerdem wurde eine Studentin als Schulassistenz angestellt, welche die Kinder beim Toilettengang begleitet, den Kindern beim Umgang mit der Schere hilft und die Schuhe zubindet. So blieben in der ersten Sportstunde nur zehn Minuten für den Sport übrig, da das Umkleiden 35 Minuten erforderte. Glücklicherweise braucht unser Enkel diese Begleitung nicht mehr, obwohl er noch keine sechs ist.

 

Bei den bundesweiten Bildungsprotesten am 19. September habe ich mit einer Erzieherin darüber gesprochen. Sie erklärte mir, dass ihre Kita beschlossen hätte, wegen Verletzungsgefahr nicht mehr mit der Schere zu üben.

 

Auf dem Elternabend wurde bekannt, dass ein Schüler  in den ersten Tagen schon regelrecht ausgerastet ist. Den Vogel schoss ein – deutscher – Vater ab, der für seine Tochter eine Einzelkabine zum Umziehen forderte. Man könne doch den Mädchen nicht zumuten, sich in einer Sammelumkleide umzuziehen! 

 

Die Eltern bekamen neben dem Stundenplan, der wie eh und je sehr formal den Vormittag in Fächer unterteilt, eine Schulvereinbarung mit, in der Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sich gegenseitig verpflichten, ein Regelwerk einzuhalten. Neben den altbekannten Ordnungsregeln für Schülerinnen und Schüler wie „Wir dürfen im Treppenhaus keine Gegenstände hinunterwerfen“ oder „Ich setze mich zum Essen hin und esse mit Besteck“ sind es vielmehr die Erziehungsvereinbarungen mit den Eltern, die einen eklatanten Unterschied zu früheren Generationen sichtbar machen. Ganz oben in dieser Vereinbarung verpflichten sich die Eltern, dass ihr Kind ausgeschlafen und pünktlich zur Schule gebracht und vor dem Schulgelände verabschiedet wird.

 

Ein weiterer Punkt betrifft ein gesundes Frühstück, die Vermeidung von Einwegverpackungen sowie dem Wetter angemessene Kleidung. Alles Selbstverständlichkeiten, sollte man meinen. Übrigens erfuhren wir auch, dass aktuell vier Stellen an der Schule nicht besetzt sind. Im Bekanntenkreis sorgte unser Bericht für Kopfschütteln und angeregte Diskussionen.