Egoismus oder Selbstlosigkeit

Egoismus oder Selbstlosigkeit

Eine Frage der Denkweise

Auf der DGB-Demonstration am 26. September in Essen nahm ich mir vor, offensiv das neue Buch der MLPD „Die Lehre von der Denkweise“ zu verkaufen.

Von azi

Ein Kollege sagte im Gespräch: „Es ist in der DNA der Menschen, dass sie egoistisch sind. Sie werden sich nicht – wie die MLPD sich das vorstellt – organisieren und eine Revolution machen.“ Das hörte ich mehrmals.

 

Doch: Allein in Essen gingen 18.000 Menschen auf die Straße, und das nicht zuletzt für die Zukunft der Jugend! Am Montag, den 21. September, waren 175.000 Autoarbeiterinnen und Autoarbeiter in ganz Deutschland aktiv. Aber auch im täglichen Alltag sind 26,97 Millionen Menschen ehrenamtlich am Arbeiten (36,7 Prozent der gesamten Bevölkerung ab 14 Jahren – bei den migrantischen Leuten sind es allein 28,4 Prozent). Jeder erinnert sich an die große Hilfsbereitschaft während der Corona-Krise.

 

Im Stillen findet täglich massenhafte Care-Arbeit in den Familien und Nachbarschaften statt. Bei mir im Stadtteil beteiligen sich monatlich viele Leute an gemeinsamen Putzaktionen. Das sind nur einige praktische Beispiele dafür, wie die Selbstlosigkeit in der Gesellschaft zum Ausdruck kommt. Aber der Kollege hat dahingehend recht, dass die Menschen im Kapitalismus von Kind an zu Egoismus erzogen und entsprechend geprägt werden sollen. Das hat Wirkung auf das Denken, Fühlen und Handeln der Leute. Oft hört man ja z. B.: „Für mich macht auch keiner was.“

 

Doch das proletarische, selbstlose Denken, Fühlen und Handeln gehört zur menschlichen Gesellschaft. Eine Gesellschaft könnte nicht überleben, wenn jeder Einzelne nur nach seinem eigenen Vorteil streben würde – nur auf Kosten des anderen. Es ist doch vielmehr so, dass die verschiedenen Fähigkeiten, die Stärken und Schwächen des Einzelnen sich im Kollektiv, also in der Gesellschaft, ausgleichen und so vervielfältigen können.

 

Die Selbstlosigkeit als Bestandteil der proletarischen Denkweise macht sich der Kapitalismus zunutze, um die Gesellschaft am Laufen zu halten.

 

Stellt euch aber vor, was diese Selbstlosigkeit, unsere ganzen Fähigkeiten in einer befreiten Gesellschaft, dem echten Sozialismus, hervorbringen könnte! Was an Lebensqualität, Produktivität und Fortschritt für die Masse der Menschen entstehen könnte.

 

So eine Gesellschaft zu erkämpfen, geht nur organisiert. Der Kapitalismus ist ein hoch organisiertes Ausbeutungssystem, das tief in der Krise steckt. Dem können wir als Arbeiterklasse auch nur organisiert entgegentreten. Gewerkschaften können starke Kampforganisationen sein – das haben sie in den letzten Wochen bewiesen. Aber die Arbeiterklasse muss über diesen Rand hinausschauen und sich revolutionär zusammenschließen. Deshalb ist der nächste Schritt, Mitglied in der MLPD zu werden!