Erpressungsversuch

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Monopolangriff auf die 35-Stunden-Woche fordert die Arbeiter zum Kampf als Klasse heraus

"35 Stunden, 35 Stunden! Noch besser: 30 Stunden!" - skandierten Mercedes-Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Großkundgebung in Stuttgart am 26. September, wozu der DGB aufgerufen hatte. Auch auf der Betriebsversammlung am 28. September machten die Untertürkheimer Kollegen dem anwesenden Mercedes-Chef Ola Källenius unmissverständlich klar, dass seine diktatorische Forderung nach einer 40-Stundenwoche ohne Lohnausgleich eine rote Linie überschreitet.

Von wb
Monopolangriff auf die 35-Stunden-Woche fordert die Arbeiter zum Kampf als Klasse heraus
Kampfbereite Kolleginnen und Kollegen von Mercedes in Stuttgart-Untertürkheim (Foto: RF)

Wenn er glaubt, die Belegschaft mit der Drohung von zwei Werkschließungen im Falle von Widerstand zu erpressen, dann bekommt er es mit dem Streik der Arbeiter zu tun – so der Tenor vieler Kollegenstimmen. Beim Angriff auf die 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich der Metaller, steht Källenius inzwischen nicht allein: auch Stihl (Weltmarktführer bei Motorsägen), Bosch, BMW und höchstwahrscheinlich VW, das gerade dazu den Manteltarifvertrag gekündigt hat, wollen mit einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit die Profite erhöhen. Unterstützung bekommen sie dabei vom „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer.

„Von früheren Privilegien wieder Abstand nehmen“ (1)

Diesem „Experten für Monopolinteressen“ sei gesagt: beim Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit, der seit Beginn der Arbeiterbewegung im Zentrum des Kampfes zwischen Arbeiter- und der Klasse der Kapitalisten steht, geht es um mehr Zeit, die der Arbeiter für sich zur Verfügung hat. Das steht im heftigen Kampf gegen das Bestreben der Kapitalisten, die Zeit für die Mehrarbeit auszudehnen, die sich diese unentgeltlich für ihre Profite aneignen. Gegen diese Privilegien richtet sich der Kampf der Arbeiter um die Arbeitszeitverkürzung. Er dient dem Erhalt unserer Gesundheit, um mehr Zeit für unsere Bedürfnisse, Familie und das gesellschaftspolitische Engagement zu haben.

35-Stundenwoche „nicht mehr zeitgemäß“?

Für Dudenhöffer sei es „vor Jahrzehnten in Deutschland möglich gewesen, bei vollem Lohnausgleich die Arbeitszeit zu verkürzen. 'Diese Zeiten sind vorbei'. Deutschland dümpele bei der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Rest der Welt herum.“ (1) Zu seiner Erinnerung: Die 35-Stundenwoche, die von den Monopolen und Bundeskanzler Kohl als Untergang der Wirtschaft diskriminiert wurde, musste in einem siebenwöchigen Streik hart erkämpft werden. Sie hat „in dieser Zeit“ dafür gesorgt, dass die Rationalisierung und andere Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität nicht zur massenhaften Arbeitsplatzvernichtung geführt haben. So sagen heute noch viele ältere Mercedes-Kollegen oder ehemalige Leiharbeiter, die übernommen wurden, dass sie das der Verkürzung der Arbeitszeit zu verdanken haben. Der Kampf um Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist auch ein Kampf der arbeitslosen Kolleginnen und Kollegen und der Jugend.

„Zeitgemäß“:30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich

Der Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle von Mercedes in Untertürkheim hat Recht, wenn er scharf kritisiert, dass die 40-Stundenwoche „angesichts sinkender Stückzahlen zu einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen“ führen würde. Wenn man Beschäftigung sichern will, müsste man eher über eine 30-Stunden-Woche nachdenken“. (2) Richtig - und zwar mit vollem Lohnausgleich. Darin besteht die offensive Antwort und ein Kernstück der Gegenoffensive der Arbeiterklasse – die die MLPD und ihre Betriebsgruppen fördern und organisieren helfen. Das ist die „zeitgemäße“ Klassenforderung. Sie schließt Stamm- und Leiharbeiter, Jung und Alt, Arbeiter und Arbeitslose zusammen und richtet sich gegen das kapitalistische Ausbeutersystem. Diese Forderung „orientiert die Arbeiterklasse darauf, um die Früchte der wachsenden Arbeitsproduktivität zu kämpfen, und führt sie so an die Frage einer Gesellschaftsordnung heran, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft ist.“ (3)

IG Metall droht mit Proteststurm bei Aus für 35-Stunden-Woche

Die Vorsitzende Christiane Benner warnt: „Wer die Abschaffung fordert, der erntet einen Proteststurm.“ Auch hat sie recht, wenn sie ablehnt, dass die Beschäftigten für die Krisen zur Verantwortung gezogen werden. (Wobei sie nicht vom Kapitalismus spricht, der gesetzmäßig zu Überproduktions- und Strukturkrisen führt). "Kein einziges Auto mehr wird verkauft, nur weil die Belegschaft länger arbeitet" – so die IG Metall. (4) Das weiß natürlich auch der Mercedes-Vorstand. Aber eine 40-Stundenwoche wäre eine Kürzung des Stundenlohns von 12,5 bis 13 Prozent, der den Profiten und – so die Hoffnung von Källenius – dafür sorgen würde, dass Mercedes wieder international in die Poleposition kommt. Dafür wollen die Monopole der Automobil- und Zulieferindustrie in der Branche die Arbeitsplätze, deren Zahl 2018 noch 830.000 betrug und derzeit bei 700.000 liegt, bis 2030 auf 500.000 abbauen.

 

Nach dem Motto „haltet den Dieb“, halten ausgerechnet diese Arbeitsplatzkiller den Automobil-Beschäftigten vor, dass diese mit der Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und sozialen Rechte schuld seien, dass sie so viele Arbeitsplätze vernichten mussten!175.000 Automobilarbeiter und -angestellten haben ihnen beim IG Metall-Aktionstag mit Protest- und Streikmaßnahmen am 21. September eine erste offensive Antwort gegeben. Jetzt gilt es ein bis zwei Gänge rauf zu schalten:

 

  • mit dem vollem Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft in der jetzt beginnenden Metall-Tarifrunde
  • mit der Organisierung von selbständigen, konzern- und branchenweiten selbständigen Streiks um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz und für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich
  • mit der Verbindung zum politischen Kampf gegen die arbeiter- und volksfeindliche Politik der Bundesregierung im Dienste der Monopole!