Betriebsversammlung Mercedes-Benz Untertürkheim
Forderung nach 30-Stunden-Woche greift um sich
Mercedes-Chef Källenius wurde „auf der Betriebsversammlung gegrillt“: Bundesweit berichteten die Medien über die Betriebsversammlung des Untertürkheimer Mercedes-Stammwerkes am Montag in der Stuttgarter Schleyerhalle.
Bereits die Teilnahmezahl von über 5000 Beschäftigten machte deutlich, dass die Belegschaft ihren obersten Chef Ola Källenius zur „Rede und Antwort stellen will“, wozu der Betriebsratsvorsitzende auf der Kundgebung am 21. September des IG‑Metall-Aktionstages mobilisiert hatte. Denn der Großangriff des Mercedes-Vorstands auf die hart erkämpfte 35‑Stunden-Woche sowie auf tarifliche und übertarifliche Sonderzahlungen stößt auf breiten Widerstand.
Das erfuhren auch die Mitglieder der MLPD bei ihrem Einsatz vor der Halle, als sie fragten: Bist Du auch dafür, dass wir Arbeiter jetzt in die Gegenoffensive gehen? Sie verbanden dies damit, jetzt Mitglied in den Betriebsgruppen der MLPD zu werden oder mit ihnen zusammenzuarbeiten, wozu mehrere Kollegen bereit sind. Möglicherweise aus Angst vor dieser Stimmung, waren auf der Betriebsversammlung nur einminütige Fragen an Källenius zugelassen.
Der erste Fragesteller bedankte sich für diese Gelegenheit und fragte nur höflich, was der Vorstand vorhat. Doch schnell änderte sich das und die Fragen wurden immer mehr zur Kritik. Und wenn Källenius diese nicht beantwortete, kritisierte der nächste Kollege das umso heftiger. Ein Vertrauensmann fasste das so zusammen: „Källenius wurde regelrecht gegrillt.“
Gegenüber dem SWR sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle: "Die Stimmung war so, wie man es sich vorstellen kann, wenn einem das Unternehmen letztendlich, ich sage es jetzt mal, die Pistole auf die Brust setzt." Häberle verteidigte seine scharfe Kritik, nach der die ultimative Forderung des Vorstandes, in Zukunft 40 bzw. 38 Stunden in der Woche ohne Lohnausgleich zu arbeiten, auf eine weitere Arbeitsplatzvernichtung hinauslaufe. Notwendig wäre vielmehr eine weitere Verkürzung auf 30 Stunden. Das wäre aber nur ein Vorschlag und keine Forderung.
Dieser "Vorschlag" von ihm muss natürlich aufgegriffen werden. Als zu erkämpfende Forderung vertritt und fördert es die MLPD mit ihren Betriebsgruppen bereits seit Jahren und berät sich dazu mit den Kolleginnen und Kollegen, diese in einem konzernweiten Kampf durchzusetzen.