Filmindustrie und Gewerkschaft

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Bela Lugosi: Vom Revolutionär zum Dracula

Dass der aus Ungarn stammende US-Schauspieler Bela Lugosi (1882 bis 1956), der am 20. dieses Monats 144 Jahre alt geworden wäre, später als Dracula-Darsteller zu einer Ikone Hollywoods wurde, ist weltbekannt. Weniger bekannt ist seine Rolle in der revolutionären Bewegung Ungarns 1918/19.

Von ffz
Bela Lugosi: Vom Revolutionär zum Dracula
Lugosi 1931 in seiner berühmtesten Rolle als Dracula am Set des gleichnamigen Films (foto: gemeinfrei)

Lugosi, damals bereits ein bekannter Schauspieler, engagierte sich in der gewerkschaftlichen Organisierung seiner Kolleginnen und Kollegen. Er gründete zunächst die „Freie Organisation der Theaterangestellten“ und wirkte später beim Aufbau der landesweiten Schauspielergewerkschaft mit. Im März 1919 führte er eine große Demonstration von Schauspielerinnen und Schauspielern an.

 

Während der Ungarischen Räterepublik setzte er sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und die Abhängigkeit der Schauspielerinnen und Schauspieler von privaten Theaterunternehmern ein. Nach dem Sturz der Räterepublik im August 1919 wurden Kommunistinnen und Kommunisten, Linke, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter verfolgt. Auch Lugosi musste Ungarn verlassen und ging zunächst nach Wien und anschließend nach Berlin. Von dort führte ihn sein Weg schließlich in die USA. 1931 wurde er mit seiner Darstellung des Grafen Dracula zuerst auf der Theaterbühne und dann im Kino weltberühmt.

 

Bemerkenswert ist: Auch in Hollywood blieb Lugosi gewerkschaftlich aktiv. Er gehörte 1933 zu den Gründungsmitgliedern der Screen Actors Guild (SAG), der späteren großen Schauspielergewerkschaft der USA. Lugosi trug dort die Mitgliedsnummer 28. Gemeinsam mit anderen Schauspielern, darunter seinem Kollegen Boris Karloff, der im Kino als Frankensteins Monster weltberühmt wurde (mehr dazu hier),  setzte er sich in den folgenden Jahren dafür ein, weitere Kolleginnen und Kollegen für die junge Gewerkschaft zu gewinnen.

 

Bela Lugosi (links) und Boris Karloff (rechts) auf einem Screenshot ohne Dracula- und Frankenstein-Kostüm privat bei einem Empfang

 

Bela Lugosi und Boris Karloff

 

Damit zieht sich ein bemerkenswerter roter Faden durch seine Biografie: vom gewerkschaftlichen Organisator in der Arbeiterbewegung Ungarns bis zum Mitbegründer einer Schauspielergewerkschaft in Hollywood. Hinter einem der berühmtesten Gesichter des klassischen Horrorfilms stand also auch ein Schauspieler mit einer langen Geschichte gewerkschaftlichen Engagements.