Rente und Lohn

Rente und Lohn

100-Jährige und die Manipulation der öffentlichen Meinung

Am letzten Samstag protestierten in 15 Städten insgesamt 175.000 Gewerkschafter, Sozialverbände, Parteien und andere lautstark gegen die soziale Kahlschlagspolitik der Regierung. Vielmehr als die vom DGB erwarteten 100.000. Was berichtet die abendliche 20 Uhr Tagesschau darüber?

Jz
100-Jährige und die Manipulation der öffentlichen Meinung
Haben sich die 100-Jährigen verschworen, um das Sozialsystem zu stürzen? Die Erfahrung für einen solchen Coup hätten sie ja...

Bevor der interessierte Zuschauer etwas darüber erfährt, wird er mit einem Kurzfilm zur Situation der Rentenkassen in Deutschland konfrontiert. Darin erklärt einem zu Beginn der Moderator mit der sonorigen Stimme eines sorgenvollen Pastors über den dramatischen Anstieg von Hundertjährigen in Deutschland. Anfang der sechziger waren 100-Jährige noch wenige Ausnahmeerscheinungen, heute sind es schon um die 18 000! Was für eine besorgniserregende Belastung für die Rentenkassen!

 

Auf solche Gedanken und Gefühle zielt dieser Beitrag offensichtlich ab, bevor über die vielen vermeintlich unwissenden und gegenüber 100-Jährigen gefühlskalt demonstrierenden Gewerkschafter für die Beibehaltung einer Rente nach 45 Beitragsjahren berichtet wird. Ein äußerst plumper und beschämender Versuch bei den Zuschauern der Tagesschau ein Verständnis für drastische Rentenkürzungen im Sinne der tatsächlich gefühlskalten Monopole zu wecken, in dessen prall gefüllte Kassen die gekürzten Leistungen von Sozial- und Rentenkassen direkt umgeleitet werden sollen.

 

So eine dreist manipulative Berichterstattung wird bestimmt nicht nur etliche Hundertjährige an den Rand eines Herzinfarktes gebracht haben. Die vielen Streik- und Protestaktionen der letzten Woche sind im Gegenteil Ergebnis einer proletarischen Denkweise für die sozialen Errungenschaften im Sinne der Jugend und der Rentner, einschließlich aller 100-Jährigen, gemeinsam zu kämpfen. Gefühlskalt sind andere!