Neckarsulm
Zum gewerkschaftlichen Kampf- und Streiktag vor Audi: "Klar, bin dabei!"
21. September, 5 Uhr, am Tor von Audi Neckarsulm. Der Kreisverband der MLPD Heilbronn verteilt den Aufruf: "21.9. Branchenweiter Streiktag – 26.09. Massenkampf gegen die Regierung"
Die Sensation zuerst: Kein Polizeieinsatz! Das gab es in den vergangenen Monaten nur einmal. Die Polizei tut gut daran, heute zurückzuweichen. Denn heute machen die Autoarbeiter bundesweit mobil!
Zwei Drittel der Kollegen nahmen das Flugblatt gerne. Viele wussten schon Bescheid, da die IG Metall auch schon an den Toren Flugblätter für den heutigen Aktionstag verteilt hat. In Neckarsulm findet jetzt die Kundgebung um 15 Uhr am Tor 6 statt. Ab 14:30 Uhr soll mit einer Demonstration aus dem A13 dorthin marschiert werden.
Wir riefen die Frühschicht auf, nach der Schicht da zu bleiben. Wenn heute in 200 Standorten mobilisiert wird, sollte man sich in Neckarsulm schließlich auch nicht lumpen lassen, heute maximale Stärke zu zeigen! Viele hatten das vor oder sagten zu, ihre Abteilungen entsprechend zu mobilisieren. "Richtig so!", viele waren stolz und beeindruckt, dass in 200 Standorten heute alle Autoarbeiter gemeinsam den Autokonzernen zeigen, wo der Hammer hängt.
Einer merkte an: "Streiken und schaffen passt aber nicht zusammen!" Das war eine Kritik daran, dass in der Frühschicht ganz normal gearbeitet werden soll. Kritikwürdig ist auch, dass der Betriebsratsvorsitzende die heutige Aktion als Betriebsratssprechstunde ausdrücklich "außerhalb der deutschlandweiten Kundgebungen" der Gewerkschaft abhalten will.
Deshalb wurde die Info über die Kundgebung explizit von der Homepage der IG Metall heruntergenommen. Will er sich lieb Kind bei der Geschäftsführung machen? Wie auch immer, faktisch findet die Kundgebung selbstverständlich zeitgleich und konzertiert mit den Protestaktionen und Streiks in allen Werken Deutschlands statt. So verstehen es auch die Kolleginnen und Kollegen und die IG Metall hatte ursprünglich auch aufgerufen und mobilisiert.
Ein Kollege frotzelt gegenüber seinem Kollegen: „Nimmst du jetzt auch schon das rote Blatt?" Der antwortete schulterzuckend: „Lieber das als gar nichts".
Stärker geworden ist allerdings auch ein gutes Drittel, die wortlos vorbeigingen und sich nicht an den Aktivitäten der Gewerkschaft beteiligen wollen. Angeblich hätte das Unternehmen ja sowieso nichts zu tun und da würde ein Streit keinen Sinn machen. Hier verfangen Argumente der AfD, die massenhaft in den Kommentarspalten der Social Media verbreitet werden. Demnach wären die hohen Löhne, die Gewerkschaft und Streikvorschläge schuld an der Lage in der Autoindustrie. Das ist zwar ein Hohn, muss aber erst gründlich verarbeitet werden. Zwei Kollegen schlugen aggressiv Flugblätter aus der Hand, das war aber eine absolute Minderheit.
Von einer noch im Juli oftmals am Tor geäußerten vermeintlichen Konkurrenz zwischen Vorschlägen der MLPD und der Gewerkschaft war heute nichts zu spüren. Gerade die Gewerkschafter nahmen das Flugblatt gerne und freuten sich über die Solidarität und den Aufruf. Mitbestimmung nur durch Strekt – diese Losung bricht sich Stück für Stück Bahn.
Hier gibt es ein kurzes Video von Lisa Gärtner vom Tor bei Audi Neckarsulm