Automobilindustrie

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Sind die Löhne wirklich zu hoch?

Unter der Überschrift »Autoproduktion in Deutschland ist kein Naturgesetz« fordert VDA¹-Präsidentin Hildegard Müller anlässlich des heutigen Streiktags in der Automobilindustrie »mehr Veränderungsbereitschaft von Gewerkschaften und Beschäftigten«². Die Löhne seien viel zu hoch, die Arbeitszeit zu kurz – damit sei die Produktion in Deutschland eben nicht wettbewerbsfähig.

Von rj

Die Arbeitszeit zu kurz? Hier lässt Frau Müller mal eben die Tatsache weg, dass es in Deutschland sehr viel mehr Teilzeitbeschäftigte gibt. Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeiten auch nicht weniger als in anderen europäischen Ländern.

 

Die Löhne zu hoch? Es stimmt, die Löhne in Deutschland sind höher als in Tschechien oder Polen. Aber erstens muss das ins Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten der Arbeiter gesetzt werden. Zweitens gehört Deutschland laut OECD zu den drei großen Volkswirtschaften mit der höchsten Stundenproduktivität. Und drittens machen die Löhne in der deutschen Automobilindustrie nur etwas über 12 Prozent des Umsatzes aus. Eine Lohnkürzung um 20 Prozent würde die Gesamtkosten gerade mal um 2,5 Prozent senken. Das löst keinesfalls das Problem des Rückfalls der deutschen Automobilindustrie, weil sie ihre Monopolpreise im internationalen Konkurrenzkampf immer weniger durchsetzen können.

 

Mit der Behauptung, die Löhne in der deutschen Automobilindustrie seien um 44 Prozent höher als der Durchschnittsverdienst in Deutschland, versucht Müller auch noch, die Arbeiterklasse zu spalten und Neid zu schüren auf die angeblich im Luxus lebenden Automobilarbeiter. Natürlich haben sich die kampfstarken Automobilbelegschaften in den industriellen Großbetrieben höhere Löhne erkämpft. Aber bei den angeblichen »44 Prozent Lohnabstand« sind auch die üppigen Gehälter von Führungskräften mitgerechnet!

 

Vor allem muss heute die gesamte Arbeiterklasse zusammen gegen die Ausbeutungsoffensive durch Staat und Monopole, für höhere Löhne in Einheit mit dem Erhalt sozialer Errungenschaften kämpfen. Deshalb muss der heutige Streiktag der Automobilarbeiter auch eine Einheit bilden mit dem Kampftag am 26. September.