Schluss mit dem Hütchenspiel!

Schluss mit dem Hütchenspiel!

Protestkundgebung bei BP Gelsenkirchen

Premiere: Eine Kundgebung vor dem BP-Tor in Gelsenkirchen-Horst. Ausgestattet mit der Genehmigung der Polizei und einer fröhlichen sechsköpfigen Gruppe, einem "Vorort"-Extra und Lautsprecherwagen ging es los. Das "Vorort"-Extra titelte: Die Hütchenspiele des Herrn Klesch oder: Wie BP Kritik unterdrückt.

Korrespondenz
Protestkundgebung bei BP Gelsenkirchen
Die Aktivistinnen strahlten mit der Sonne über Gelsenkirchen um die Wette (rf-foto)

Wie zu erwarten war, wurden wir von rot-weißen Hütchen begrüßt, mit denen BP signalisieren will, dass das Gelände befriedet sei und wir keinen Zutritt hätten. Empfangen wurden wir von einem großen Polizeiauto, insgesamt rund sieben Werksschützern und erstmals sogar zwei Vertretern der Werksleitung der Klesch-Group.

 

Die verzweifelten Versuche seitens der Polizei und des Security-Mannes, uns davon zu überzeugen, dass wir befriedetes Gelände betreten, waren fruchtlos. Das Recht ist eindeutig auf unserer Seite. Rot-weiße Hütchen stellen keine Befriedung eines Geländes dar. Der Werksschutz bildete zwar eine Kette, doch hatte er keine Handhabe, uns zu hindern, als wir vorbeimarschierten. Kaum waren wir vorbei, da zischte der Polizist zum Werksschutz: „Die Frau hat völlig recht, die Hütchen gelten nicht als Befriedung!“ Warum wollte er dann uns gegenüber den Durchgang verbieten?

 

Noch bevor wir überhaupt angefangen hatten, wurden alle Tore geschlossen, um das Werksgelände hermetisch abzuriegeln. Zugleich wurden Autos umgeleitet. Was für ein Aufwand!

 

Mit Schildern, Musik und kurzen Ansprachen am Mikrofon sowie dem Verteilen unseres "Vorort"-Extra zum Thema Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch Klesch begannen wir unseren Einsatz. Wir mobilisierten zum DGB-Aktionstag am morgigen 26. September und klärten über die Repressionen durch Klesch und die Polizei auf. Wir konnten mit einer Reihe von Kolleginnen und Kollegen kurze Gespräche führen. So gab es Stimmen wie: „Ja, allerdings, das Recht habt ihr.“ „Ja, sobald ich Zeit habe, werde ich mich für euch einsetzen …“

 

Auf die Kolleginnen und Kollegen wird offensichtlich ein enormer Druck ausgeübt. Anders kann man sich die Gedanken eines Kollegen nicht erklären: „Wie soll ich mich da positionieren? Das ist mein Arbeitgeber, wenn ich da was sage, dann bin ich morgen meinen Job los.“ Ein anderer Kollege sagte: „Ich rechne bei dem neuen Besitzer insgesamt mit einem Kurswechsel, von Mitbestimmung wird es hier, glaube ich, bald nicht mehr viel geben.“

 

Auch gab es einzelne aggressive oder hetzerische Reaktionen („Nur die AfD“ oder „Geh mal arbeiten“), aber das war keine Handvoll. Nicht selten gab es ein verschmitztes Lächeln. Nicht nur der strahlende Sonnenschein und unser gestärktes Selbstverständnis, dass wir als zugelassene Partei das Recht und auch die Pflicht auf freie Meinungsäußerung haben, machten gute Laune und hoben die Vorfreude auf das nächste Mal.

 

Mal sehen, wie es dann mit den Hütchen aussieht.

 

Auf dem Social-Media-Kanal von Lisa Gärtner folgt demnächst ein Video.

 

Hier gibt es nun die Extra-Ausgabe des "Vorort" zum selber lesen