Terror gegen Kranke
Kampf gegen die Faschisierung von Betriebsführungen
Rote Fahne News berichtete in den letzten Monaten häufiger über Konzerne mit faschistoider Betriebsführung, die auch in Deutschland Werke eröffnet haben. Einige Leser fragen nach – was ist eigentlich eine faschistoide Betriebsführung?
Eine Seite davon ist der tägliche unmenschliche Umgang mit den Beschäftigten. Der Name des Kollegen und der Betrieb, von denen der folgende Bericht handelt, sind der Redaktion bekannt.
Es geht um einen Kollegen, nennen wir ihn Karl. Er arbeitet inzwischen seit mehreren Jahren im Betrieb. Vor einiger Zeit wurde er von heute auf morgen ohne sein Einverständnis in eine andere Abteilung versetzt. Da in diesem Bereich mit Gefahrstoffen gearbeitet wird, musste er eine andere persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen als bisher. Nach kurzer Zeit bekam er gesundheitliche Probleme. Er hatte Schmerzen. Er wandte sich an seinen Vorgesetzten. Dieser ging nicht auf seine Probleme ein. Er könne da nichts machen, das sei nun mal so festgelegt, andere könnten mit dieser PSA auch arbeiten usw. Die gesundheitlichen Probleme wurden größer. Karl suchte wieder das Gespräch. Der Vorgesetzte wurde immer lauter, erhöhte den Druck. Es gehe nicht anders. Karl fiel es von Tag zu Tag schwerer, überhaupt zur Arbeit zu gehen. Die körperliche und psychische Belastung wurde immer größer. Er erkrankte arbeitsunfähig. Als er wieder zur Arbeit gehen wollte: eine Panikattacke am Werkstor. Wieder krankgeschrieben. Bei der Suche nach den Ursachen für seine körperlichen Beschwerden mit der PSA wurde eine schon länger bestehende schwere Erkrankung festgestellt. Ergebnis: Mit dieser PSA kann er nicht arbeiten.
Nun kommt es zum Personalgespräch. Anwesende Personen: Personalabteilung, Bereichsvorgesetzter und Werksleiter höchstpersönlich. Auf der anderen Seite Karl und der Betriebsrat seines Vertrauens. Der Werksleiter beginnt: Mit Ihrer nun festgestellten Erkrankung können Sie eigentlich gar nicht mehr bei uns arbeiten. Er erhebt die Stimme, wird laut und aggressiv. Jetzt haben Sie schon ein paar Jahre bei uns gearbeitet und uns gar nicht darüber informiert, dass Sie diese Erkrankung haben. Karl und der Betriebsrat seines Vertrauens sind fassungslos. Wie sollte er es sagen, wo er es noch gar nicht wusste!? Überhaupt: Kein Beschäftigter ist verpflichtet, seinem "Arbeitgeber" medizinische Auskünfte zu geben! Der Betrieb versucht immer wieder, erkämpfte Rechte zu ignorieren. Karl hatte die letzten Wochen in einem anderen Bereich gearbeitet, wo diese PSA nicht notwendig war. Doch der Werksleiter: Jetzt müssen alle anderen für Sie mitarbeiten. Aber Karl hatte doch in jeder Schicht acht Stunden gearbeitet. Er fragt, warum nicht jemand anderes für die Versetzung gefunden werden kann, der die notwendige PSA besser verträgt. Der Werksleiter: Wir haben Sie ausgewählt. Dann der Gipfel: Karl hatte in den letzten Wochen bei seiner Arbeit, bei der er keine PSA tragen musste, trotzdem PSA getragen. Er hatte sie so angepasst, dass er dadurch keine Schmerzen bekam. Nun der Vorwurf vom Werksleiter: Sie haben die PSA manipuliert. Das war auch das wichtigste Detail, welches im Protokoll über das Personalgespräch vermerkt werden sollte. Das konnten Karl und sein Betriebsrat verhindern. Der vermutete Hintergrund: Mit Abmahnungsterror und psychischem Druck versucht der Konzern, kranke und unliebsame Kollegen aus dem Betrieb zu mobben.
Der Konzern, in dem sich das abgespielt hat, gehört zur Automobilzulieferindustrie. Auch an diesem Betrieb wurde am 21. September der Aktionstag der IG Metall kämpferisch begangen. Besonders im Kampf gegen die weitere Faschisierung der Betriebsführung.